25.03.2012

Schon ein bisschen Gehen zwischendurch beugt Diabetes wirksam vor

Bereits lockeres Gehen ohne große Anstrengung kann dazu beitragen, Diabetes zu vermeiden. Wer viel sitzt, sollte deshalb gelegentlich aufstehen und ein paar Schritte gehen, raten Internisten.

Bewegungsmangel und Übergewicht erhöhen das Risiko, an Diabetes vom Typ II zu erkranken. „Dabei genügt schon eine relativ geringe körperliche Bewegung, um den Zucker- und Fettstoffwechsel günstig zu beeinflussen", erklärt Dr. Wolfgang Wesiack, Präsident des Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) praktizierender Internist in einer Hamburger Gemeinschaftspraxis für Innere Medizin. „Wer viel sitzt, sollte zwischendurch bewusst immer wieder eine Sitzpause einlegen und ein paar Schritte gehen." Ein aktuelle Studie aus Australien mit übergewichtigen Erwachsenen zeigt, dass dabei wirklich keine großen Anstrengungen erforderlich sind: Ein Teil der Studienteilnehmer (Gruppe 1) wurde angewiesen, fünf Stunden einer sitzenden Tätigkeit (wie fernsehen, am PC arbeiten oder lesen) nachzugehen und in dieser Zeit nur für den Toilettengang aufzustehen. Demgegenüber wurde den anderen Studienteilnehmern auferlegt, das Sitzen alle 20 Minuten zu unterbrechen, um in dieser Pause für jeweils zwei Minuten bei geringer Geschwindigkeit (3 km/h) auf dem Laufband zu gehen  (Gruppe 2) oder bei mittlerer Geschwindigkeit (6 km/Std. - Gruppe 3). Ergebnis: Das zweiminütige Gehen alle zwanzig Minuten senkte sowohl den Blutzucker als auch den Insulin-Spiegel messbar (Blutzucker: um 24% bis 30% und Insulin um rund 23% im Vergleich zur Sitzgruppe).

Eine Million Menschen haben hierzulande unwissentlich erhöhte Blutzuckerwerte

In Deutschland leiden rund 7 Millionen Menschen an Typ-2-Diabetes, etwa eine weitere Million ist betroffen, ohne es zu wissen. Jedes Jahr kommen rund 300.000 neue Diabetes-Erkrankungen hinzu. Typ-2-Diabetes betrifft hauptsächlich ältere Menschen über 40 Jahre. Allerdings erkranken zunehmend auch Jüngere, sogar Kinder und Jugendliche, zumal insbesondere Bewegungsarmut, Übergewicht und Fettsucht (Adipositas) die Entstehung eines Typ-2-Diabetes begünstigen. Unmittelbare Folge von Diabetes ist ein zu hoher Blutzuckerwert (Hyperglykämie), da das körpereigene Insulin, das den Blutzucker regulieren soll, zunehmend seine Wirksamkeit verliert. Anfänglich versucht die Bauchspeicheldrüse dieser Insulin-Unempfindlichkeit der Körperzellen entgegenzuwirken, indem sie mehr Insulin produziert. Im Laufe der Zeit ist sie damit aber überfordert, so dass die Blutzuckerwerte weiter ansteigen. Die damit verbundenen Folgeschäden sind ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle, mögliche Amputationen und Erblindung.

Fitnessfanatiker werden ist nicht erforderlich

Wenn keine erbliche Vorbelastung vorliegt, lässt sich Diabetes mit ausreichend Bewegung in Kombination mit einer gesunden Ernährung effektiv vermeiden. „Dazu muss man - wie die aktuelle  Studie belegt - kein Fitnessfanatiker werden", betont Wesiack. „Schon mit ein wenig Bewegung lässt sich der Blutzuckerwert senken und die Insulinempfindlichkeit des Körpers steigern. Körperliche Aktivitäten stabilisieren gleichzeitig das Körpergewicht, trainieren das Herz-Kreislauf-System und beugen Durchblutungsstörungen vor."

Für Nicht-Bewegungsmuffel optimal geeignet: alle Ausdauersportarten

Wer kein Bewegungsmuffel ist und mehr tun möchte: „Optimal wäre es, sich mindestens fünf mal pro Woche eine halbe Stunde körperlich zu betätigen", erläutert Wesiack. „Besonders geeignet sind Ausdauersportarten, die das Herz-Kreislauf-System beanspruchen, z. B. Joggen, Nordic Walking, Spazierengehen, Rad fahren, Wandern, Schwimmen, Skilanglauf. Eine gute Faustregel ist, einen Pulsschlag von 180 minus das Lebensalter in Jahren nicht zu überschreiten. Dies entspricht in etwa 50% der maximalen Leistungsfähigkeit."