05.10.2020

Kann Rekonvaleszentenplasma schwer erkrankten COVID-19 Patienten helfen?

Blutplasma von genesenen Covid-19-Patienten enthält Antikörper gegen SARS-CoV-2-Viren, die an Corona Erkrankten nach einer Übertragung zu einer verstärkten Abwehrkraft verhelfen könnten.

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Ob Rekonvaleszentenplasma eine Option für die Therapie bei COVID-19 darstellt, erläuterte Prof. Dr. med. Hubert Schrezenmeier, Ärztlicher Direktor und Medizinischer Geschäftsführer des Instituts für Klinische Transfusionsmedizin und Immungenetik Ulm (IKT) und des Instituts für Transfusionsmedzin des Universtitätsklinikums Ulm, in seinem Vortrag auf einer Online-Pressekonferenz im Rahmen der 53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie e.V. (DGTI), die vom 16.-18.9.2020 virtuell stattfand:

 

Für COVID-19 gibt es bisher keine zielgerichtete Therapie mit eindeutig belegter Wirksamkeit und wesentlicher, nachhaltiger Verbesserung des Verlaufs. Zugelassene Impfstoffe für eine aktive Immunisierung sind noch nicht verfügbar. 

Eine passive Immunisierung durch Plasma von genesenen Patienten mit antiviralen Antikörpern war in der Vergangenheit schon bei anderen akuten, viralen respiratorischen Erkrankungen mit schwerem Verlauf eingesetzt worden (SARS- oder MERS-Coronavirus, Influenza H1N1, H5N1). Diese Studien erbrachten Hinweise auf eine Verminderung der Viruslast, eine Verkürzung des Krankenhausaufenthaltes und eine Verringerung der Sterblichkeit bei den Patienten, die Rekonvaleszentenplasma erhielten. Die Wirkung konnte jedoch nicht abschließend belegt werden, da es sich nicht um randomisierte Studien mit einer Kontrollgruppe handelte.

Schon früh in der SARS-CoV-2-Pandemie entstand die Frage, ob Rekonvaleszentenplasma eine Option für die Therapie bei COVID-19 darstellt. Die transfusionsmedizinischen Einrichtungen haben früh begonnen, entsprechende Programme zu initiieren.

Die Rekonvaleszentenplasma-Therapie erfordert zunächst die Gewinnung von Plasmen, welche neutralisierende Antikörper gegen SARS-CoV-2 enthalten. Auf der DGTI- Jahrestagung wurde in mehreren Beiträgen die Untersuchung von anti-SARS-CoV-2-Antikörpern, die Rekrutierung von Spenderinnen und Spendern für Rekonvaleszentenplasma und die Charakterisierung dieser Plasmen vorgestellt.

Die Mehrzahl der SARS-CoV-2-infizierten Menschen bilden rasch anti-SARS-CoV-2-Antikörper. Allerdings gibt es große interindividuelle Unterschiede in der Menge und Art der Antikörper. Nach entsprechenden Aufrufen bestand bei vielen Genesenen die Bereitschaft zur Spende von Rekonvaleszentenplasma. Aufgrund der allgemeinen Kriterien für die Eignung als Plasmaspenderin und Plasmaspender und aufgrund der spezifischen Kriterien für die Plasmaspende von Genesenen konnten nicht alle spendewilligen Genesenen zur Plasmapherese zugelassen werden. In den transfusionsmedizinischen Einrichtungen mit entsprechenden Programmen konnten in kurzer Zeit dennoch viele Rekonvaleszentenplasmen gesammelt werden.

Das Prinzip einer passiven Immunisierung durch Transfusion von antiviralen Antikörpern erscheint überzeugend. Die theoretischen Überlegungen zum Wirkmechanismus ersetzen jedoch nicht den Nachweis in einer randomisierten klinischen Prüfung. Zwischenzeitlich gibt es eine Serie von Daten zum Einsatz von Rekonvaleszentenplasma bei COVID-19. Die bisher veröffentlichten Daten zeigen keine Signale für eine ungewöhnliche Häufung von unerwünschten Wirkungen. Auch gibt es keine Signale für unerwartete unerwünschte Wirkungen, welche in dem spezifischen pathophysiologischen Kontext von SARS-CoV-2 auftreten. 

Die bisher verfügbaren Behandlungsergebnisse sind zwar vielversprechend, stellen aber keinen Wirksamkeitsnachweis dar. Weitere Ergebnisse aus randomisierten klinischen Prüfungen sind deshalb erforderlich. Mehrere klinische Prüfungen zu Rekonvaleszentenplasma wurden in Deutschland bereits veranlasst.

 Quelle: Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie e.V. (DGTI)

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