Ursachen & Risikofaktoren eines Herzinfarkts

Ursachen

Meist geht einem Herzinfarkt eine Arteriosklerose der Herzkranzgefäße (koronare Herzkrankheit) voraus. Hierbei sind die Herzkranzgefäße durch fetthaltige, teilweise verkalkte Ablagerungen an den Gefäßwänden, so genannte Plaques, mehr oder weniger verengt. Diese Koronararteriensklerose entwickelt sich hauptsächlich dadurch, dass verschiedene schädliche Einflüsse (z.B. Bluthochdruck, Rauchen, zucker- und/oder fettreiche Ernährung) auf die empfindliche Innenhaut (Endothel) der Gefäße einwirken. Diese Schädigung ermöglicht z.B. dem Blutfett LDL-Cholesterin unter das Endothel in die Gefäßinnenwand einzudringen. Die LDL-Partikel können dort eine Entzündung auslösen. Heilt die Entzündungsreaktion aus, bleiben Bindegewebsnarben und Verkalkungen zurück, die Plaque. Die Gefäßwand wird dicker und beginnt das Gefäß zu verengen. Neue Entzündungsherde in der Plaque können diese an der Gefäßinnenseite und plötzlich einreißen lassen – Mediziner sprechen auch von einer Plaque-Ruptur. Augenblicklich decken Blutplättchen diesen Riss ab. Dabei können sie einen so großen Blutpropfen (Gerinnsel oder Thrombus) bilden, dass das Blutgefäß an dieser Stelle ganz verschlossen wird. So kommt es zum akuten Herzinfarkt.

Neueren Forschungsergebnissen zufolge ist neben der Plaque-Ruptur die Plaque-Erosion (Erosion einer vulnerablen Plaque) eine zunehmend häufigere Ursache eines akuten Koronargefäßverschlusses. Kennzeichen dieser Erosionen sind eine fehlende oder gestörte Endothelfunktion sowie ein im Vergleich zur Plaque-Ruptur anderer feingeweblicher Plaque-Inhalt (mehr glatte Muskelzellen, weniger entzündliche Zellen, reichlich Proteoglycane). Die Oberfläche einer solchen Plaque-Erosion begünstigt die Entstehung von Thromben, so dass der Gefäßverschluss hauptsächlich durch Thrombenbildung erfolgt. Nach Autopsiebefunden sind bis zu 40% der plötzlichen Koronartodesfälle auf thrombotische Gefäßverschlüsse der Koronararterien über einer Plaqueerosion zurückzuführen. Plaque- Erosionen scheinen insbesondere bei jüngeren Frauen und Raucherinnen vergleichsweise häufig aufzutreten.

Möglicherweise hat auch die weit verbreitete Therapie mit Cholesterinsenkern (Statinen) dazu beigetragen, dass nicht Plaque-Rupturen sondern Plaque-Eosionen zum Herzinfarkt und vor allem zum Nicht-ST-Hebungsinfarkt (NSTEMI) führen.

Risikofaktoren

Beeinflussbare Risikofaktoren:

  • Rauchen
  • Bluthochdruck
  • hohe Blutfettwerte
  • Diabetes mellitus
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • Ernährung

Nicht beeinflussbare Risikofaktoren

  • Lebensalter
  • Geschlecht
  • Familienanamnese: Herzinfarkte, Bypass-OP, Schlaganfall bei Familienangehörigen ersten Grades

Zur Hochrisikogruppe für einen Herzinfarkt gehören vor allem Personen mit besonderer Ausprägung einzelner oben aufgeführter Faktoren oder häufiger noch mit einer Kombination verschiedener Risikofaktoren. Gefährdet sind auch Patienten mit bekannter Herzgefäßerkrankung oder gerade überstandenem Herzinfarkt sowie Patienten mit Arteriosklerose, wie z. B. peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) oder Arteriosklerose der großen Schlagadern.
Nicht arteriosklerotisch-bedingte Ursachen für den Verschluss eines Herzkranzgefäßes sind sehr selten und werden deshalb hier nicht berücksichtigt.

 

 

Experte: Wissensch. Beratung und Ausarbeitung: Prof. Dr. med. Wolfram Delius, München

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern Meyer, J. et al. (Hrsg.)
Elsevier 5/2017

Letzte Aktualisierung: 18.08.2017

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