08.04.2008
Störung der Blutgerinnung kann häufiges Nasenbluten auslösen
Schwer zu stoppende Blutungen können Hinweis auf eine mangelnde Blutgerinnung sein...
Häufiges grundloses und schwer zu stoppendes Nasenbluten sind ein typisches Anzeichen einer gestörten Blutgerinnung. „Auch wer bereits nach kleineren Stößen oder Schlägen große blaue Flecken bekommt, leidet möglicherweise unter dem so genannten Von-Willebrand-Jürgens-Syndrom", erklärt Prof. Reiner Hartenstein vom Berufsverband Deutscher Internisten (BDI).
Das Von-Willebrand-Jürgens-Syndrom ist die häufigste erblich bedingte Blutgerinnungsstörung. Rund 1% der Bevölkerung leidet an dieser Erbkrankheit, bei der ein Gerinnungsenzym - der so genannte Von-Willebrand-Faktor - zu wenig oder gar nicht gebildet wird. Etwa 80% der Betroffenen haben eine milde Variante der Erkrankung, in etwa 5% der Fälle verläuft sie dagegen schwer. Die milde Form wird in der Regel nicht behandelt, für die schwere Verlaufsform gibt es verschiedene Medikamente, die die Produktion des Von-Willebrand-Faktors erhöhen oder die Blutgerinnung verbessern.
Nahe Verwandte sind ebenfalls oft betroffen
„Die meisten Betroffenen wissen nichts von ihrer Erkrankung, denn die milde Form ruft nur leichte Symptome hervor", sagt Prof. Hartenstein. Typisch für die Gerinnungsstörung ist eine verstärkte Blutungsneigung. So bluten bereits kleinere Wunden stark und die Blutungen lassen sich nur schwer stoppen. Auch Blut im Urin sowie schwere Regelblutungen bei Frauen können auf das Von-Willebrand-Jürgens-Syndrom zurückgehen. „Die Erkrankung ist zwar in den meisten Fällen ungefährlich, trotzdem sollten sich Menschen mit diesen Symptomen von einem Arzt untersuchen lassen", rät der Experte für Bluterkrankungen. Die üblichen Blutgerinnungstests, wie der Quick-Wert oder die partielle Thromboplastinzeit sind zwar häufig normal, eine verlängerte Blutungszeit im Test deutet jedoch auf die Erkrankung hin. Durch Messung einzelner Gerinnungsfaktoren, wie des Willebrandfaktor-Antigens, kann der Arzt die Erkrankung diagnostizieren. Da die Gerinnungsstörung von den Eltern an die Kinder vererbt wird, sollten Eltern, Geschwister und Kinder von Betroffenen ebenfalls einen Test auf das Von-Willebrand-Jürgens-Syndrom vornehmen lassen.
Unfallpass kann vor dem Verbluten schützen
Denn auch in der milden Form können nach schweren Verletzungen oder Operationen starke, schwer stillbare Blutungen auftreten. Insbesondere Chirurgen und Zahnärzte sollten deshalb über das Vorliegen einer Blutgerinnungsstörung Bescheid wissen, damit sie vor einem operativen Eingriff Vorkehrungen gegen zu starken Blutverlust treffen können. „Außerdem kann ein Unfallhilfe-Pass oder eine Hals- oder Armkette mit Angaben zu der Erkrankung im Notfall lebensrettend sein", so Hartenstein. Menschen mit einem Von-Willebrand-Jürgens-Syndrom sollten generell ihren Arzt über alle Medikamente informieren, die sie einnehmen. Denn manche frei verkäuflichen Präparate enthalten gerinnungshemmende Wirkstoffe, wie z. B. Aspirin, und können die Blutungsneigung noch weiter erhöhen.
Vor den typischen blauen Flecken schützen regelmäßige körperliche Aktivität und eine gute körperliche Fitness. So stärken Schwimmen, Fahrradfahren oder Laufen die Muskulatur und halten sie flexibel. Sportarten wie Fußball, Volleyball oder Krafttraining sind dagegen für Menschen mit gestörter Blutgerinnung nicht geeignet.
