03.12.2015
Erkrankung an Hepatitis C schreitet schneller voran als bisher angenommen
Eine ausgeprägte Leberfibrose oder Leberzirrhose kann sich schon fünf bis zehn Jahre nach einer Infektion mit Hepatitis C etablieren.
Bei vielen Patienten, die sich mit Hepatitis-C-Viren (HCV) angesteckt haben, schreitet die Erkrankung deutlich schneller voran, als man bisher dachte. Eine ausgeprägte Leberfibrose oder Leberzirrhose kann sich schon fünf bis zehn Jahre nach der Infektion etablieren. Davor warnen Experten der Internetinformationsseite www.hepatitis-c-eliminieren.de unter Berufung auf Ergebnisse einer US-Studie mit 1840 HCV-Patienten und ebenso vielen Kontrollpersonen (siehe JAMA Internal Medicine 2015, Band 175/2, Seite: 178-185).
Bei der Leberzirrhose (Schrumpfleber) geht zunehmend Leberzellgewebe zugrunde, das sich dann schrittweise in Narben- und Bindegewebe umwandelt. „Eine Leberzellschädigung infolge einer chronischen HCV-Infektion kann über die vermehrte Bildung von Bindegewebe - die sog. Fibrosierung - zu einer kompletten Vernarbung der Leber führen. Dieser Endzustand, bei dem die Leberfunktion zunehmend versagt, wird als dekompensierte Zirrhose bezeichnet", erläutert Dr. Dietrich Hüppe, wissenschaftlicher Leiter des Deutschen Hepatitis C-Registers (DHC-R) und praktizierender Gastroenterologe in einer Gastroenterologischen Gemeinschaftspraxis Herne.
In der Studie entwickelten HCV-Patienten weitaus früher und öfter eine Leberzirrhose als Nicht-HCV-Infizierte - nämlich dreimal so häufig schon nach fünf Jahren (15 Prozent gegenüber 5 Prozent) oder zehn Jahren (18 Prozent gegenüber 6 Prozent). Auch die Fibrose begann sehr rasch voranzuschreiten: Bereits vier Jahre nach der Diagnose hatte sich der Fibrosierungsgrad der Leber verdoppelt. Bislang war man mit Bezug auf eine ältere Studie (siehe Hepatology 2002, Band 36/Supplement 5b, Seite: s47-s56) davon ausgegangen, dass ein Viertel der HCV-Patienten erst nach 25 bis 30 Jahren eine Zirrhose oder Leberzirrhose im Endstadium entwickelt.
Damit ergeben sich für die behandelnden Ärzte zwei Patientengruppen, die mit besonders hoher Priorität behandelt werden sollten: Zum einen Patienten, deren Progressionsrisiko am größten ist. „Dazu gehören diejenigen, bei denen die Krankheit besonders schnell voranschreitet, sowie HCV-Patienten mit einer HIV- oder Hepatitis-B-Koinfektion und Patienten nach einer Lebertransplantation. Zum anderen sollten aber auch Patienten dringend therapiert werden, die HCV mit einem hohen Risiko weitergeben. Dazu gehören i.v.-Drogenkonsumenten, Menschen mit riskanten Sexualpraktiken, Gefängnisinsassen und Dialysepatienten", betont Dr. Hüppe.
Quellen:
JAMA Internal Medicine 2015, Band 175/2, Seite: 178-185http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1053/jhep.2002.36993/abstract