21.04.2016

Klug entscheiden bei Herzerkrankungen

Blutverdünnende Medikamente können Schlaganfälle bei Patienten mit Vorhofflimmern verhindern. Diese werden aber nur von 55 Prozent der Hausärzte auch verschieben. Darauf macht die DGIM aufmerksam.

Wird bei einem Patienten Vorhofflimmern - eine Herzrhythmusstörung - festgestellt, raten Experten zu einer dauerhaften Behandlung mit blutverdünnenden Medikamenten. Dadurch können Ärzte in Deutschland bis zu 10.000 Schlaganfälle jährlich verhindern und Leben retten. Dennoch entscheiden sich nur rund 55 Prozent der Hausärzte für diese Behandlung. Auf diese und weitere Fehlbehandlungen weist die Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM) im Rahmen ihrer Initiative „Klug entscheiden" anlässlich der 122. Jahrestagung im April in Mannheim hin. Die Initiative hat sich zum Ziel gesetzt, Über- und Unterversorgung in der Medizin zu benennen.

„Die Empfehlungen orientieren sich dabei an den gültigen Leitlinien. Hinzu kommen aber auch aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse", sagt Prof. Dr. med. Gerd Hasenfuß, Präsident der diesjährigen DGIM-Jahrestagung. Das Einhalten der evidenzbasierten Behandlungsempfehlungen rettet Leben, so der Kardiologe.

Herzinfarkt und Schlaganfall kündigen sich häufig bereits an, bevor es zum Ernstfall kommt - etwa durch Bluthochdruck und erhöhte Cholesterinwerte. Der Cholesterinwert kann durch Statine effektiv gesenkt werden. Das Risiko der Sterblichkeit sinkt bei regelmäßiger Einnahme der Statin-Medikamente um 60 Prozent, wenn es gelingt, den ursprünglichen Blutfettwert zu halbieren. Auf andere Maßnahmen hingegen, beispielsweise eine vorsorgliche Computertomografie der Herzkranzgefäße bei Menschen ohne typische Anzeichen für koronare Herzerkrankungen, könnten Ärzte in vielen Fällen verzichten. „Gerade kostenintensive bildgebende Verfahren werden viel zu häufig eingesetzt. Gründe dafür könnten die Unsicherheit des Arztes aber auch das Drängen von Seiten der Patienten sein", so Professor Hasenfuß, der die Klinik für Kardiologie und Pneumologie an der UMG, Universitätsmedizin Göttingen, leitet. Die „Klug entscheiden"-Empfehlungen richten sich sowohl an Mediziner als auch an Patienten. Sie sollen aber gerade auch im Gespräch mit dem Patienten eine wertvolle Hilfe sein, wenn es darum geht, gemeinsam eine Behandlungs-Strategie festzulegen.

Unter- oder Überversorgung kommt vor aus Sorge der Ärzte, etwas Wichtiges zu unterlassen, weil die Patienten die Maßnahmen einfordern, aber auch aus Unkenntnis der Leitlinien. „Es ist sehr schwer, aktuelles Leitlinien-Wissen aus allen Fachbereichen stets parat zu haben", betont Prof. Hasenfuß. Schließlich umfassten viele Leitlinien 150 oder sogar noch mehr Seiten. Neben „Klug entscheiden"-Empfehlungen sei es in erster Linie die Fort- und Weiterbildung, die es Ärzten ermögliche, ihr Wissen aktuell zu halten. Bei der DGIM-Jahrestagung können sich Teilnehmer beispielsweise in der Reihe „Kardiologie für den Generalisten" in 14 Symposien über den aktuellen Wissensstand rund um das Herz informieren.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V.