24.04.2013
Rheuma belastet das Herz und erhöht das Sterberisiko
Rheumapatienten haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Davor warnen Experten der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM).
Die etwa 800.000 Menschen mit entzündlichem Rheuma in Deutschland sind nicht nur von Schmerzen und Schäden ihrer Gelenke bedroht. Neue Studien zeigen, dass auch ihr Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich erhöht ist. Eine frühzeitige Behandlung des Rheumas könnte Betroffene auch vor den Gefäßschäden und ihren tödlichen Folgen schützen. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) setzt sich für wirksame Therapien ein und rät Patienten, zusätzliche Risiken wie etwa Zigarettenrauch unbedingt zu meiden. Systemische Entzündung war ein Hauptthema des 119. Internistenkongresses, der vom 6. bis 9. April 2013 in Wiesbaden stattfand.
Rheumatoide Arthritis, auch Gelenkrheuma genannt, gehört zu den Autoimmunerkrankungen, bei denen die körpereigene Abwehr eigenes gesundes Gewebe angreift. Die Attacke ist zwar in erster Linie gegen die Knochen gerichtet. Es begleitet sie jedoch eine Entzündungsreaktion im gesamten Körper, die auch die Blutgefäße in Mitleidenschaft zieht. „Herzinfarkte und Schlaganfälle treten deshalb bei Rheumakranken doppelt so häufig auf wie in der übrigen Bevölkerung", erläutert Prof. Dr. med. Ulf Müller-Ladner, Chefarzt an der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim. Das Herzinfarktrisiko von Rheumapatienten ist genauso hoch wie von Diabetikern.
„Schon in den ersten Erkrankungsjahren einer entzündlichen Gelenkerkrankung lassen sich mit kardiologischen Funktionstests Veränderungen in den Arterien nachweisen", erklärt Müller-Ladner. Langfristig hätten Rheumapatienten deshalb unbehandelt ein deutlich erhöhtes Sterberisiko. Aber nicht nur bei aktivem Rheuma drohe ein Herzinfarkt. „Auch beschwerdefreie Menschen mit positivem Rheumafaktor oder erhöhten rheumaspezifischen Autoantikörpern im Blut, sogenannten ACPA, haben bereits ein erhöhtes Atheroskleroserisiko." Diese Antikörper sind ein Zeichen eines überaktiven Immunsystems. Sei eine drohende entzündliche Gelenkerkrankung zu vermuten, sollten Betroffene einen internistischen Rheumatologen aufsuchen.
Die von Rheuma ausgehenden Risiken für den Körper sind ein weiterer Grund für eine konsequente Therapie, betont DGIM Kongresspräsidentin Prof. Dr. med. Elisabeth Märker-Herman, Klinikdirektorin in Wiesbaden. Hilfreich seien neuere Medikamente, die die Signale der Entzündungsreaktion ausschalten. „Wir haben die berechtigte Hoffnung, dass diese Biologika die Patienten auch vor Herzinfarkt und Schlaganfall schützen", sagt die Rheumaexpertin. Die Erfahrungen aus rheumatologischen Patientenregistern und epidemiologische Untersuchungen lassen hoffen, dass die Zahl der Herzinfarkte und Schlaganfälle bei Rheumapatienten unter frühzeitiger Therapie sinkt.
Ähnlich wie bei Diabetikern ist es für Menschen mit Rheuma wichtig, dass ihre Werte für Blutdruck, Blutzucker und Blutfette im grünen Bereich liegen. „Angesichts des hohen Risikos sollten Ärzte etwa bei der Verschreibung von Cholesterinsenkern konsequent sein", fordert DGIM Vorsitzende Prof. Märker-Hermann. Kein Rheumapatient könne sich jedoch auf Medikamente allein verlassen. Auch wenn dies oft verwundert: Bewegung hilft. Ganz entscheidend ist bei Rheuma zudem, auf Zigaretten zu verzichten. Denn Tabakrauch wirkt hier zweifach negativ: Er fördert die Entzündung der Gelenke und setzt die Wirksamkeit der Medikamente herab.
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM)
