Krampfadern: Prognose & Verlauf

Prognose & Verlauf

Krampfaderleiden bzw. Varizen bilden sich nicht selbst wieder zurück, außerdem werden sie mit zunehmendem Alter deutlicher. Auch können stets neue Krampfadern entstehen. Eine Ausnahme bilden in der Regel die während einer Schwangerschaft entstehenden Venen bzw. Varizen: Bei weit über 90% der jungen Mütter gehen diese Krampfadern nach der Entbindung innerhalb einiger Wochen wieder zurück, vorausgesetzt, das oberflächliche und das tiefen Venensystem waren vor der Schwangerschaft gesund.
Die Angaben über Rückfallquoten bei den operativen Verfahren und bei der Sklerosierung variieren in der Fachliteratur stark. Sie sind abhängig von einer gewissenhaften präoperativen Diagnostik und auch von dem Behandler bzw. dem Operateur selbst! Bei der klassischen Strippingoperation wird die Bildung neuer Krampfadern in 5 bis 35 % der Fälle angegeben. Auch nach einer Verödung der großen Stammvenen kann es durchaus zu einem Wiederauftreten von Krampfadern (Rezidiv) kommen, sogar mit einer über die Jahre gesehen erheblichen Häufigkeit. Deshalb werden derartige Krampfadern heute meist mit anderen Methoden (z.B. Radiofrequenztherapie) behandelt.

Vorsorge & Schutz

Eine angeborene Neigung zu Krampfadern tritt oft erst im Laufe des Lebens stärker in Erscheinung, außerdem kann sie sich ebenso wie die Folgen einer früheren tiefen Thrombose bei ungesunder Lebensweise weiter verstärken. Mit folgenden Maßnahmen können Sie die Gesundheit Ihrer Venen positiv beeinflussen:

  • Bewegung ist gut, langes Sitzen und Stehen dagegen nicht. Nutzen Sie daher jede Möglichkeit körperlich aktiv zu sein. Benutzen Sie immer wieder einmal die Treppe anstatt den Fahrstuhl, oder verzichten Sie auch einmal zugunsten des Fahrrads auf Ihr Auto! Im Sitzen regt einfaches Fußwippen die Wadenmuskulatur an. Legen Sie z. B. beim Fernsehen öfter einmaldie Beine hoch.
  • Regelmäßiger Ausdauersport - wie (Nordic)-Walking, Schwimmen oder Radfahren - wirkt positiv auf das Venensystem. Besonders Menschen mit stehenden oder sitzenden Berufen sollten sich unbedingt in der Freizeit sportlichen Ausgleich verschaffen. Sportarten mit abrupten Antritts- und Stop-Bewegungen wie Tennis und Badminton sind dagegen nicht so optimal. Auch Kraftsport mit heftigem Pressen oder das regelmäßige Tragen schwerer Gegenstände setzen das Venensystem meist übermäßigem Druck aus.
  • Reduzieren Sie bei Übergewicht Ihr Körpergewicht, denn zu viele Kilos belasten das Venensystem.
  • Kühles Abduschen der Beine ist nicht nur angenehm, sondern verbessert auch den Tonus der oberflächlichen Venen.
  • Verzichten Sie lieber auf ausgedehnte Sonnenbäder und Saunagänge, denn hohe Temperaturen erweitern die Blutgefäße. Zumindest sollten nach einem - nicht zu langen - Saunagang die Beine immer kühl und ausreichend lang abgeduscht werden.
  • Vermeiden Sie sehr beengende Kleidung.
  • Hohe Absätze behindern die Arbeit der Muskel-Venen-Pumpe . Tragen Sie lieber flache und bequeme Schuhe. Barfußgehen ist Balsam für die Muskulatur, vor allem im Sand.
  • In der Schwangerschaft kommt es nicht nur bei schon zuvor bestehenden Krampfadern vor allem im letzten Drittel oft zu Druckgefühlen und Schwellungen der Beine, deshalb sind dann Unterschenkelkompressionsstrümpfe der Kompressionsklasse I oder  II sehr zu empfehlen. Bei einer schon einmal durchgemachten früheren tiefen Thrombose ist eine Kompression in jedem Fall notwendig, und in der Regel ist dann zusätzlich für gewisse Zeit auch eine Heparinprophylaxe angezeigt - bis zwei Wochen nach der Entbindung!
  • Kompressionsstrümpfe können bei einer eindeutigen primären, also angeborenen Varikosis durchaus ein weiteres Voranschreiten der Krampfadern verhindern, allerdings ist die Frage, ob nicht eine moderne Beseitigung von Varizen dem jahrelangen Tragen eines Unterschenkelkompressionsstrumpfes vorzuziehen ist! Für die Behandlung von angeborenen Stammvarizen gibt es heute fast keine Altersgrenze mehr. Besteht jedoch eine ausgeprägte, irreversible Störung der tiefen Leitvenen mit entsprechendem Stauungssyndrom, kann das unbegrenzte Tragen eines Unterschenkelkompressionsstrumpfes der Klasse II unumgänglich sein!

 

 

Autor/Autoren: Wissenschaftliche Beratung & Ausarbeitung: Dr. med. Gerhart Tepohl, München

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern; Hrsg.: Meyer, J. & Pletz, M.W. & Mayet W.-J; Elsevier, 5/2017

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