07.12.2010
Die Schmerztherapie bei Rheuma-Patienten optimieren
Welche Medikamente am besten gegen Rheuma-Schmerzen helfen, erörterten Experten auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie in Hamburg.
Rheumatologische Erkrankungen sind in Deutschland die häufigste Ursache chronischer Schmerzen. Bei gut jedem dritten der insgesamt rund acht Millionen Schmerzpatienten stecken entzündliche Gelenkbeschwerden hinter den Problemen. Angesichts der demographischen Entwicklung wird die Zahl der Betroffenen in den kommenden Jahren weiter ansteigen. Welche Medikamente Rheumapatienten bei Schmerzen am besten helfen und welche neuen Wirkstoffe kurz vor der Zulassung stehen, haben Experten auf dem 38. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) im September in Hamburg im Rahmen eines Symposiums mit dem Titel „Schmerz ist nicht gleich Schmerz – neue Erkenntnisse zu Schmerzverarbeitung und Schmerztherapie“ erörtert.
Neben einer eingeschränkten Bewegungsfreiheit belasten andauernde Schmerzen Rheumapatienten am meisten. Um diese zu lindern, können Ärzte auf eine große Auswahl verschiedener Wirkstoffklassen zurückgreifen. Dazu gehören die nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR), zu denen zum Beispiel Ibuprofen, Diclofenac und Acetylsalicylsäure (ASS) zählen. Eine Alternative dazu bieten die so genannten Coxibe oder COX-2-Hemmer: Diese Mittel sind für Magen und Darm verträglicher als die konventionellen NSAR.
Eine dritte Option zur Linderung von Schmerzen am Bewegungsapparat sind Opioide. „Diese Medikamente sind zwar hochwirksam, allerdings gibt es bislang keine Studien zu ihrer Langzeitwirkung“, erläutert Prof. Dr. med. Christoph Baerwald von der Universitätsklinik Leipzig. „Gerade weil viele Patienten die Einnahme wegen Nebenwirkungen abbrechen, sollten Rheumatologen regelmäßig prüfen, ob Opioide wirklich noch benötigt werden und helfen.“
Seit einigen Jahren verordnen Ärzte schwerkranken Patienten auch so genannte Biologicals. Diese biotechnologisch hergestellten Substanzen können Entzündungsprozesse gezielt stoppen und erreichen so oft eine vollständige Symptomfreiheit. „Weitere vielversprechende Wirkstoffe sind derzeit in Entwicklung und stehen teilweise kurz vor der Zulassung“, berichtet Baerwald. „Sie werden unsere Möglichkeiten deutlich verbessern, den Patienten eine effektive und gleichzeitig gut verträgliche Therapie der Grundkrankheit anzubieten und dadurch die Schmerzen zu lindern.“
Aber selbst modernste Medikamente können nicht jedem Patienten die Schmerzen nehmen. Viele Menschen haben bereits chronische Schäden entwickelt, die ihrerseits wiederum Beschwerden verursachen. Zudem werden die Patienten immer älter und leiden insofern vermehrt auch an anderen schmerzhaften Erkrankungen. „Gerade wenn Schmerzen verschiedene Ursachen haben, erfordert die Therapie ein vielfältiges Vorgehen“, meint Baerwald. „Dann sollte die medikamentöse Behandlung stets von psychologischen, physio- und ergotherapeutischen Verfahren begleitet werden.“
