30.09.2019

Neuer Test ermöglicht frühere und strahlungsfreie Erkennung von Osteoporose

Mit einem neuen Diagnostikverfahren lässt sich Osteoporose schon durch eine Urin- bzw. Blutprobe erkennen – und zwar früher als mit Röntgen und ganz ohne Strahlung.

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Was ist Osteoporose?

Die Knochen unseres Skeletts befinden sich in einem ständigen Auf-, Ab- und Umbauprozess, um dynamisch und flexibel auf vielerlei Belastungen – z. B. durch Sport, Bewegung, Gewichteinwirkung und Arbeit - reagieren zu können.

Nicht nur ältere Frauen nach den Wechseljahren, sondern auch Männer können an Knochenschwund (Osteoporose) erkranken, Es handelt es sich um eine chronische Erkrankung der Knochen, bei der das Verhältnis von Knochenaufbau und Knochenabbau sowie Knochendichte und Knochenqualität gestört ist und die und bei manchen Menschen auch schon ab dem 50. Lebensjahr oder früher auftritt. Durch die Zerstörung der knöchernen Mikroarchitektur, die häufig in Zusammenhang mit einem Kalzium-Mangel auftritt, wird die Knochenstruktur porös und fragil. Das lässt den Knochen an typischen Stellen wie der Hüfte, der Wirbelsäule oder dem Unterarm oft schon unter dem Einfluss von Alltagskräften brechen (sog. Fragilitätsbrüche), die ansonsten unbeschadet toleriert werden und die der Knochen eigentlich tragen sollte. Aufgrund der größeren Anfälligkeit für Knochenbrüche schränkt Osteoporose die Lebensqualität stark ein und führt auch zu einer erhöhten Sterblichkeit.

Bisherige Diagnostikmethoden erkennen Osteoporose erst in fortgeschrittenem Stadium

Bisher wurden zur Diagnostik der Osteoporose entweder eine Knochendichtemessung (BMD) unter Verwendung von Röntgenstrahlen (Dual-Energy-Röntgen-Absorptiometrie, DXA) durchgeführt oder die ebenfalls strahlenbelastende Quantitative Computertomographie (QCT) eingesetzt, seltener auch Ultraschall. Leider zeigt sich eine Osteoporose auf den Röntgenbildern (DXA) erst, wenn sie schon ein fortgeschrittenes Stadium erreicht hat. Betroffene Patienten erhalten dann erst sehr spät eine Therapie - manche zu spät, so dass sie im Alter häufige Stürze, Knochenbrüche und damit zusammenhängende Beschwerden erleiden.

Neuer Test ist strahlungsfrei und ermöglicht frühere Behandlung sowie Therapiekontrolle

Ein neuer strahlenfreier Test, für den nur eine Blut- und Urinprobe benötigt wird, erkennt bereits nach wenigen Wochen, ob Kalzium im Skelett ein- oder abgebaut wird und bringt somit sehr viel früher zum Vorschein, was sich auf den Röntgenbildern erst im hohen Alter zeigt (Bone Reports 10, 2019). Dazu werden Kalziumisotope als Knochenbiomarker eingesetzt, die Störungen des Kalziumhaushalts (durch Quantifizierung der Calciumisotopen-Zusammensetzung in Körperflüssigkeiten wie Blut und Urin) anzeigen (Osteoporose, Orthopädrie & Rheuma aktuell 2, 2019).

Das Kalzium im Blut stammt aus drei Quellen: der Nahrung, den Nieren und dem Skelettsystem. Durch eine Bestimmung der Kalzium-Beiträge aus diesen drei Quellen kann man pathologische Veränderungen des Kalzium-Haushalts bestimmen und auch Aussagen über die Funktionalität der Nieren und des Skeletts machen.

PatientInnen, die bei einem Kalzium-Biomarker-Screening oberhalb des Schwellenwertes fallen, benötigen keine weitere DXA-Messung mehr. Der Test bringt den Patienten also entscheidende Vorteile: Zum einen ersparen sie sich eine Belastung mit Röntgenstrahlen, und zum anderen lässt sich eine möglicherweise vorliegende Osteoporose früher erkennen und damit auch schneller und besser behandeln.

Auch PatientInnen, die bereits gegen Osteoporose behandelt werden, können von dem neuen Testverfahren profitieren, indem es ihre Behandlungsfortschritte dokumentiert, so dass sich ihre Therapie noch besser steuern lässt. Zusätzlich erhalten die PatientInnen mit jedem Test eine Beurteilung der Funktion Ihrer Nieren (Kreatinin, eGFR, Cystatin C) und der Versorgung Ihres Körpers mit Vitamin D. Das strahlungsfreie Diagnostikverfahren mit den Kalziumisotopen-Biomarkern eignet sich also zur Medikations- und Therapiekontrolle.

 

 

 

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