08.04.2015
Zentraler Entzündungsschalter bei Lupus entdeckt
Beim systemischen Lupus erythematodes (SLE), einer auch Schmetterlingsflechte genannten Autoimmunerkrankung, werden verschiedene Organe durch entzündliche Prozesse angegriffen.
Der systemische Lupus erythematodes (SLE) ist eine Autoimmunerkrankung, die viele Organe befallen kann. Typisch sind auffallende Rötungen, die sich vom Nasenrücken über die Wangen ausbreiten. Wegen dieses Erscheinungsbildes wird die Krankheit auch Schmetterlingsflechte genannt. Etwa 25 von 100.000 Menschen erkranken an SLE, wobei hauptsächlich Frauen betroffen sind. Einen zentralen Schalter, der beim SLE die Entzündungsreaktion befeuert, hat nun ein internationales Forscherteam unter Beteiligung des Bonner Universitätsklinikums entschlüsselt (siehe Immunity 2015 Band 42/3, Seite 552-565). Die Wissenschaftler um Dr. Lino Teichmann von der Medizinischen Klinik III des Universitätsklinikums Bonn und Kollegen an der Yale University School of Medicine in New Haven, der University of Pittsburgh School of Medicine und der Tsinghua University in Peking sehen in dem Forschungsergebnis einen potenziellen Ansatzpunkt für künftig effektivere Therapien. Bisher verfügbare Therapieoptionen für den SLE seien häufig nicht effektiv oder mit größeren Nebenwirkungen verbunden. Deshalb ständen neue Behandlungsverfahren in der Prioritätenliste ganz weit oben.
Seit Langem rätseln Wissenschaftler, wie beim SLE die chronische Entzündung in Organen aufrechterhalten wird. „Eine Schlüsselrolle spielt der Rezeptor ICOS, der sich auf der Oberfläche von T-Zellen befindet", berichtet Dr. Teichmann. T-Zellen gehören zu den weißen Blutzellen des Immunsystems, die wie Polizisten im Körper auf Streife gehen und Eindringlinge festsetzen. Den Forschern zufolge nimmt die ungebremste Entzündungsreaktion dann ihren Lauf, wenn eine bestimmte Substanz auf der Oberfläche von anderen Immunzellen (dendritischen Zellen und Fresszellen) - der sog. ICOS-Ligand (ICOSL) - an den Rezeptor ICOS andockt. Bemerkenswert ist, dass genau diese schädigende Kettenreaktion in den meisten Organen stattfindet, die beim SLE von Entzündungen betroffen sind. „Trotz unterschiedlicher Auslösemechanismen der Erkrankung sind die schädigenden Mechanismen immer sehr ähnlich", erläutert Dr. Teichmann. Die Forscher haben mit ICOS also ein den verschiedenen SLE-Formen zugrundeliegendes Prinzip entschlüsselt.
Diese Entdeckung gelang den Wissenschaftlern im Tierversuch an Mäusen, die an einem dem SLE sehr ähnlichen Krankheitsbild litten. Sie schalteten in unterschiedlichen Immunzellen der Tiere das Gen für ICOSL stumm, damit diese Zellen das an ICOS andockende Molekül ICOSL nicht mehr produzierten. „Wir konnten aber nur dann die Entzündung in den betroffenen Organen eindämmen, wenn wir gezielt in dendritischen Zellen und Fresszellen das ICOSL-codierende Gen abschalteten - bei anderen Immunzellen zeigte sich kein Effekt", betont Dr. Teichmann. Damit hatten die Wissenschaftler sowohl den Schalter als auch den Auslöser der Entzündungskettenreaktion entschlüsselt.
Die Forscher sind zuversichtlich, dass sich die Ergebnisse aus dem Tiermodell auch auf den Menschen übertragen lassen. „Möglicherweise lässt sich die anhaltende Entzündungsreaktion in den Organen stoppen, wenn entweder der Rezeptor ICOS oder das andockende ICOSL mit Antikörpern blockiert werden", meint Dr. Teichmann. Das müsse sich aber erst noch in weiteren Studien erweisen.
Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
