Rheumatoide Arthritis: Prognose & Verlauf

Unbehandelt verläuft die rheumatoide Arthritis sehr unterschiedlich. Sie kann gleichmäßig verlaufen und innerhalb von Wochen oder Monaten fast alle Gelenke befallen oder jahrelang auf wenige Gelenke beschränkt bleiben und plötzlich schubweise wieder aktiv werden. Bei 10-30% der Patienten verläuft die Erkrankung mild und stabil, bei 70% dagegen verschlimmert sie sich im Laufe der Jahre immer mehr, wenn sie nicht optimal mit Basismedikamenten behandelt werden.

Wird die rheumatoide Arthritis nicht behandelt, zerstört sie die betroffenen Gelenke so weit, dass sie immer weniger beweglich werden und zuletzt völlig versteifen. Die Patienten leiden unter starken Schmerzen, werden häufig arbeitsunfähig und verlieren viel an Lebensqualität. Patienten mit rheumatoider Arthritis, die nicht nach heutigen Erkenntnissen und Möglichkeiten optimal behandelt werden, weisen eine gegenüber der Normalbevölkerung mehr als doppelt so hohe Sterblichkeit auf, ihre durchschnittliche Lebenserwartung ist um 3-13 Jahre geringer. Grund dafür ist, dass neben den Gelenken oft auch andere Organe, wie insbesondere das Herz und die Lunge, betroffen sind. Besonders die Schädigung des Herzens und der Blutgefäße ist die Haupttodesursache bei rheumatoider Arthritis.

Mehrere Untersuchungen zeigen jedoch, dass eine moderne Rheumatherapie mit Methotrexat und mit Biologika die erhöhte Sterblichkeit deutlich vermindert und an die normale Sterblichkeit der Bevölkerung angleicht. Da die Zerstörung der Gelenke zu Beginn der Erkrankung am stärksten fortschreitet, kann in dieser Phase eine Behandlung mit krankheitsmodifizierenden Medikamenten den weiteren Verlauf am wirkungsvollsten beeinflussen. Generell gilt: Je früher die rheumatoide Arthritis erkannt und behandelt wird, desto mehr lassen sich dauerhafte Schäden vermeiden. So halbiert sich das Risiko für bleibende Gelenkschäden, wenn eine rheumatoide Arthritis innerhalb von sechs Monaten nach ihrem Ausbruch behandelt wird. Die Chance, die Erkrankung aufzuhalten und beschwerdefrei zu werden, erhöht sich für die Patienten um das Dreifache.

Obwohl sich die Versorgung von Patienten mit rheumatoider Arthritis in den letzten Jahren deutlich verbessert hat, werden viele Patienten immer noch nicht rechtzeitig angemessen behandelt. Die Gründe hierfür sind, dass die Patienten nicht sofort zum Arzt gehen, wenn sie die ersten Krankheitszeichen bemerken, oder die Krankheit nicht erkannt wird und sie erst spät vom Hausarzt zu einem Spezialisten überwiesen werden. Außerdem gibt es in Deutschland nicht genügend Rheumatologen, so dass die Wartezeiten für einen Behandlungstermin in den ambulanten rheumatologischen Einrichtungen nicht selten zu lang sind. Ein besserer Zugang zum Rheumatologen, eine qualitativ hochwertige Versorgung, ist regional bereits über Selektivverträge mit einzelnen Krankenkassen gegeben. Künftig lässt die neue Versorgungsebene „ambulante spezialfachärztliche Versorgung“, die absehbar spätestens im Jahre 2018 erstmals bundesweit und flächendeckend möglich sein wird, durch den Wegfall von Fallzahlbegrenzungen, der erleichterten Anstellung von Assistenten in den Ambulanzen und auch Praxen, eine Verbesserung der Versorgung mit geringeren Wartezeiten erwarten.

Grundsätzlich ergibt sich jedoch eine sehr positive Prognose für eine Erkrankung an Rheumatoider Arthritis, da sie mit einer frühzeitigen Basistherapie und den neuen Behandlungsmöglichkeiten (Biologika, gezielte synthetische Basistherapien) zusehends erfolgreicher behandelt werden kann, und ein Krankheitsstillstand ein erreichbares Ziel ist.

Experte: Wissenschaftliche Beratung und Ausarbeitung: Dr. Edmund Edelmann, Bad Aibling

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern; Meyer, J. et al. (Hrsg.); Elsevier 5/2017
S3 Leitlinie „ Management der rheumatoiden Arthritis“ http://dgrh.de/fileadmin/media/Praxis___Klinik/Leitlinien/2011/gesamt_ll_ra_2011.pdf
Patienteninformationen zu Basistherapien: http://dgrh.de/therapieueberwachen.html
Patientenbroschüre Rheumatoide Arthritis der Deutschen Rheumaliga e.V.

Letzte Aktualisierung: 18.08.2017

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