24.05.2011
Wann gilt eine Rheumatoide Arthritis als gesichert?
Geschwollene Gelenke allein können die Diagnose einer Rheumatoiden Arthritis nicht absichern. Erforderlich ist u.a. auch der Nachweis einer Entzündung in den Gelenken.
Geschwollene Hand- und Fingergelenke können auf eine rheumatische Erkrankung wie Rheumatoide Arthritis (RA) hinweisen, reichen alleingenommen aber nicht für eine gesicherte Diagnose aus. Vielmehr sollte die fachärztliche Diagnose entsprechend der neuen RA-Klassifikationskriterien der US-amerikanischen und europäischen Rheumaligen anhand eines Punktesystems erfolgen, das Prof. Klaus Krüger, praktizierender Rheumatologe im Münchener Praxiszentrum St. Bonifatius, im Rahmen des 6. Rheuma-Updates vom 18.-19.3. in Wiesbaden vorstellte. Neben der Anzahl der geschwollenen Gelenke sind der Nachweis bestimmter Laborwerte (positiver Rheumafaktor, anormale Blutsenkungsgeschwindigkeit, Entzündungsfaktoren wie CRP) und die Dauer seit Auftreten der ersten Beschwerden für die Vergabe von Punkten in vorgeschriebener Gewichtung ausschlaggebend.
„Ab sechs Punkten gilt eine RA als gesichert", erklärt Krüger. „Dabei wird der Punktescore aber natürlich erst dann gültig, wenn auch nachgewiesenermaßen eine Entzündung der Gelenkinnenhaut (Synovitis) vorliegt. Eine weitere Voraussetzung ist, dass eine Differenzialdiagnose ausgeschlossen wurde." Um diese Bedingung zu verdeutlichen, führte Krüger das Beispiel einer Patientin an, die sich mit Ringelröteln angesteckt hatte und daher eine infektbedingte Parvovirus-Arthritis entwickelte, von der sie nach drei Monaten spontan wieder erholte.
Infolge einer Infektion mit Parvovirus-B19, der als Erreger der eigentlich harmlosen Kinderkrankheit Ringelröteln bekannt ist, kann es zu einer Reihe von entzündlich-rheumatischen und immunologischen Krankheitsbildern kommen. Dazu gehört die Entwicklung von chronischen Arthritiden ebenso wie ausgeprägte Leistungsminderungen bis hin zum Vollbild des chronischen Müdigkeitssyndroms. Rheumatologisch bedeutsam ist der mögliche Befall von Synovialzellen (Zellen der Gelenkinnenhaut). Eine solche, eher selten auftretende Gelenkbeteiligung bei einer Parvovirus-B19-Infektion manifestiert sich entweder in reinen Gelenkschmerzen (Arthralgien) oder aber auch in echten Arthritiden mit Schwellungen und Entzündungen der Gelenke. Typischerweise sind kleine Gelenke betroffen mit einem symmetrischen Befallsmuster, das dem einer rheumatoiden Arthritis ähnelt.
Demgegenüber ist die genaue Krankheitsursache der rheumatoiden Arthritis bisher unbekannt. Man geht von einer ererbten Veranlagung aus, die in Verbindung mit einer Reihe von äußeren Faktoren zu einer Fehlregulation des Immunsystems und einer so genannten Autoimmunreaktion führt.
Quelle: Ärztezeitung
