Schilddrüsenüberfunktion: Auswirkungen & Prognose

Auswirkungen & Komplikationen

Da bei einer Schilddrüsenüberfunktion die Hormone zu Giftstoffen für den Körper werden, spricht man bei sehr akuten und schweren Erkrankungssituationen einschließlich Veränderungen auch der Hirnfunktionen von einer Thyreotoxikose oder selten - bei stärkster Ausbildung der Symptome - von thyreotoxischer Krise.

Unbehandelt verläuft diese Krise in drei Stadien mit unterschiedlichen Symptomen: Stadium 1 führt zu hohem Fieber, Herzrasen, Erbrechen und Durchfall, Muskelschwäche, Schweißausbrüchen, Austrocknung des Körpers und Unruhe bis zum Delirium. Stadium 2 geht mit Bewusstseinsstörungen und Benommenheit einher. Im Stadium 3 treten Koma und Kreislaufversagen auf sowie manchmal eine relative Funktionsschwäche der Nebennieren mit Mangel des lebenswichtigen Hormons Cortisol. Dieses Stadium kann tödlich enden.

Verursacht wird eine solche, heutzutage extrem selten auftretende Krisensituation durch eine unzureichende Therapie, übermäßige Jodzufuhr, z. B. durch jodhaltige Röntgenkontrastmittel. Ebenso sind Infektionskrankheiten, Operationen, schlecht eingestellter Diabetes und das Absetzen von sog. Thyreostatika (= Medikamente, welche die Bildung von Schilddrüsenhormon hemmen) als Auslöser möglich.

Eine nicht behandelte Schilddrüsenüberfunktion kann zu verschiedenen Folgeerkrankungen führen:

  • Stoffwechselstörungen mit erhöhtem Energiebedarf. Zuckerkranke beispielsweise benötigen dadurch mehr Insulin.
  • Herzschwäche oder Herzmuskelschäden durch die ständige Überforderung des Organs
  • Osteoporose

Prognose & Verlauf

Behandlungsfolgen

Operationen an der Schilddrüse rangieren nach Eingriffen am Blinddarm und Leistenbruch auf Platz 3 der häufigsten Operationen. Trotzdem ist wie bei jeder Operation auch der Eingriff an der Schilddrüse mit Risiken verbunden: Die Stimmbandnerven können beeinträchtigt werden. In der Folge kann sich - meist vorübergehend - die Stimme verändern. Deshalb überprüft ein Hals-Nasen-Ohrenarzt i.d.R. vor und nach der Operation die Stimmbänder.

Wurden bei der Operation die Nebenschilddrüsen verletzt, kann sich das negativ auf den Kalziumstoffwechsel auswirken. Die Betroffenen müssen dann für einige Wochen, z.T. aber auch lebenslang, Kalziumtabletten und in der Regel auch Vitamin D einnehmen.

Bei älteren Patienten mit einer durch Autonomie verursachten Überfunktion, die nicht einer Operation bzw. einer Radio-Jod-Therapie zugeführt werden können, kann im Einzelfall eine lebenslange Therapie mit Thyreostatika erforderlich sein.

Auch Radio-Jod-Therapien und Operationen an der Schilddrüse haben häufig eine lebenslange Medikamenteneinnahme von Schilddrüsen-Hormonen zur Folge, da die körpereigene Hormonherstellung nach dem Eingriff nicht mehr ausreicht.

Selbst wenn eine Therapie erfolgreich war, sind lebenslange regelmäßige Kontrolluntersuchungen der Schilddrüse und der Blutwerte (TSH, fT3 und fT4) notwendig. Darüber hinaus ist es wichtig, dass Betroffene nach einer immunbedingten Hyperthyreose regelmäßig auf ihre Augen achten, um eine später auftretende endokrine Orbitopathie rechtzeitig zu erkennen.

Weiterer Verlauf

Dank moderner Therapiemöglichkeiten kann man mit einer erkannten und behandelten Schilddrüsenüberfunktion in den meisten Fällen ein normales Leben führen. Im Falle einer sehr selten auftretenden thyreotoxischen Krise liegt die Sterblichkeit jedoch immer noch bei 20-30%.

Experte: Wiss. Beratung & Ausarbeitung: Prof. Dr. med. Otto-Albrecht Müller, München

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern; Meyer, J. et al. (Hrsg.); Elsevier 11/2016

Thyreotoxische Krise: Medizinische Klinik Intensivmedizin Notfallmedizin 2012, Band 107, Seite:448–453

Letzte Aktualisierung: 18.08.2017

© Internisten-im-Netz

Impressum

Datenschutz

Bildquellen

Kontakt

Herausgeber

Berufsverband Deutscher Internisten e.V.