Zeckenstichfieber: Ursachen, Symptome & Auswirkungen

Rickettsien können sich nur innerhalb von lebenden Zellen vermehren. Nach dem infektiösen Zeckenstich kommt es beim Menschen zu einer lokalen Vermehrung der Bakterien an der Stichstelle. Die Bakterien vermehren sich sodann vor allem in bestimmten zum Immunsystem gehörenden Zellen (Monozyten-Makrophagen-System) und in Wandzellen von Blut- und Lymphgefäßen. Dadurch kommt es zu einer generalisierten Ausbreitung der Infektion im ganzen Körper mit der Folge von Fieber und anderen Symptomen. Bei schweren Verläufen führt die Infektion der Wandzellen der Gefäße  dazu, dass Gefäße durchlässig werden oder der Blutfluss behindert wird. Dies kann zu Blutungen und lebensbedrohlichen Schädigungen von Organen wie dem Gehirn, der Lunge, der Nieren oder des Herzens führen. 

Anzeichen & Symptome

Bereits wenige Tage nach dem infektiösem Zeckenstich entwickelt sich bei den meisten Patienten mit Afrikanischen oder Mediterranen Zeckenstichfieber an der Stichstelle eine blauschwarze Stelle mit Schorf (sog.  Eschar). Beim Afrikanischen Zeckenstichfieber finden sich häufig mehrere Eschars, die oft an den Beinen lokalisiert sind. Zum Teil sind auch die Lymphknoten in dem Bereich geschwollen. Beim Felsengebirgsfleckfieber tritt nur sehr selten ein Eschar auf. Die ersten allgemeinen Krankheitszeichen treten bei allen Zeckenstichfiebern meist ca. 1 Woche nach dem Zeckenstich auf, wobei die Inkubationszeit zwischen 3 und 14 Tagen schwanken kann. Es kommt zu hohem Fieber und meist ausgeprägten Kopfschmerzen. Weitere häufigere Symptome sind Gliederschmerzen, Übelkeit und Erbrechen oder Durchfall. Bauchschmerzen können beim Felsengebirgsfleckfieber so ausgeprägt sein, dass der Arzt eine akute Blinddarmentzündung vermutet. Nach 2-3 Tagen zeigt sich häufig ein fleckiger, nicht juckender Ausschlag am ganzen Körper. Auch Hand- und Fußflächen sind oft betroffen, das Gesicht ist in der Regel ausgespart. Beim Felsengebirgsfleckfieber ist der Ausschlag oft besonders ausgeprägt, beim Afrikanischen Zeckenstichfieber fehlt er bei mehr als der Hälfte der Patienten. Bei unkompliziertem Verlauf klingen die Erkrankungen innerhalb von 1-2 Wochen ab und hinterlassen eine langdauernde (wahrscheinlich lebenslange) Immunität. Chronische Infektionen gibt es bei den Zeckenstichfiebern nicht.

Auswirkungen & Komplikationen

Das Afrikanischen Zeckenstichfieber verläuft in der Regel ohne Komplikationen, nur selten wurden Entzündungen des Herzmuskels oder des Gehirns beobachtet. Auch das Mittelmeer-Zeckenstichfieber verläuft meist gutartig, es kann jedoch in manchen Fällen auch schwere Komplikationen hervorrufen. Besonders bei Älteren, Alkoholabhängigen oder Menschen mit angeborenem Mangel von Glukose 6-Phosphat-Dehydrogenase, einem Enzym der roten Blutkörperchen, nimmt die Erkrankung häufiger einen schweren Verlauf. Mögliche Komplikationen sind eine Entzündung des Gehirns/der Hirnhäute, eine Herzmuskelentzündung, eine Nierenentzündung, eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse sowie Blutungen im Magen-Darm-Trakt oder venöse Gefäßverschlüsse (Thrombosen).

Beim Felsengebirgsfleckfieber können bei fehlender oder nicht rechtzeitiger Therapie sehr schwere Verläufe auftreten, wie eine Beteiligung des zentralen Nervensystems mit Apathie, Verwirrtheit, Seh- und Hörstörungen sowie Bewusstseinsstörungen bis zum Koma. Weitere mögliche Komplikationen sind Entzündungen des Herzens, der Leber und der Nieren. In einigen Fällen kommt es zu Gerinnungsstörungen, die sich mit Blutungen oder Gefäßverschlüssen an den Extremitäten (bes. Finger und Zehen) manifestieren und dort zu Gewebsuntergängen führen können, die eine Amputation erfordern. Todesfälle beruhen meist auf einem Versagen des Herzkreislaufsystems und verschiedener Organe wie Lunge, Nieren oder Gehirn. Bei fehlender Behandlung wurde über Todesraten von mehr als 20% berichtet.

Autor/Autoren: Wissensch. Beratung & Ausarbeitung: Dr. Mirjam Schunk, Prof. Dr. Thomas Löscher

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern; Hrsg.: J. Meyer et al. ; Elsevier, 11/2018

Letzte Aktualisierung: 29.01.2019