26.03.2021

Impf- und Therapieempfehlungen für Leberpatienten in der Corona-Pandemie

Was bei der Versorgung Lebertransplantierter in der besonderen Zeit der Covid-19-Pandemie zu beachten ist, haben Experten in einer gemeinsamen Leitlinie zusammengefasst.

Für Patienten mit einer Leberzirrhose, Leberfibrose oder Leberkrebs ist sie die einzige Hoffnung auf Heilung – eine Lebertransplantation. Deshalb muss dieser Eingriff auch in Pandemie-Zeiten weiter durchgeführt werden.

Was bei der Versorgung Lebertransplantierter in der besonderen Zeit der Covid-19-Pandemie zu beachten ist, haben die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) und der Deutschen Transplantationsgesellschaft (DTG) nun in einer gemeinsamen Leitlinie zusammengefasst. Diese gibt studienbasierte Handlungsempfehlungen, die für behandelnde Ärzte von Lebertransplantierten eine wichtige Entscheidungsgrundlage sein können.

In Deutschland werden pro Jahr durchschnittlich 870 Lebertransplantationen durchgeführt. Die exakte Zahl unterliegt leichten Schwankungen, bleibt aber relativ konstant. „Die Transplantation ist für Menschen mit Erkrankungen wie einer fortgeschrittenen Leberzirrhose oder auch Leberkrebs die einzige Möglichkeit auf eine Heilung und somit die einzige Überlebenschance“, erklärt Prof. Dr. med. Thomas Berg, Koordinator der Leitlinie. „Die aktuelle Leitlinie gibt Handlungsempfehlungen, wie diese vulnerable Patientengruppe vor dem Hintergrund einer teils erschwerten oder eingeschränkten medizinischen Versorgung dennoch bestmöglich versorgt werden kann.“

Die Leitlinie umfasst Informationen und Empfehlungen zu Lebertransplantationsprogrammen und der Lebertransplantation, zur Versorgung vor und nach der Transplantation sowie zu geeigneten Medikamenten für die COVID-19 Therapie bei Lebererkrankten. „In sämtlichen Kapiteln haben wir uns dabei zentral mit der Frage befasst, ob und wenn ja, welche Maßnahmen vor dem Hintergrund der aktuellen Situation verschiebbar sind und welche Priorität haben müssen“, erläutert Prof. Berg.

Die Leitlinie enthält zudem eine Impfempfehlung sowohl für Patienten, die sich auf der Warteliste für eine Lebertransplantation befinden als auch für Patienten, die unter einer Leberzirrhose leiden. Tatsächlich liegen bislang kaum Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit der COVID-19-Impfstoffe bei chronisch Leberkranken vor. „Uns ist bewusst, dass es bei vielen Patienten mit Lebererkrankungen Unsicherheiten über mögliche Nebenwirkungen und Spätfolgen von Impfungen gibt. Wir sind jedoch zum Ergebnis gekommen, dass angesichts der oftmals schweren Verläufe in dieser Patientengruppe die mit der Impfung verbundenen Vorteile die potentiellen Risiken bei weitem überwiegen“, betont Professor Dr. med. Frank Tacke, der ebenfalls federführend an der Leitlinie beteiligt ist.

Menschen mit chronischen Leberleiden und Lebertransplantierte gelten als besonders gefährdet für schwere COVID-19-Verläufe. Dies liegt zum einen an ihrem oftmals geschwächten Immunsystem und auch daran, dass durch die Infektion eine vorbestehende Lebererkrankung dekompensieren kann. Besteht bereits eine fortgeschrittene Vernarbung des Organs, also eine Zirrhose, steigt die Sterblichkeit deutlich an und erreicht bei Patienten mit fortgeschrittener dekompensierter Zirrhose (Child-Pugh-Score C) 70 Prozent, unabhängig vom Alter des Patienten.

Die neue S1-Leitlinie Leitlinie zur Versorgung von Lebertransplantierten während der COVID-19 Pandemie richtet sich an Ärzte und Betroffene und ist abrufbar unter: https://www.dgvs.de/wissen/leitlinien/leitlinien-dgvs/versorgung-von-lebertransplantierten-waehrend-der-covid-19-pandemie/

Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF)

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