18.09.2013

Auch die Haut produziert Hormone

Woher kommen Falten, Flecken, Pickel? Die Haut wird nicht nur durch Hormone beeinflusst - sie ist
auch ein Hormonproduzent. Das sind Erkenntnisse der Dermato-Endokrinologie.

Die menschliche Haut ist schützende Hülle, Wächter des Immunsystems, Temperaturregulator, Sinnesorgan, Kommunikationsmittel und Vitamin-D-Lieferant zugleich. Beeinflusst wird sie auch durch Hormone. Diese bescheren uns beispielsweise Hautalterung, Akne oder Hirsutismus, das
Bartwachstum bei Frauen. Sie kann jedoch noch mehr: Sie stellt auch Hormone her. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) und die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) weisen anlässlich einer aktuellen Publikation zur Dermato-Endokrinologie (siehe Deutsche Medizinische Wochenschrift 2013: 138 (31/32); S. 1561-1563) auf die Komplexität der Hormonvorgänge in der Haut hin und sprechen sich für eine interdisziplinäre Forschung und Behandlung hormonell bedingter Hauterkrankungen aus.

Die menschliche Haut hat eine Fläche von 1,5 bis 2 m² und ein Gewicht von 3,5 bis 10 kg. Damit ist sie das größte und schwerste Organ des Menschen. Seit einigen Jahren interessieren sich Dermatologen immer mehr für die Haut als ein Organ mit komplexen endokrinen Eigenschaften. Ob Akne, Hautalterung oder Damenbart - die Fächer Dermatologie und Endokrinologie treffen hier aufeinander. Prof. Dr. med. Christos C. Zouboulis, Chefarzt der Klinik für Dermatologie, Venerologie und  Allergologie, Immunologisches Zentrum am Städtischen Klinikum in Dessau erklärt: „Am Beispiel der Akne lässt sich die Wechselwirkung von Haut und Hormonen gut veranschaulichen. Während man früher Bakterien und Ernährung als Ursachen in den Blick nahm, weiß man heute, dass Androgene, also männliche Sexualhormone, die auch bei der Frau vorkommen, und Stresshormone die Entstehung der Akne beeinflussen." Mitesser, die Zunahme des Talgdrüsenvolumens und die Talgproduktion werden durch das Sexualhormon aber auch durch Gehirnhormone stimuliert, so der Experte aus Dessau.

Für die Behandlung von Akne, schlaffer Haut oder Damenbart haben diese Erkenntnisse eine große Bedeutung. Prof. Dr. med. Stefan Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden: „Die gemäßigte Akne und der Hirsutismus lassen
sich häufig gut mit Antiandrogenen behandeln. Und Östrogene wirken positiv auf die Struktur und Funktionen der Haut vor allem bei Frauen in den Wechseljahren." Um die Haut dicker, elastischer und feuchter zu machen, wird das Östrogen lokal auf der Haut angewendet.

Die Wirkung von Hormonen auf Haut und Haare kennt man schon länger. Prof. Dr. med. Roland Kaufmann, Direktor der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Universitätsklinikum Frankfurt/Main und Präsident der DDG erklärt: „Hormone werden in besonderen Hautzellen aktiviert
oder inaktiviert. Sie binden sich an Rezeptoren in der Haut oder interagieren mit ihnen. In der Haut gibt es Rezeptoren für Peptid- und Neurohormone, Steroid- und Schilddrüsenhormone." Neu ist die Erkenntnis, dass Hormone auch in der Haut produziert werden. „Verglichen mit den eigentlichen endokrinen Drüsen wie Schilddrüse oder Nebenniere handelt es sich allerdings um geringe Mengen", erklärt Prof. Dr. med. Dr. h. c. Helmut Schatz, Mediensprecher der DGE. Nach dem Erlöschen der Eierstockfunktion stellt die Produktion der weiblichen Hormone, der Östrogene, im Unterhautfettgewebe allerdings einen relevanten Anteil dar, wenn auch die Östrogenspiegel nach dem Wechsel insgesamt sehr niedrig sind. Dreißig verschiedene Hormone und Hormongruppen sind in den Zellen der Haut und des Unterhautfettgewebes aktiv, weiß Prof. Zouboulis. Darunter sind auch
schmerzlindernde Beta-Endorphine oder ein Hormon, das die Hautpigmentierung fördert.

Die Haut ist eine Hormondrüse, da sind sich die Experten einig. „Wie sich Haut und Hormone wechselseitig beeinflussen und welchen Anteil die Eigenproduktion am gesamten System hat, muss jedoch noch weiter erforscht werden", bilanziert Prof. Schatz. Hautärzte und Hormonexperten werden also in der neuen Disziplin der Dermato-Endokrinologie gemeinsam forschen.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) & Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG)