20.12.2016

Ursache für Ausbruch von Autoimmunerkrankungen entdeckt

Einen neuen Mechanismus, der unmittelbar für den Ausbruch von Autoimmunerkrankungen wie der Rheumatoiden Arthritis verantwortlich ist, hat ein internationales Forscherteam entdeckt.

Unser Immunsystem trägt nicht nur zur Abwehr von Krankheitserregern wie Viren, Bakterien und Pilzen bei, sondern besitzt auch die einzigartige Fähigkeit zeitlebens zu lernen und ein so genanntes immunologisches Gedächtnis aufzubauen. Hierbei werden vom Immunsystem spezifische Antikörper gegen den jeweiligen Krankheitserreger erzeugt und zeitlebens nachgebildet. Mit Hilfe von Antikörpern kann das Immunsystem im Falle einer erneuten Infektion mit einem dem Immunsystem schon bekannten Krankheitserreger schneller und effektiver reagieren. Somit gewährleisten Antikörper im Regelfall einen ausreichenden Schutz und können einen erneuten Krankheitsausbruch verhindern. Hierauf baut zum Beispiel das Prinzip der Schutzimpfung auf.

Allerdings kann unser Immunsystem auch Antikörper gegen körpereigene Strukturen und Organe erzeugen. Diese Autoimmunität ist durch das Vorhandensein von Autoantikörpern gekennzeichnet. Tatsächlich sind Autoimmunität und Autoantikörper kein seltenes Phänomen, sondern bei vielen gesunden Menschen nachweisbar und helfen unserem Körper beispielsweise bei der Tumorbekämpfung. Bei manchen Menschen führen Autoantikörper jedoch zum Ausbruch von Autoimmunerkrankungen wie der Rheumatoiden Arthritis. Die Gründe hierfür waren bisher weitgehend unklar.

Eine bestimmte Gruppe von Immunzellen - die so genannten TH17-Zellen wirken offenbar direkt auf das immunologische Gedächtnis ein und provozieren durch eine scheinbar harmlose Veränderung der molekularen Struktur von Autoantikörpern den Ausbruch einer Autoimmunerkrankung. Das konnten jetzt Forscher um Gerhard Krönke von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) in Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaftlern der FAU und einem internationalen Forscherteam aus den Niederlanden, Schweden und Österreich zeigen (siehe Nature Immunology, Online-Veröffentlichung am 7.11.2016). „Tatsächlich ist für den Ausbruch von Autoimmunerkrankungen wie der Rheumatoiden Arthritis in diesem Fall nur das Fehlen eines einzigen Zuckermoleküls an den jeweiligen Autoantikörpern verantwortlich", berichtet Rene Pfeifle, Erstautor der Studie.

Während bisherige Therapien der Rheumatoiden Arthritis auf die Hemmung der Entzündungsreaktion abzielen, könnten diese neuen Erkenntnisse in Zukunft möglicherweise dazu dienen, völlig neue Therapieansätze zur Verhinderung des Ausbruchs von Autoimmunerkrankungen zu entwickeln. Hierbei würde das Immunsystem jedoch nicht gehemmt, sondern durch gezielte Modulation von TH17-Zellen einer Art Reprogrammierung unterzogen werden. Mit Hilfe einer solchen Strategie - so hoffen die Forscher - könnten die krankheitsauslösenden Veränderungen der Zuckerstruktur von Autoantikörpern rückgängig gemacht werden und somit Immuntoleranz und eine langfristige Heilung von Autoimmunerkrankungen ermöglicht werden.

Quelle: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

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