08.07.2009
Erfolglose Diäten – sind die Gene schuld?
Unterschiedliche Erbanlagen könnten dafür verantwortlich sein, warum manchen Menschen das Abnehmen leichter fällt...
Viele Übergewichtige machen schlechte Erfahrungen mit Diäten. Ob sie nun auf Fette oder Kohlehydrate verzichten, einer Modediät folgen oder sich an die Empfehlungen zur mediterranen Kost halten, die Erfolgserlebnisse beim morgendlichen Wiegen wollen sich einfach nicht einstellen, während andere scheinbar problemlos abnehmen. Könnte dies an Genen für Übergewicht liegen, über die zurzeit regelmäßig in den Medien berichtet wird? Durchaus, meinen Experten in der Fachzeitschrift Deutsche Medizinische Wochenschrift" (DMW 2009, Band 134: Seite 22), aber an der Notwendigkeit bei den Kalorien zu sparen ändere dies nichts.
Dass Diäten unterschiedlich erfolgreich sind, ist eine altbekannte Erfahrung, schreiben die Ernährungswissenschaftlerin Christina Holzapfel und Prof. Hans Hauner von der Technischen Universität München. Auch in klinischen Studien verlieren unter der gleichen Diät einige Übergewichtige 20 Kilogramm oder mehr, während andere nicht einmal ihr Ausgangsgewicht halten können. Gene sind den Forschern zufolge eine mögliche Erklärung hierfür. Aber auch Motivation und psychische Faktoren oder der Einfluss von Familie und Freunden würden natürlich eine Rolle spielen.
Die Gene greifen nach Auskunft der Autoren auf verschiedenen Ebenen in die Gewichtsregulierung ein. Sie steuern Hungergefühl und Sättigung oder die Vorlieben für bestimmte Nahrungsmittel und steigern so unter Umständen die Energiezufuhr. Auch die Verwertung der Nahrung im Körper unterliege genetischen Einflüssen. Holzapfel: „Einige Menschen haben genetisch bedingt in Ruhe einen höheren Energieverbrauch, andere bilden mehr Wärme." Auch die Bereitschaft zu körperlicher Aktivität sei teilweise genetisch bedingt.
Aufgefallen ist der Unterschied laut Holzapfel und Hauner zunächst in Zwillingsstudien: Eineiige Geschwister nehmen häufig gleich stark ab, während die Unterschiede zu nicht verwandten Studienteilnehmern oft beträchtlich waren. Welche Gene dafür verantwortlich sind, werde aber erst ansatzweise verstanden. Das bekannteste Adipositas-Gen, FTO, hatte in einer Studie der TU München keinen Einfluss auf den Diäterfolg von "Obeldicks", einem Abnehmprogramm für dicke Kindern. Auch unter den anderen in den letzten Monaten entdeckten Genvarianten gibt es keine, die - etwa in Form eines Gentests - den Diäterfolg vorhersehbar machen würden. Eine Ausnahme besteht bei Patienten, die die Gewichtsabnahme durch die Einnahme von Abmagerungsmitteln mit dem Wirkstoff: Sibutramin beschleunigen wollen. Die Wirkung könnte hier zum Teil vom Genotyp abhängen, berichten die Ernährungsmediziner unter Bezug auf aktuelle Studien.
Holzapfel und Hauner warnen jedoch vor Missverständnissen. Die in den letzten Jahren zu beobachtende Zunahme der Übergewichtigen und Fettleibigen in Deutschland und anderen Ländern sei keine Folge der Gene, sondern eines "adipogenen Lebensstils" mit übermäßiger Energiezufuhr und körperlicher Inaktivität. Hier müssen die Diäten ansetzen, wenn sie erfolgreich sein sollen. Entscheidend sei dabei nicht die Wahl der Diät, sondern die Bereitschaft sie durchzuhalten und die Energiezufuhr zu senken. Wenn man so will, ist es auch ein Kampf gegen die Gene. Denn der menschliche Organismus ist durch die Evolution darauf getrimmt, zu "essen, wenn Nahrung verfügbar ist" und sparsam mit Energie umzugehen.
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