Krampfadern: Behandlung

Um Spätschäden und Komplikationen zu vermeiden, sollten Betroffene die Behandlung von Varikosen frühzeitig beginnen. Die Behandlungsmethode richtet sich danach, ob ein primäres oder sekundäres Krampfaderleiden vorliegt und ob eine Behandlungsnotwendigkeit besteht.

•    Nicht-medikamentöse Maßnahmen
•    Medikamentöse Maßnahmen
•    Interventionen / Operationen

Nicht-medikamentöse Maßnahmen

Allgemeine Verfahren

Körperliche Bewegung regt die Wadenmuskulatur an und fördert den Rückfluss des venösen Blutes zum Herzen. Bei älteren oder unbeweglichen Patienten können gezielte Bewegungstherapien notwendig sein. Ebenso positiv auf die Venen wirken sich das Hochlegen der Beine und kühles Abduschen der Beine aus. Auch wenn diese Maßnahmen Krampfadern nicht beseitigen können, wirken sie dennoch lindernd auf die Beschwerden.

Kompressionstherapie

Eine Kompressionstherapie stellt bei fast allen Formen venöser Erkrankungen die wichtigste Maßnahme dar. Folgende Möglichkeiten gibt es:

•    Kompressionsverband mit Kurz- oder Mittelzubinden
•    Zinkleimverband
•    Kompressionsstrümpfe  (Kompressionsklasse I bis IV)
•    pneumatische Kompression
•    Stützstrümpfe

Kompressionsverbände drücken die Beinvenen zusammen und unterstützen so die natürliche Rück-stromfunktion. Auch Ödemen kann so vorgebeugt und vorhandene Ödeme können verringert werden.

Zinkleimverbände werden in der Regel zweimal pro Woche gewechselt, bleiben also etwa 80 Stunden ständig am Bein. Die Indikation für diese Methode ist also sicher beschränkt! Überdies haben sie den Nachteil, dass sie recht starr sind und rasch an Druck verlieren, deshalb sind bei der Behandlung von Ödemen doch Kompressionsverbände vorzuziehen!

Erst nach(!) weitgehender Entstauung des Beines kommen in der Regel Kompressionsstrümpfe zur Anwendung, um das entstaute Bein auch weiterhin schlank zu halten. Bei einer frischen, ausgedehnten Venenthrombose findet nach anfänglicher Entstauung oft ein oberschenkellanger Strumpf Anwendung. Nach etwa zwei Monaten und vor allem bei einem chronischen Stauungssyndrom reicht aber in der Regel ein Unterschenkelkompressionsstrumpf der Klasse II. Je nach Befund kann dann durchaus auch einmal die leichtere Kompressionsklasse I ausreichend sein. Die Klasse III ist nur selten nötig, und die Kompressionsklasse IV kommt nur bei extremen Ödemformen - meist bei massiven Lymphödemen - zur Anwendung. Bei den Kompressionsstrümpfen reichen meist sogenannte Rundstrickstrümpfe, je nach Indikation und anatomischer Gegebenheit kann aber auch ein Flachstrickstrumpf angezeigt sein.

Bei deutlicheren Ödemen sollte aber zunächst immer durch Kompressionsverbände und weitere ent-stauende Maßnahmen eine möglichst weitgehende Rückbildung der Schwellung herbeigeführt werden, denn Kompressionsstrümpfe haben ja nur eine individuelle feste Größe und können demnach ein Bein nicht völlig entstauen, sondern sie können „nur“ ein entstautes Bein auf Dauer schlank halten. Kompressionsstrümpfe sollten nicht bei Patienten mit nässenden Hauterkrankungen, mit rheumatoider Arthritis oder bei ausgeprägter arterieller Verschlusskrankheit der Beine eingesetzt werden.

Am Beginn einer entstauenden Therapie kann auch eine pneumatische Kompression recht hilfreich sein, wobei das betreffende Bein durch eine aufblasbare Manschette quasi massiert wird. Vorsicht ist nur bei schweren Herzerkrankungen geboten.

Von Kompressionsstrümpfen sind die sogenannten Stützstrümpfe zu unterscheiden, die einen schwächeren Andruck haben und deshalb angenehmer zu tragen sind, die aber nur eine geringere Kompressionswirkung besitzen, und die natürlich nie individuell gefertigt sind. Gleichwohl haben sie durchaus ihren Platz in der Behandlung von leichteren (zum Beispiel perimenstruell bedingten) Schweregefühlen in den Beinen.

Medikamentöse Maßnahmen

Es gibt eine ganze Reihe von Medikamenten, viele auch freiverkäuflich, die Beschwerden bei einem Krampfaderleiden ein wenig lindern können. Tabletten, Tropfen oder Salben, die Varizen heilen oder gar beseitigen können, gibt es aber nicht!

Die Medikamente, die überwiegend aus Pflanzenextrakten bestehen, haben zwei unterschiedliche Wirkungsweisen: Venentonisierende Mittel wirken aktivierend auf die Venenwände und sollen deren Spannkraft steigern. Ödemprotektiva mindern die Durchlässigkeit der Venenwände und sollen Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe vorbeugen bzw. lindern. Als Pflanzenextrakte werden beispielsweise Rosskastanie, rotes Weinlaub oder Rutoside (Pflanzenfarbstoffe) eingesetzt. Die Arzneien sind als Tabletten, Kapseln oder zur äußeren Anwendung in Creme- bzw. Salbenform erhältlich. Solche Medikamente zum Einnehmen wirken aber nur bei längerer, kontinuierlicher Einnahme und in aus-reichender Dosierung - nur eine Kapsel bei warmem Wetter ist also sinnlos.

