29.08.2012
Nach Infekten ist Schonung - auch für das Herz - angesagt
Wenn man sich nicht genügend schont, kann es nach einer Grippe oder auch vermeintlich banalen Infekten zu einer Herzmuskelentzündung kommen.
Regelmäßiges körperliches Training hält fit und senkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen Wenn man sich allerdings krank oder noch geschwächt von einer Krankheit körperlichen Belastungen aussetzt, kann es für das Herz gefährlich werden. Grund: Bei vermeintlich banalen Erkrankungen wie z. B. einem grippalen Infekt oder Magen-Darm-Infektionen kann auch der Herzmuskel in Mitleidenschaft gezogen sein. Bei einer solchen Myokarditis (Herzmuskelentzündung), die oft gar nicht bemerkt wird, ist körperliche Belastung Gift fürs Herz. Im schlimmsten Fall droht der plötzliche Herztod, aber auch eine massive Herzschwäche kann die Folge sein.
„Wer eine Grippe oder eine andere Infektion mit Gliederschmerzen und Abgeschlagenheit hat, gehört ins Bett, denn es könnte der Herzmuskel beteiligt sein", warnt deshalb Prof. Dr. med. Michael Böhm, Direktor der Klinik für Innere Medizin III/Kardiologie am Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg/Saar. „Dies gilt auch für Infekte, bei denen kein oder nur geringes Fieber auftritt, wie das häufig bei älteren Patienten der Fall ist. Wer sich in dieser Phase körperlich belastet, riskiert sein Leben." Prof. Böhm rät deshalb, Sport und andere körperliche Belastungen, z.B. im Beruf, zu meiden, bis alle Begleitsymptome wie z. B. Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit und Fieber abgeklungen sind und man sich wieder wohlfühlt.
Bei einer Herzmuskelentzündung liegt ein schädigender Einfluss auf das Herz vor, auf den der Herzmuskel mit einer Entzündung reagiert. Häufigste Ursache einer solchen Entzündung sind Infektionen durch Viren, z. B. bei einer Grippe oder Magen-Darm-Infektion. Auch andere Erreger und Erkrankungen kommen als Auslöser in Frage. Symptome einer Herzmuskelentzündung können sein: Abgeschlagenheit und allgemeine Schwäche, Herzrhythmusstörungen (z. B. Herzstolpern), Luftnot oder Schmerzen in der Brust, wie sie auch bei einem Herzinfarkt auftreten können. „Eine spezielle Gefahr geht von den Rhythmusstörungen aus, weil sie abrupt in Kammerflimmern übergehen können: Es kommt zum Herzstillstand, der zum Tod führt, wenn nicht sofort eine Reanimation unter Einsatz eines Defibrillators erfolgt", erklärt Prof. Böhm. Erschwerend kommt hinzu, dass es kein einzelnes Symptom gibt, das spezifisch für eine Myokarditis ist: „Behandelnde Ärzte müssen immer das Gesamtbild berücksichtigen. Verdacht auf Herzmuskelentzündung besteht, wenn die genannten Beschwerden im zeitlichen Zusammenhang mit einer viralen Infektion auftreten."
Eine ursächliche Behandlung der Herzmuskelentzündung gibt es Prof. Böhm zufolge noch nicht. Die Therapie ist symptomatisch: sie lindert die Beschwerden durch körperliche Schonung. Daneben werden entzündungshemmende Medikamente gegen einen eventuell begleitenden Herzbeutelerguss und zur Linderung von Brustschmerzen eingesetzt, sowie ACE-Hemmer und Betablocker gegen eine eventuell bestehende Herzschwäche.
Patienten mit einer Myokarditis sollten sich auf alle Fälle drei Monate konsequent schonen: viel Ruhe, keine körperliche Belastung, keinerlei Sport oder Ausdauertraining, wenn möglich den Fahrstuhl benutzen anstelle von Treppenlaufen. Das gelte auch für schwere körperliche Arbeit im Beruf. Sport sei erst wieder nach einer Karenzzeit von rund drei Monaten möglich, wenn sich die Herzfunktion wieder komplett erholt habe.
Quelle: Deutsche Herzstiftung e.V.
