14.01.2019

Lipohypertrophien bei Diabetes werden oft übersehen

Verdickungen im Unterhautfettgewebe (Lipohypertrophien) führen zu einer schlechteren Aufnahme des Insulins und können eine Unterzuckerung zur Folge haben.

„Lipohypertrophien werden im Praxisalltag leicht übersehen. Dabei können sie mitunter eklatante Folgen haben“, weiß die Diabetesberaterin Elisabeth Schnellbächer, Birkenfeld. Diese Verdickungen im Unterhautfettgewebe führen zu einer schlechteren Aufnahme (Resorption) des Insulins, was wiederum eine ungenügende Blutzuckerkontrolle zur Folge haben kann. Auf einem Symposium (mit dem Titel „Hautveränderung bei Diabetes – nur ein kosmetisches Problem?“) auf der Herbsttagung der Diabetologen in Wiesbaden diskutierten Experten die möglichen unerwünschten Wirkungen von Lipohypertrophien (LHT) und wie sie vermieden werden können.

Ein wichtiger Faktor für die Entstehung von LHTs, so der niedergelassene Diabetologe Dr. med. Matthias Kaltheuner, Leverkusen, ist die Alltagsroutine. Viele insulinpflichtige Diabetiker setzen bis zu 1.000 Injektionen im Jahr, wobei es sich nicht vermeiden lässt, dass einige Orte, etwa im Bauchbereich bei den Mahlzeiteninsulinen, mit der Zeit bevorzugt werden. Daher wird „die Bauchregion insofern fortlaufend verbraucht, bezüglich gut funktionierender Insulin-Resorptionsstellen.“

In der Praxis, berichtet die Diabetesberaterin Schnellbächer, gibt es bestimmte Äußerungen der Patienten, die diesbezüglich aufhorchen lassen sollten. „Wenn der Patient beispielsweise über Unterzuckerung klagt, die er sich nicht erklären kann, oder seine Zuckerwerte schlecht sind, obwohl er nach eigenen Angaben vermehrt Insulin spritzt. Ebenso wenn er das Gefühl hat, sein Insulin wirke nicht mehr, kann dies Anzeichen für entstandene Lipohypertrophien sein.“ Eine Maßnahme gegen die Entwicklung von LHTs ist es, dem Patienten ein ihm genehmes Rotationsschema, bei dem die Einstichstellen für die Insulingabe regelmäßig gewechselt werden, zu empfehlen.

Ein relevantes Problem der LHTs, erklärt Dr. med. Winfried Keuthage, niedergelassener Diabetologe in Münster, sind vermehrt auftretende Unterzuckerungen (Hypoglykämien). Durch die gestörte Resorption stellt der Patient zunächst einen zu hohen Blutzuckerspiegel bei der Selbstmessung fest. Daraufhin erhöht er die Insulindosis, was jedoch – sofern er dann eine gut resorbierende Lokalisation im Bauchbereich erwischt – zu einer Hypoglykämie führen kann.

Auf dem Symposium wurde auch diskutiert, ob die Gabe von höherkonzentriertem Insulin möglicherweise Abhilfe schaffen könnte. Durch die Verwendung eines hochkonzentrierten Insulins entfällt nämlich in der Regel eine Aufteilung der Spritzmenge auf zwei Injektionen. Insgesamt kann somit die Anzahl der Einstichstellen mindestens halbiert werden. Dies könne dazu beitragen, das Auftreten von Lipohypertrophien zu minimieren, da diese mit der Zahl der Injektionen zusammenhängen.

Quelle: Journalmed

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