10.12.2015
Gelenkzerstörung durch Magnetresonanztomographie früher erkennen
Die hohe Genauigkeit der Magnetresonanztomographie (MRT) ist gegenüber Röntgen ein Vorteil, der vermehrt zur Früherkennung von Rheuma genutzt werden kann.
Rheumatoide Arthritis (RA) ist die häufigste entzündliche Erkrankung der Gelenke. Sie kann zu schweren Behinderungen führen und ist nicht heilbar. Je eher sie aber erkannt wird, desto besser lässt sich die Zerstörung der Gelenke verhindern. Als geeignetes Mittel zu ihrer Früherkennung gilt inzwischen die Magnetresonanztomographie (MRT).
Nach Angaben von Prof. Dr. med. Benedikt Ostendorf, Leiter der Arbeitsgruppe Bildgebung in der Rheumatologie an der Universitätsklinik Düsseldorf, wurde die Rheumatoide Arthritis in der Vergangenheit auch anhand von Röntgenaufnahmen diagnostiziert. Diese zeigten dann den schon entstandenen Strukturschaden. Neuere bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie können Strukturschäden und entzündliche Veränderungen aber um einiges früher erfassen - zu einem Zeitpunkt, wenn das konventionelle Röntgenbild noch unauffällig ist. Diese hohe Sensitivität dient der frühen strukturellen Diagnosesicherung und im Krankheitsverlauf der genauen Therapieüberwachung, außerdem kommt die MRT ohne Röntgenstrahlen aus. „Dabei macht die Strahlenbelastung bei Röntgenaufnahmen von Händen und Füssen weniger aus als ein Flug nach New York!", merkt Dr. Florian Schuch, Vorstandsmitglied des Berufsverbands Deutscher Rheumatologen (BDRh) und praktizierender Rheumatologe in Erlangen, an. „Der grundlegende Vorteil der MRT ist aber sicherlich die frühzeitigere Erkennung von kleinen Veränderungen, die im Röntgen noch nicht gesehen werden können, wobei die Röntgendiagnostik zur Verlaufskontrolle weiterhin ein wichtiger Baustein bleibt", betont Dr. Florian Schuch.
Prof. Ostendorf zufolge gelingt mit der MRT - sei es durch die Hochfeld- oder Niederfeld-Technologie - eine detaillierte beziehungsweise hochauflösende Darstellung von knöchernen und weichteiligen Gelenkstrukturen. Mittels dieser Schnittbildtechnik können Knochenschäden (Erosionen) bei RA im Mittel bereits drei bis vier Monate nach Krankheitsbeginn erfasst werden. Durch die Anwendung bestimmter Wichtungen und die Gabe von Kontrastmittel (KM) ist eine Aktivitätsbeurteilung der Entzündung der Gelenkschleimhaut möglich. Durch andere spezielle MRT-Signale können auch subklinische Formen der Gelenkschleimhautentzündung oder das Knochenmarködem erfasst werden. Letzteres ist hochprädiktiv für die Entstehung weiterer Knochenzerstörung.
Technische Weiterentwicklungen der MRT (zum Beispiel Niederfeld-MRT) haben inzwischen zu einer breiteren Anwendung der MRT und neuen Indikationen in Klinik und Praxis geführt. Die Niederfeld-MRT zeichnet sich durch eine niedrigere Feldstärke aus und die Tomografen sind halb- beziehungsweise offen. Die Geräte sind deutlich kleiner und lassen sich somit leichter in Klinik und Praxis integrieren. Durch das offene Design können auch klaustrophobische Personen problemlos untersucht werden. Dank kürzerer Untersuchungszeiten gelingt es heutzutage auf der anderen Seite, auch immer größere Areale bis hin zum ganzen Körper in einer Sitzung zu untersuchen (Ganzkörper-MRT). Die Vorteile der Ganzkörper-MRT gegenüber der Computertomografie liegen im höheren Weichteilkontrast, der höheren Sensitivität und nicht zuletzt in der Strahlungsfreiheit.
„Zwar ist der Zugang zur Magnetresonanztherapie noch begrenzt, dennoch haben technische Weiterentwicklungen bereits zu einer so breiten Anwendung von ihr geführt, dass standardisierte Untersuchungsprotokolle für rheumatologische Fragestellungen existieren", erklärt Prof. Ostendorf. „Insgesamt überwiegen die enormen Vorteile wie hohe Genauigkeit und Strahlungsfreiheit, sodass Rheumatologen gefordert sind, die Vorteile der MRT für die Früherkennung von rheumatischen Erkrankungen und zur Kontrolle der Therapie zu nutzen, damit die Patienten langfristig eine gute Prognose für ihre Beweglichkeit und Lebensqualität haben."
Weltweit, auch in Deutschland, leidet rund ein Prozent der Bevölkerung an der so genannten Rheumatoiden Arthritis. Frauen sind etwa doppelt so viele betroffen wie Männer, das Erkrankungsrisiko steigt mit zunehmendem Alter. Rheumatoide Arthritis äußert sich anfangs häufig unspezifisch, etwa durch Müdigkeit, Appetitlosigkeit oder eine Erhöhung der Körpertemperatur. Typische Symptome sind Gelenkbeschwerden, wie Schwellungen, Steifigkeit und Schmerzen, vor allem an den Fingern und Zehen. Mit zunehmendem Verlauf zerstört die Krankheit die Gelenke und schränkt dadurch die Beweglichkeit ein. Ihre Ursachen sind noch ungeklärt. Es wird aber vermutet, dass es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt, bei der Körperzellen vom eigenen Immunsystem angegriffen werden. Zu ihrer Behandlung wird in der Regel ein Mix verschiedener Behandlungsmethoden, wie Medikamente, Physiotherapie, Ergotherapie, Kälte- oder Wärmetherapie, eingesetzt.
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM)
