Erektile Dysfunktion: Untersuchungen & Diagnose

Erektionsstörungen können wichtige Frühwarnzeichen für ernste innere Erkrankungen sein, wie z.B. Diabetes mellitus oder eine Herzkrankheit. Deshalb ist es wichtig, die Ursachen frühzeitig zu untersuchen und zu behandeln.

Viele Männer mit erektiler Dysfunktion meiden aus Scham den Gang zum Arzt. Stichprobenartige Untersuchungen an Männern aus allgemeinmedizinischen Praxen in Deutschland haben ergeben, dass die Sexualstörung nur bei einem kleinen Teil der Männer Grund für den Arztbesuch war. Die Mehrheit der Männer hätte sich aber gewünscht, von ihren behandelnden Ärzten auf die Problematik angesprochen zu werden.

Am Beginn der ärztlichen Untersuchung steht eine ausführliche Befragung des Patienten. Die so genannte Anamnese bei Hinweisen auf erektile Dysfunktion umfasst Fragen nach Libido, Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs, Masturbationsverhalten sowie Ejakulationsstörungen (z.B. vorzeitiger oder fehlender Orgasmus). Auch Fragen zur Familien- und beruflichen Situation können für den Arzt Bedeutung haben. Hierbei sollte der Arzt auch auf die Sexualaufklärung durch Schule und Elternhaus eingehen. Wichtig sind ebenfalls Hinweise auf Allgemeinerkrankungen oder die Einnahme von Medikamenten, die mit Erektionsstörungen auslösen können.

Bei der klinischen Untersuchung beurteilt der Arzt das Volumen der Hoden, Ausprägung sekundärer männlicher Geschlechtsmerkmale, Veränderungen der Prostata, verhärteten Bindegewebssträngen im Bereich der Schwellkörper und sonstige äußere Veränderungen am Genital. Zusätzlich wird er Blutdruck, Becken- und Beinpulse messen sowie die Größe der Brustdrüsen untersuchen, um Störungen des Hormonhaushaltes erkennen zu können.

Darüber hinaus werden verschiedene Blutwerte gemessen, darunter die Hormone Testosteron und Prolaktin, Schilddrüsenhormone, Blutfette, das prostataspezifische Antigen, Cholesterin, Glukose und Kreatinin.

Anhand der Krankenvorgeschichte und den Untersuchungsergebnissen kann der Arzt meist schon Rückschlüsse ziehen, ob die Dysfunktion organische oder psychogene Ursachen

Penis-Doppler- bzw. Duplex-Sonografie

Mit Hilfe dieser Ultraschalluntersuchung kann der Blutzufluss und abfluss im Penis kontrolliert werden. In der Regel erfolgt die Messung zu Beginn einer künstlich herbeigeführten Erektion, da so der Bluteinstrom in die Schwellkörper besser zu untersuchen ist. Die Ergebnisse geben Aufschluss über das Vorliegen gefäßbedingter Ursachen.

Nokturne penile Tumeszenz-Messung (NTP)

Bei einem gesunden Mann treten in Phasen des Tiefschlafs unwillkürliche Erektionen auf. Mittels eines Messgerätes werden diese in mehreren aufeinander folgenden Nächten aufgezeichnet und Erektionsdauer und Penissteifheit gemessen. Dadurch kann zwischen organischen und psychischen Ursachen unterschieden werden: Liegen die ermittelten Werte im Normbereich von 3 –6 Erektionen mit mindestens 10-minütiger Dauer pro Nacht und etwa 70%iger Steifheit, sind wahrscheinlich psychische Probleme der Grund für die Erektionsstörung.

Schwellkörper-Injektionstest (SKIT)

Mit dem SKIT wird die Funktionsfähigkeit der Schwellkörper untersucht. Außerdem kann der Arzt mit dieser Methode die Versorgung der Penisarterien und die Verschließbarkeit der Venen beurteilen. Mittels einer direkt in die Schwellkörper gespritzten, die Gefäße beeinflussenden Substanz wird eine Erektion ausgelöst. Reichen bereits geringe Mengen aus, um eine länger anhaltende vollständige Erektion auszulösen, sind ernste gefäßbedingte Ursachen für eine Erektionsstörung unwahrscheinlich. Der Test hilft aber auch bei der Dosisfindung für einen Einsatz dieser Substanzen zum Zwecke der Behandlung (Schwelllörperautoinjektionstestung = SKAT).

Arterielle Angiografie, Kavernosometrie und Kavernosografie

In einigen Fällen wird die Blutversorgung auch mit Röntgenkontrastmitteln nachgewiesen. Die arterielle Angiografie macht die Arterien sichtbar und ermöglicht eine Untersuchung der Schwellkörper und der Venen. Zunächst wird mit Medikamenten eine Erektion ausgelöst. Dann werden in die Schwellkörper Kontrastmittel gespritzt und mit Röntgenstrahlen der Abfluss des Blutes beobachtet. Damit kann ein krankhaft gesteigerter Blutabfluss über die Venen festgestellt werden. Bei der Kavernosometrie wird mit Hilfe einer Pumpe Flüssigkeit in die Schwellkörper geleitet und gemessen, wie hoch der Zustrom sein muss, um die Erektion aufrecht zu erhalten.

Urethrozystometrie und Urethrozystrografie

Entweder direkt mit einem Endoskop oder über eine Röntgenkontrastdarstellung werden bei diesen beiden Verfahren Harnröhre und Harnblase auf etwaige krankhafte Veränderungen oder Anomalien hin untersucht.

Neurologische Untersuchungsmethoden

Durch elektrische Reize ermöglichen diese Verfahren das Aufdecken Störungen des Nervensystems. Dieses ist z. B. bei Diabetikern von großer Bedeutung. Ein Elektromyogramm (EMG) kann beispielsweise die Aktionsströme in den Muskeln und Nervensträngen der Schwellkörper aufzeichnen. Eine andere Methode (Somatosensibel evozierte Potenziale des Nervus pudendus, SSEP) ermöglicht die Reizung des Schamnervs (Nervus pudendus).

Psychologische Untersuchungen

Um psychische Ursachen zu erkennen, steht sexualmedizinisch erfahrenen Psychotherapeuten eine Reihe von Verfahren zur Verfügung, die den Fokus entweder auf tatsächliche Handlungen, Reaktionen und äußerliche Beziehungen legen oder sich an inneren Konflikten, früheren traumatischen Erlebnissen und Persönlichkeitsstrukturen orientieren.

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