Salben und Gele aus Heparin oder Hirudin sollen der Blutgerinnung entgegenwirken, ihr Problem ist aber ihre oft mangelhafte Resorption, und überdies ist ihre Wirkung sicherlich nicht ausgeprägt. Bei einer oberflächlichen Venenentzündung (Phlebitis) werden sie gerne genommen, wobei Gele vor allem durch ihre Kühlung als angenehm empfunden werden. Als alleinige Therapie sind sie bei einer eindeutigen Phlebitis aber auf keinen Fall ausreichend!

Bei starken Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe können in Einzelfällen spezielle entwässernde Medikamente (Diuretika) kurzfristig (!) zum Einsatz kommen.

Hinweis: Zu den hier genannten medikamentösen Maßnahmen sei aber gesagt, dass sie bei einer frischen tiefen Venenthrombose absolut wirkungslos und sinnlos sind. Überdies besteht die Gefahr, dass durch einen derartigen Behandlungsversuch in der Akutphase einer Thrombose wertvolle Zeit für eine richtige, intensive, kausale Therapie verloren geht, was durchaus dramatische Folgen haben kann!

Interventionelle und operative Methoden zur Krampfaderbehandlung

•    Verödung (Sklerosierung)
•    Endoluminale Radiofrequenztherapie
•    Endoluminale Lasertherapie
•    Fibrinkleber
•    Transilluminationsunterstützte Venenentfernung
•    Stripping-Operation

Verödung (Sklerosierung)

Bei der Verödung (Sklerosierung) wird ein Mittel in die betroffenen Venen gespritzt, was zu einer Entzündung der Innenwände der Vene führt und so die betroffenen Gefäße verschließt bzw. verklebt. Nach der Verödung sind eine feste Kompression und Bewegung notwendig, um den Bluttransport in den übrigen Venen anzuregen. Die Verödung wird erfolgreich bei Besenreisern und retikulären Varizen angewendet.

Seit über zehn Jahren können die Ergebnisse einer Verödungsbehandlung - vor allem bei größeren Venen - durch die sogenannte Schaumverödung erheblich verbessert werden. Dabei wird das Verödungsmittel vor der Injektion mechanisch aufgeschäumt, wodurch ein längerer Kontakt zur Venenwand und damit eine intensivere Wirkung erreicht wird.

Vor einer Sklerosierung muss aber immer abgeklärt werden, ob das tiefe Venensystem durchgängig und gesund ist.

Endoluminale Radiofrequenztherapie

Hierbei wird die betroffene Stammvene - seltener auch Nebenastvene - am Unterschenkel punktiert, anschließend wird ein dünner Katheter, der an seinem Ende ein Hitzeelement besitzt, eingeführt und bis zur Mündung der oberflächlichen Vene in die tiefe Leitvene vorgeschoben. Der Katheter wird dann langsam wieder zurückgezogen, wobei die Vene von innen durch die Wärmeapplikation verödet wird. Dieser Eingriff erfolgt ausschließlich ambulant, wobei nur eine örtliche Betäubung (Lokalanästhesie) nötig ist. Anschließend erfolgt eine Kompressionsbehandlung des ganzen Beines für etwa zwei Wochen. Eine sofortige Mobilisierung ist notwendig, Bettruhe ist nicht angezeigt.

Endoluminale Lasertherapie

Die Endoluminale Lasertherapie ist weitgehend identisch mit der Radiofrequenztherapie, nur der Hitzegrad am Katheterende ist um ein Vielfaches höher.

Durch die Möglichkeiten der Radiofrequenztherapie und der Laserbehandlung - beides jetzt schon lange erprobte Verfahren - ist die Zahl der durchgeführten Stripping-Operationen (zur operativen Entfernung von Krampfadern – siehe unten) erheblich zurückgegangen!

Fibrinkleber

Hierbei wird die zu behandelnde Vene über einen dünnen Katheter mit einem Fibrinkleber verschlossen. Allergische Reaktionen sind möglich. Laut der Literatur ist eine anschließende Kompressionsbehandlung nicht notwendig. Langfristige Verlaufsbeobachtungen liegen aber noch nicht vor, und zuvor sollte auch die Kostenfrage geklärt sein!

Transilluminationsunterstützte Venenentfernung

Die betroffenen Bereiche werden von der einen Seite mit einer Lichtquelle angeleuchtet, von der anderen Seite wird ein Gerät eingeführt, das die geschädigten Venenabschnitte zerstört und absaugt.

Stripping-Operation

Bei einer Varikose der Stammvenen, großer Seitenastvenen sowie der Perforansvarikose verspricht eine Operation - meistens in Vollnarkose - in der Regel einen guten Erfolg. Dabei wird die erkrankte Vene vollständig oder teilweise entfernt. Vor einem solchen Eingriff muss der Arzt aber ebenfalls unbedingt die Durchgängigkeit des tiefen Venensystems mit Hilfe einer Duplexsonografie überprüfen. Nach der Operation soll der Patient in der Regel für vier bis sechs Wochen Kompressionstrümpfe tragen.

Ein weiteres chirurgisches Verfahren ist die sog. Chiva-Methode, bei der die kranken Venenabschnitte per Ultraschall aufgespürt und über einen Hautschnitt gezielt abgebunden werden. Die Chiva-Methode gilt als schonend, allerdings liegen wohl bislang noch keine umfangreichen Langzeitergebnisse vor.

Autor/Autoren: Wissenschaftliche Beratung & Ausarbeitung: Dr. med. Gerhart Tepohl, München

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern; Hrsg.: Meyer, J. & Pletz, M.W. & Mayet W.-J; Elsevier, 5/2017

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