09.12.2007

Antibiotika können Durchfall auslösen

Antibiotika können das Gleichgewicht der Darmflora stören. Gefährliche Darmbakterien können dadurch überhand nehmen...

Magen-/Darmbeschwerden sind häufige Nebenwirkungen von Antibiotika, sie können von leichtem Unwohlsein bis zu schweren Durchfallerkrankungen reichen. „Antibakterielle Wirkstoffe verändern die normale Darmflora, so dass sich widerstandsfähige Arten übermäßig vermehren können", erklärt Dr. Peter Walger vom Berufsverband Deutscher Internisten (BDI). Besonders gefährlich ist das Bakterium Clostridium difficile. Nimmt dieses überhand, kann es starke Durchfälle und schwere Allgemeinsymptome hervorrufen, die in Einzelfällen sogar tödlich enden können. Besonders ältere Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden, sind durch den Erreger gefährdet.

Das Risiko von Magen-/Darmbeschwerden durch Clostridium difficile ist bei fast allen gängigen Antibiotika bekannt, es ist je nach Wirkstoff unterschiedlich hoch. „Wer nach einer Einnahme von Antibiotika wässrigen oder blutig-schleimigen Stuhl zusammen mit Krämpfen und Fieber bekommt, hat möglicherweise zu viele Clostridien im Darm", warnt Dr. Walger. Die Symptome könnten dabei 2 Monate und länger nach Einnahme der Medikamente auftreten. Die Patienten sollten in diesem Fall unbedingt den behandelnden Arzt um Rat fragen.

Verzicht auf Antibiotika bei Verdacht auf Clostridien 

Um das Risiko einer Clostridien-Vermehrung so gering wie möglich zu halten, empfiehlt der Experte den Einsatz von Antibiotika ausschließlich auf die wirklich begründeten Infektionen zu beschränken. Ob so genannte Probiotika, die Kulturen gutartiger Bakterien enthalten, eine zu starke Vermehrung unerwünschter Keime im Darm verhindern können, ist noch nicht abschließend geklärt.

„Kommt es während einer Therapie mit Antibiotika zu Beschwerden und besteht ein Verdacht, dass Clostridium difficile die Ursache ist, ist der erste sinnvolle Schritt, dass alle Antibiotika sofort abgesetzt werden", so Walger. Wenn Clostridien im Stuhl nachgewiesen werden, müsse dann auf spezielle Antibiotika gegen diesen Erreger umgestellt werden. Außerdem müsse auf eine ausreichende Versorgung mit Flüssigkeiten, Nährsalzen und Eiweißen geachtet werden.

Neue, gefährlichere Variante erstmals in Deutschland aufgetreten 

Clostridium difficile kommt auch im gesunden Darm vor. Der Erreeger ist unempfindlich gegen die meisten Antibiotika und kann sich deshalb stark vermehren, wenn durch Antibiotika die übrige Darmflora geschädigt wurde. Giftstoffe des Bakteriums zerstören die schützende Darmschleimhaut und können zu schweren - in manchen Fällen sogar tödlichen - Entzündungen führen. In seltenen Fällen hilft dann nur noch eine Entfernung betroffener Darmanteile.

Besondere Gefahr besteht in Krankenhäusern, da der Erreger dort leicht durch verunreinigte Kleidungsstücke, Hände oder im Umfeld von Toiletten von Patient zu Patient übertragen werden kann. Zuletzt hatte eine Clostridien-Epidemie im Herbst dieses Jahres im Klinikum Trier 6 Todesopfer gefordert, über 30 Patienten waren schwer erkrankt. Die Patienten hatten sich mit einer besonders aggressiven, erstmals in Deutschland nachgewiesenen Variante des Erregers angesteckt, die sehr viel häufiger zum Tod führt als gewöhnlich.