01.12.2021

Erkrankung an Haut und Schleimhäuten kann HIV-Infektion anzeigen

Anlässlich des Welt-Aids-Tags am 1. Dezember weisen Experten der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDD) auf die Bedeutung von Hautveränderungen als Indikatoren für HIV hin.

HIV-infizierte Menschen leiden im Vergleich zur Normalbevölkerung häufiger unter Hauterkrankungen (Dermatosen). Im Verlauf einer unbehandelten HIV-Infektion treten häufig typische Markererkrankungen an Haut und Schleimhäuten auf. Bei solchen Anzeichen, ist sofort ein HIV-Test durchzuführen. Dann kann eine lebenslange effektive antiretrovirale Behandlung früh beginnen. Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDD) weist anlässlich des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember unter dem diesjährigen Motto „Ungleichheiten beenden. Aids beenden. Pandemien beenden“ auf die Bedeutung von Hautveränderungen als Indikatoren für HIV hin  - wie Exantheme mit begleitenden Lymphknotenvergrößerungen, orale und vulvovaginale Candidosen, Gürtelrose bis hin zu Kaposi-Sarkomen - und empfiehlt dann HIV-Tests.

In Deutschland infizieren sich jährlich etwa 2.600 Menschen mit HIV. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) leben hierzulande rund 88.000 Menschen mit einer HIV-Infektion. Die Infektion wird durch das Humane Immundefizienz-Virus (HIV) verursacht und geht mit dem Verlust der CD4+ T-Helfer-Zellen einher. Ohne Therapie nimmt die Immundefizienz zu, und in einem Zeitraum von bis zu zehn Jahren entwickeln sich Tumoren und weitere Infektionen, die aufgrund der gestörten Immunabwehr auftreten und oft schwer verlaufen.

Eine moderne medikamentöse Behandlung mit einer antiretroviralen Kombinationstherapie (ART) hat geholfen, die Sterblichkeit und die Häufigkeit der Erkrankung insgesamt zu senken. Gleichzeitig konnte die Lebenserwartung von Menschen, die mit einer HIV-Infektionen leben (people living with HIV = PLWH) verbessert werden. Die Zahl der Neuinfektionen ist seit einigen Jahren leicht rückgängig.

Für Professor Dr. med. Peter Elsner, Medienbeauftragter der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG), wird diese positive Entwicklung dadurch getrübt, dass zugleich der Anteil derjenigen, deren Erstdiagnose erst in fortgeschrittenen Stadien der Infektion erfolgt, mit 32 Prozent konstant hoch ist. „Wie bei vielen anderen dermatologischen Erkrankungen ist eine frühe Diagnose für den Therapieerfolg immens wichtig“, erklärt Elsner. Zum anderen gelten effektiv behandelte HIV-Infizierte (HIV+) als nicht mehr ansteckend. Das verhindert die Weitergabe des Virus und stabilisiert zudem die Situation der PLWH, die nach wie vor mit Vorurteilen konfrontiert sind und ausgegrenzt werden.

„Viele AIDS-definierende Erkrankungen zeigen sich an Haut und Schleimhäuten. Umso wichtiger ist es, dass Dermatologinnen und Dermatologen beim Untersuchen erkrankter Haut die Möglichkeit einer HIV-Infektion als ursächlich in Betracht ziehen“, betont Elsner. Eine akute HIV-Infektion geht häufig mit einem Hautausschlag (auch Exanthem genannt) mit begleitenden Lymphknotenvergrößerungen einher. Pilzinfektionen im Mund und im weiblichen Genitalbereich können im weiteren Verlauf dazukommen, ebenso Gürtelrose (Herpes zoster) und Krebsfrühstadien von Gebärmutterhalskrebs. Auch bei anderen Geschlechtskrankheiten wie der Syphilis, die mit Hauterscheinungen einhergeht, sollte eine Ko-Infektion mit dem HI-Virus ausgeschlossen werden.

Bei unbehandelten PLWH ist das Kaposi-Sarkom die häufigste AIDS-definierende Neoplasie. Ein Kaposi-Sarkom ist ein Hautkrebs, der durch das Humane Herpesvirus 8 mit verursacht wird. Flache, rote bis purpurne Flecken oder Knoten treten auf der Haut auf. Auch ein schweres seborrhoisches Ekzem kann ein Hinweis sein. Erkennbar ist es durch gelbliche, fettige Schuppen auf der Kopfhaut, aber auch im Gesicht.

Bislang werden etwa zehn Prozent der HIV-Erstdiagnosen aufgrund der Veränderungen an Haut oder Schleimhäuten gestellt. Für Professor Elsner ist dieser Anteil durchaus steigerbar. „Als Hautexperten sind wir besonders befähigt, auf HIV-Infektionen deutende Hautveränderungen zu diagnostizieren. Menschen, die aufgrund ihres Sexualverhaltens eine Ansteckung nicht grundsätzlich ausschließen können, sollten bei irritierenden Hauterscheinungen unbedingt dermatologischen Rat suchen“, fasst Elsner zusammen. „Gleichzeitig können wir auf möglicherweise begleitende Infektionen screenen und sie rechtzeitig behandeln.“

Quelle: Deutsche Dermatologische Gesellschaft e.V. (DDG)
 

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