14.05.2007

Erhöhte Enzymwerte können erstes Symptom einer Gluten-Unverträglichkeit sein

Eine Unverträglichkeit gegen das Getreide-Eiweiß Gluten wird häufig erst spät erkannt. Erhöhte Konzentrationen von Enzymen der Bauchspeicheldrüse können ein Hinweis auf diese Erkrankung sein...

In einer Studie an 202 Patienten mit einer Glutenunverträglichkeit wiesen jeder 3. Erwachsene und jedes 4. Kind erhöhte Konzentrationen verschiedener Enzyme aus der Bauchspeicheldrüse auf. Nach einem Jahr glutenfreier Ernährung waren die Werte wieder normal. Nur bei 5 Patienten, die weiter glutenhaltige Speisen aßen, blieben sie erhöht. Die erhöhten Werte traten auch bei Patienten auf, die ansonsten keine Symptome hatten.

Bei erhöhten Enzymwerten ist es jedoch wichtig, andere Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse oder Gallenerkrankungen, die ebenfalls zu erhöhten Enzymspiegeln führen können, mittels einer Ultraschalluntersuchung auszuschließen. Die endgültige Diagnose erfolgt durch eine Untersuchung des Blutes auf bestimmte Abwehrstoffe des Immunsystems (Antikörper), durch eine Spiegelung des Dünndarms sowie eine Analyse des Dünndarmgewebes (Biopsie).

Eine Analyse der Bauchspeicheldrüsenenzyme könnte damit einen wichtigen Beitrag leisten, eine Glutenunverträglichkeit zu erkennen. Denn einer britischen Umfrage unter 800 Betroffenen zufolge gehört sie zu den am häufigsten nicht diagnostizierten chronischen Erkrankungen in Großbritannien: Nur bei einem von 8 Betroffenen wird sie festgestellt. Demzufolge warten Menschen mit einer Glutenunverträglichkeit durchschnittlich 13 Jahre und suchen bis zu 30 Mal einen Arzt auf, bis die Diagnose gestellt wird.

Eine Gluten-Unverträglichkeit wird auch als Sprue oder als Zöliakie bezeichnet. Das Eiweiß ist vor allem in Getreide, wie z. B. Weizen, Roggen, Hafer, Gerste oder Dinkel, enthalten. Typische Krankheitszeichen sind fettige Durchfälle, Blähungen, Bauchschmerzen und Gewichtsverlust. Viele Menschen haben jedoch keinerlei Symptome, obwohl sie die Veranlagung zu dieser Erkrankung besitzen. Bei Sprue-Patienten kann Gluten durch die Darmwand in den Körper gelangen und dort eine Abwehrreaktion des Immunsystems auslösen. Dies führt zu einer dauerhaften Entzündung, die vor allem die Wand des Dünndarms schädigt. Als Folge kommt es zu Verdauungsstörungen, Gewichtsverlust und Mangelerscheinungen.

Eine Sprue kann bislang nicht ursächlich behandelt werden. Die Patienten müssen zeitlebens auf glutenhaltige Nahrung verzichten.

 

Quelle: Clin Gastroenterol Hepatol 2006, 4: S. 455

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