30.10.2023

Die Bauchspeicheldrüse – das Organ im Mittelpunkt

Anlässlich des Magen-Darm-Tags am 4.11.2023 informiert die Gastro-Liga auf Veranstaltungen und mit Webinaren über das Themenspektrum Bauchspeicheldrüse.

Die Gastro-Liga e. V. richtet am Samstag, 4. November 2023, unter dem Motto „Die Bauchspeicheldrüse – das Organ im Mittelpunkt“ den Magen-Darm-Tag 2023 aus. Im Rahmen des aufklärenden Aktionstages werden Betroffene, Angehörige und Interessierte bundesweit auf Veranstaltungen und mit Webinaren über das Themenspektrum Bauchspeicheldrüse informiert. Ziel ist mit verlässlichen und allgemein verständlichen Informationen die Bevölkerung über Funktionsweise, Gesundheit und Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse aufzuklären und für die Früherkennung von Pankreas-Erkrankungen zu sensibilisieren. Bei Telefonaktionen beantworten gastroenterologische Expertinnen und Experten Fragen zur Gesunderhaltung und zu Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse. Alle Informationen zu den lokalen Veranstaltungen, den Webinaren und den Telefon-Hotlines finden Sie unter www.gastro-liga.de.

Die Bauchspeicheldrüse, fachsprachlich auch als das Pankreas bezeichnet, ist ein lebenswichtiges Organ in unserer Körpermitte, das eine Vielzahl essenzieller Funktionen übernimmt. Störungen der Bauchspeicheldrüsenfunktion können aus verschiedensten Gründen auftreten und zu schweren – mitunter auch lebensbedrohlichen – Erkrankungen führen.

Die Bauchspeicheldrüse ist 15 bis 20 Zentimeter groß, grenzt an den Zwölffingerdarm an und übernimmt zwei Hauptfunktionen im Körper. Von der Produktion und Freisetzung von Verdauungsenzymen (exokrine Funktion) bis hin zur Regulierung des Blutzuckerspiegels durch die Bildung der Hormone Insulin und Glukagon (endokrine Funktion) erfüllt die Bauchspeicheldrüse wichtige Aufgaben, die maßgeblich zu unserer Gesundheit beitragen. Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse können sowohl die endokrine als auch die exokrine Drüsen-Funktion beeinträchtigen und unter anderem diese Symptome verursachen: Störung der Fettverdauung, Gewichtsverlust, Blähungen, Bauchschmerzen und Mangel an fettlöslichen Vitaminen. Neben Diabetes mellitus, Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) und Mukoviszidose zählen die akute und chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) zu den häufigsten Bauchspeicheldrüsenerkrankungen.
Eine akute Pankreatitis entsteht plötzlich und wird oftmals durch Gallensteine oder übermäßigen Alkoholkonsum ausgelöst. „Die Symptome können sehr schwerwiegend sein. Typisch sind starke Schmerzen im Oberbauch und zudem leiden die Patienten häufig an Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Fieber oder einer Gelbfärbung der Haut“, erklärt Prof. Dr. Julia Mayerle, Gastroenterologin und Direktorin der Medizinischen Klinik und Poliklinik II am Klinikum der Universität München, Großhadern, und ergänzt: „Bei einer chronischen Pankreatitis ist die Bauchspeicheldrüse wiederkehrend entzündet und oft sind dauerhafte Funktionseinschränkungen der Bauchspeicheldrüse die Folge. Auslöser können unter anderem chronischer Alkohol- und Nikotinkonsum, Autoimmunerkrankungen sowie erbliche Faktoren sein.“

Auch verschiedene Arten von zystischen Bauchspeicheldrüsenerkrankungen, bei denen sich flüssigkeitsgefüllte Hohlräume (Zysten) im Pankreas bilden können, werden durch die modernen Bildgebungsverfahren immer häufiger diagnostiziert. Für die weitere individuelle Behandlungsstrategie ist entscheidend, ob es sich um gutartige oder bösartige Zysten – und somit um eine Krebs-Vorstufe – handelt. Erbliche Pankreaserkrankungen entstehen aufgrund von spezifischen genetischen Veränderungen wie beispielsweise bei der hereditären Pankreatitis. Bei dieser seltenen Erkrankung kommt es zu einer Zerstörung des exokrinen Pankreas, zum Auftreten eines Diabetes mellitus und zu einem erhöhten Risiko für die Entstehung eines Pankreaskarzinoms. Wenn das körpereigene Immunsystem fehlgesteuert ist und fälschlicherweise das Pankreas angreift und Zellen oder Gewebe des Organs zerstört, spricht man von einer Autoimmunpankreatitis. Eine Chronifizierung dieser autoimmunen Pankreaserkrankung, die in zwei Typen unterschieden wird, kann unbehandelt zum exokrinen und endokrinen Organversagen führen.

Bauchspeicheldrüsenkrebs zählt weltweit noch immer zu den Tumoren mit der schlechtesten Prognose und in Deutschland zu den zehn häufigsten Krebsarten. Experten gehen davon aus, dass Bauchspeicheldrüsenkrebs im Jahr 2030 die zweihäufigste Krebstodesursache in der westlichen Welt darstellen wird. Diese äußerst aggressive Tumorerkrankung wird leider oft erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert. „Dies liegt vor allem daran, dass es bisher nur wenige spezifische Frühsymptome gibt und effektive Früherkennungsmaßnahmen fehlen. Viele Patienten klagen über dumpfe Bauch- oder Rückenschmerzen sowie unerklärlichen Gewichtsverlust. Manchmal tritt Gelbsucht aufgrund eines Gallengangsverschlusses auf, was letztendlich zur Tumor-Diagnose führt“, erläutert Prof. Dr. Thomas Seufferlein, Gastroenterologe und Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin I am Universitätsklinikum Ulm, und fügt hinzu: „Die späte Diagnose ist ein Hauptgrund dafür, dass die Prognose bei Bauchspeicheldrüsenkrebs so düster ist. Statistisch gesehen versterben die meisten Patienten im Jahr ihrer Diagnose an dieser Erkrankung. Dennoch gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten und personalisierte Therapieansätze, die je nach Stadium und Lage des Tumors angewendet werden. Und wie bei allen Tumor-Erkrankungen, die zu etwa 40 Prozent durch präventives Verhalten beeinflusst und wahrscheinlich vermieden werden können, ist auch die Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs in vielen Fällen vermeidbar. Gut für die Gesunderhaltung der Bauchspeicheldrüse – und für den gesamten Körper – ist es, Übergewicht abzubauen, den Konsum von Nikotin und Alkohol einzuschränken sowie ausreichend Bewegung in den Alltag zu integrieren.“

Quelle: Gastro-Liga

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