06.10.2016
Darmbakterien beeinflussen Lebensmittelallergien
Die Zusammensetzung der Darmflora bestimmt offenbar auch, wie stark der Körper bei Lebensmittelallergien reagiert. Das konnten Forscher der Technischen Universität München zeigen.
Die Mikrobiota des Menschen - also die Gesamtheit der Bakterien, die beispielsweise auf der Haut oder im Verdauungstrakt lebt - hat komplexe Auswirkungen auf die Gesundheit. Darmbakterien können auch eine Rolle dabei spielen, wie stark der Körper bei Lebensmittelallergien reagiert. Das konnten jetzt Forscher der Technischen Universität München (TUM) zeigen, die Ihre Ergebnisse auf dem Jahrestreffen der Europäischen Gesellschaft für Dermatologische Forschung (ESDR) am 8.9.16 präsentierten, bei dem einer der Schwerpunkte das Thema „Mikrobiom und Allergien" war.
Die Darmflora und die verschiedenen Teile des Immunsystems sind eng miteinander verzahnt und beeinflussen sich gegenseitig. Das Forscherteam der TUM um Prof. Tilo Biedermann, Direktor der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Klinikum rechts der Isar, konzentrierte sich bei seinen Untersuchungen auf einen Eiweißstoff namens NOD2. Dieser Teil des Immunsystems ist in der Lage, Darmbakterien - genauer: den Hauptbestandteil ihrer Zellwand - gewissermaßen zu „erkennen" und zahlreiche komplexe Prozesse in Gang zu setzen. Die Wissenschaftler untersuchten, welche Auswirkungen es hat, wenn dieser Erkennungsrezeptor fehlt.
Tilo Biedermann und seine Kollegen konnten zeigen, dass sich bei fehlendem NOD2 die Immunreaktion des Körpers grundlegend verändert. Anstelle von regulatorischen T-Zellen, die eine Aktivierung des Immunsystems unterdrücken, werden verstärkt so genannte Th2-Helferzellen gebildet. Diese Zellen sorgen wiederum dafür, dass verstärkt der Antikörper Immunglobulin E (IgE) produziert wird. Bei Lebensmittel-Allergikern ist IgE im Körper auf die jeweiligen Allergene quasi „trainiert" und regt Zellen dazu an, eine allergische Reaktion auszulösen, wenn IgE das Allergen beispielsweise im Darm registriert. Je mehr IgE, desto stärker fällt auch die allergische Reaktion aus.
Dementsprechend konnten die Wissenschaftler im Mausmodell auch besonders schwere allergische Reaktionen nachweisen, wenn NOD2 fehlte. Auch die Zusammensetzung der Darm-Mikrobiota dieser Tiere war verändert. Wie komplex die Wechselwirkungen zwischen Mikrobiota und Immunsystem sind, zeigte ein weiterer Aspekt der Studie: Wenn die Zusammensetzung der Darm-Bakterien wieder normalisiert wurde, konnten schwere allergische Reaktionen auch bei fehlendem NOD2 verhindert werden.
„Dieser Zusammenhang zwischen der Darmflora und der Bildung von Antikörpern eröffnet uns neue Ansätze für Therapien bei Patienten, bei denen die Mikrobiota geschädigt ist", erklärt Tilo Biedermann. „Wenn es beispielsweise gelänge, die Ansiedlung von ungefährlichen Bakterien im Darm zu fördern, könnte man auch die Reaktion des Körpers auf Allergene abschwächen."
Quelle: Technische Universität München
