Fuchsbandwurm: Entwicklungszyklus, Infektion des Menschen & Risikofaktoren

Entwicklungszyklus des Fuchsbandwurms

Wie die meisten Wurmparasiten durchläuft auch der Fuchsbandwurm einen komplizierten Fortpflanzungszyklus mit verschiedenen Entwicklungsstadien und einem Wirtswechsel.

Füchse beherbergen die erwachsenen Fuchsbandwürmer und werden daher als Endwirt bezeichnet. Neben Füchsen kann sich der Fuchsbandwurm gelegentlich auch in Hund, Katze, Marder oder Dachs entwickeln.

Der erwachsene Fuchsbandwurm ist zwittrig und nur 2 bis 4 Millimeter lang. Er lebt meist in großer Zahl im Dünndarm der Endwirte. Sein gegliederter Körper besteht aus dem Kopf und 4-5 Gliedern (Proglottiden). Das letzte reife Glied besitzt eine sackförmige Gebärmutter, die 100 bis 200 Eier enthält. Die Eier werden mit dem Kot ausgeschieden. Sie sind recht umweltresistent, haben einen Durchmesser von lediglich 0,03 Millimetern und sind damit mit bloßem Auge nicht zu erkennen.

Kleinnager wie Feldmäuse, Wühlmäuse oder Bisamratten infizieren sich durch Verschlucken der Eier in der Umwelt bzw. bei der Nahrungsaufnahme. Sie sind die Zwischenwirte. Aus dem Ei schlüpft in ihrem Darm eine Larve. Diese dringt durch die Dünndarmwand und gelangt mit dem Pfortaderblut in die Leber oder selten auch in andere Organe wie Lunge oder Zwerchfell. Hier entwickelt sie sich zu einem Zwischenwirtsstadium, der so genannten Finne. Diese bildet ein schwammartiges Gewebe mit vielen kleinen Bläschen, die mit einer gallertartigen Flüssigkeit gefüllt sind und zahlreiche Bandwurmkopfanlagen enthalten. Das Finnengewebe durchwächst die Leber wie ein Tumor und kann mehrere Zentimeter groß werden. Frisst ein Fuchs ein infiziertes Nagetier, gelangen die Bandwurmkopfanlagen in den Fuchsdarm, wo sie wieder zu erwachsenen Bandwürmern heranwachsen. Damit schließt sich der Lebenszyklus.

Infektion des Menschen

Der Mensch kann sich wie die Nagetiere als Zwischenwirt infizieren, wenn infektiöse Eier verschluckt werden und die Larven in die Leber oder andere Organe gelangen, wo sie sich zu Finnen entwickeln. Der Mensch ist jedoch ein Fehlwirt oder Blindwirt: In seinem Körper „endet" die Infektion, da das Finnengewebe beim Menschen fast nie Bandwurmkopfanlagen ausbildet und da die Finnen aus dem Menschen in der Regel nicht in den Körper von Füchsen gelangen können. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich. Ein Patient mit einer Fuchsbandwurm-Infektion stellt also keine Gefahr für seine Mitmenschen dar.

Ansteckung & Risikofaktoren

Die genauen Übertragungswege von Fuchsbandwurmeiern auf den Menschen sind noch nicht im Detail bekannt. Eine Möglichkeit ist Kontakt mit dem Fell von Füchsen, Hunden oder Katzen, in dem die Eier des Fuchsbandwurmes haften. Ein weiterer Übertragungsweg könnten Erde oder Pflanzen sein, die mit dem Kot infizierter Endwirte verunreinigt sind. Über Hände und andere Hautstellen könnten die Eier dann in den Mund und den Darm gelangen. Auch auf Früchten wie bodennahe Wildbeeren, Gemüse oder Fallobst, die mit dem Kot der Tiere in Berührung gekommen sind, oder in kontaminiertem Wasser könnten Fuchsbandwurm-Eier vorkommen. Bislang gibt es aber noch keine eindeutigen Hinweise darauf, dass das Sammeln und Essen von Beeren oder Pilzen die Infektionsgefahr erhöht. Bei Landwirten wird auch das Einatmen und Verschlucken von Staub diskutiert, der infektiöse Eier enthalten könnte (z.B. beim Mähdreschen). Epidemiologische Studien zeigen, dass Menschen die in der Landwirtschaft tätig sind ein erhöhtes Ansteckungsrisiko aufweisen. Auch Hundehalter sind stärker gefährdet.  

Experte: Wissenschaftliche Beratung & Ausarbeitung: Prof. Thomas Löscher, München

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern; Hrsg.: J. Meyer et al. ; Elsevier, 5/2018

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