Was sind Krampfadern?

Die Aufgaben der Venen und ihre Einteilung

Während in den Arterien das zuvor in den Lungen mit Sauerstoff aufgeladene Blut durch die Muskelkraft des Herzens in sämtliche Regionen des Organismus – vom Gehirn bis in die Fußspitzen – gepumpt wird, haben die Venen die Aufgabe, das nach Durchfluss durch die Kapillaren jetzt sauerstoffarme Blut wieder aufzunehmen und zurück zum Herzen zu führen. Das Gesamtvolumen aller Venen ist etwa viermal so groß wie das Volumen aller Arterien, obwohl jeweils ja die gleiche Menge Blut transportiert wird. Der Grund hierfür liegt darin, dass das arterielle Blut durch die Kraft des Herzens mit deutlich erhöhtem Druck und deshalb mit erhöhter Geschwindigkeit befördert wird, während das Blut in den Venen in der Regel recht langsam, vor allem in den Armen und Beinen nur durch die sogenannte Muskelpumpe getrieben, fließt.

An den Beinen unterscheidet man zwei große venöse Stromgebiete - und zwar das oberflächliche und das tiefe Venensystem, wobei bei einem gesunden Menschen im oberflächlichen System rund 10% und im tiefen System 90% des venösen Blutes zurück zum Herzen fließen.

Zwischen dem oberflächlichen und tiefen Venensystem gibt es zahlreiche kleine Verbindungsvenen, die sogenannten Perforansvenen, die einen Teil des oberflächlichen Blutes in die tiefen Venen ableiten, und die in der Regel äußerlich nicht in Erscheinung treten. Sie können erweitert sein, was aber immer die Folge einer Störung in den oberflächlichen Stammvenen oder in den tiefen Leitvenen ist.

Bei den oberflächlichen Venen unterscheidet man vier verschiedene Arten:

  • Besenreiser
  • Retikuläre Venen
  • Nebenastvenen
  • Stammvenen

Besenreiser sind kleine, in der Haut gelegene, meist bläuliche Äderchen, die alleine keine Bedeutung haben. Sie sind auch nicht als Vorläufer von später einmal auftretenden, ausgeprägten Varizen anzusehen! Bei älteren Patienten findet man sie sehr oft, wobei aus rein optischen Gründen bestenfalls eine Sklerosierungsbehandlung (Verödung) infrage kommt.

Retikuläre Venen liegen direkt unter der Haut, sie sind oft netzartig angelegt und weisen meist eine Dicke von ein bis drei Millimetern auf. Auch sie haben für den Abtransport des Blutes keine Bedeutung, selbst wenn sie bei einer ausgeprägten venösen Stauung häufiger zu beobachten sind als bei Patienten ohne Venenstauung.

Nebenastvenen oder Seitenastvenen sind von deutlich größerem Kaliber als die vorgenannten Venen. Sie sind entweder bereits angeboren, oder sie sind Ausdruck einer chronischen venösen Stauung, z.B. als Folge einer früheren, nicht behobenen tiefen Thrombose oder einer Stammveneninsuffizienz (s.u.). Sie können aber auch isoliert und unabhängig von dem übrigen Venensystem auftreten. Vor einer eventuellen Therapie – dazu gibt es verschiedene Methoden - sollte aber immer das Venensystem des betreffenden Beines (also die tiefen und oberflächlichen Venen) vollständig untersucht werden.

Stammvenen sind die großen oberflächlichen Sammelvenen, wobei es an jedem Bein eine Vena saphena magna und eine Vena saphena parva gibt. Die große Stammvene (Vena saphena magna) zieht von der Innenseite der Unterschenkel hinauf bis zum Oberschenkel und mündet in der Leiste in die tiefe Leitvene. Die kleine Stammvene (Vena saphena parva) verläuft an der Rückseite des Unterschenkels und mündet in der Kniekehle in die tiefe Leitvene. An der Mündung beider Stammvenen befinden sich jeweils wichtige Venenklappen, die ein Zurückfließen des Blutes von den tiefen Venen in die oberflächliche Stammvene verhindern. Ist eine solche Mündungsklappe angeborener Weise defekt, kann es schon bei jungen Patienten zu einer Überfüllung der oberflächlichen Venen und in der Folge zu deutlichen Krampfadern kommen. Aber auch bei erheblicher venöser Stauung in den tiefen Leitvenen kann es als Folge hiervon zu einer Überlastung des oberflächlichen Venensystems und dadurch zu einer - dann sekundären - Schädigung der Mündungsklappe mit entsprechender Varizenbildung an den oberflächlichen Venen kommen.

Was sind nun Krampfadern?

Krampfadern, auch Varizen (aus dem Lateinischen varix oder varis) genannt, sind erweiterte, knotenförmige, blau schimmernde oberflächliche Venen, die meist in geschlängelter oder verästelter Form vorliegen. Ein Krampfaderleiden wird auch als Varikose bezeichnet.
Zwar sind Krampfadern vornehmlich an den Beinen zu beobachten, letztlich können sich Venen aber in nahezu allen Regionen des Körpers zu Krampfadern entwickeln, wenn der venöse Abstrom behindert ist. Beispielsweise kommt es bei Verschluss der großen Bauchvene zu oberflächlichen Krampfadern am Unterbauch, und bei Patienten mit einer Leberzirrhose bilden sich manchmal Krampfadern sogar in der Schleimhaut der Speiseröhre aus.

Autor/Autoren: Wissenschaftliche Beratung & Ausarbeitung: Dr. med. Gerhart Tepohl, München

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern; Hrsg.: Meyer, J. & Pletz, M.W. & Mayet W.-J; Elsevier, 5/2017

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