15.01.2009
Herpes-Virus kann auch Diabetes auslösen
Nicht nur Typ-1-Diabetes, auch eine Form von Typ-2-Diabetes könnte auf eine Virus-Infektion zurückgehen...
Viren sind nicht nur Auslöser akuter Erkrankungen wie Aids, Grippe oder Durchfall, auch chronische Krankheiten wie Autoimmunerkrankungen oder Krebs können durch die Erreger hervorgerufen werden. Neuesten Erkenntnissen französischer Mediziner zufolge geht möglicherweise auch eine Form von Altersdiabetes auf Herpes-Viren zurück, teilt der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) mit.
Nach Angaben der Wissenschaftler könnte der so genannte ketotische Diabetes, eine Sonderform des Typ-2-Diabetes, durch eine Infektion mit dem Herpes-Virus Typ 8 ausgelöst werden: In ihrer Studie wiesen fast 90% der untersuchten Patienten Spuren einer Infektion mit dem Herpes-Virus auf (JAMA 2008, 299: Seite 2770). Das waren mehr als doppelt so viele wie in einer Vergleichsgruppe von Nicht-Diabetikern. Die Forscher konnten zudem zeigen, dass die Viren unter Laborbedingungen Insulin-produzierende Zellen der Bauchspeicheldrüse infizieren können.
Immunreaktion nach Virus-Infektion
Ein Zusammenhang zwischen Viren und Diabetes wird schon länger vermutet - allerdings nur bei Typ-1-Diabetes. Demnach könnte eine Virusinfektion im Kindesalter eine Autoimmunreaktion des Körpers auslösen, wodurch die Insulin-produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstört werden und so ein Insulinmangel ausgelöst wird. Neu ist dagegen die mögliche Verbindung zu einer Form von Typ-2-Diabetes.
Das Herpes-Virus Typ 8 ist vor allem in der afrikanischen Bevölkerung verbreitet: Dort tragen 40 bis 50% der Menschen den Erreger, in den meisten Fällen ohne sichtbare äußere Symptome. In Europa sind dagegen lediglich 1 bis 3% der Bevölkerung infiziert. Das Virus kann über den Speichel und andere Körperflüssigkeiten übertragen werden, so z.B. beim Küssen oder Geschlechtsverkehr. Ketotischer Diabetes mellitus tritt deshalb möglicherweise in erster Linie in Afrika auf. Er setzt sehr plötzlich ein und geht mit stark erhöhten Blutzuckerwerten und einer Übersäuerung des Blutes einher und muss mit sofortigen Insulin-Gaben behandelt werden. Nach einer Stabilisierung kann die Insulintherapie beendet und dann wie ein gewöhnlicher Typ-2-Diabetes mit Tabletten behandelt werden.
Ketotischer Diabetes auch in Deutschland?
„Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass auch gewöhnlicher Typ-2-Diabetes, unter dem in Deutschland knapp 7 Millionen Menschen leiden, auf eine Viruserkrankung zurückgehen könnte", sagt Dr. Thorsten Siegmund vom BDI. Hierzulande seien eine ungesunde Ernährung, Übergewicht, Bewegungsmangel zusammen mit einer entsprechenden genetischen Veranlagung die Hauptursachen für Typ-2-Diabetes. „Wenn sich die Ergebnisse der Studie allerdings in weiteren Untersuchungen bestätigen lassen, ist nicht auszuschließen, dass dieser Diabetes-Typ bei einer Ausbreitung der Typ-8-Herpes-Viren auch in Deutschland häufiger auftreten könnte", warnt der Diabetologe vom Klinikum Bogenhausen in München.
