05.07.2021
Hepatische Enzephalopathie – Gift fürs Gehirn
Fragen zum Thema "Hepatische Enzephalopathie" beantworten Experten am Gesundheitstelefon, das die Gastro-Liga e. V. am Mittwoch, dem 7. Juli 2021, von 18 bis 20 Uhr anbietet.
Die hepatische Enzephalopathie entsteht meist als Folge einer langjährigen Lebererkrankung und einer zunehmend eingeschränkten Leberfunktion. Die kranke Leber ist nicht mehr in der Lage, den Körper ausreichend zu entgiften. Schädliche Stoffe wie Ammoniak gelangen über das Blut vermehrt ins Gehirn und beeinträchtigen die Hirnfunktion. Es kommt zu Störungen der Feinmotorik, zu Konzentrationsschwäche und Persönlichkeitsveränderungen sowie im schlimmsten Fall zu einem lebensbedrohlichen Komazustand.
Warum eine kranke Leber dem Gehirn schadet
Die Leber ist mit einem Gewicht von etwa 1,5 kg das größte Stoffwechselorgan des Körpers und sie hat viele Funktionen. Eine zentrale Rolle spielt sie beim Abbau und bei der Ausscheidung von Stoffwechselprodukten, Medikamenten und Giftstoffen. Eine kranke Leber kann diese wichtige Aufgabe nicht mehr oder nur noch teilweise erfüllen. Dadurch gelangen zu viele Giftstoffe wie Ammoniak ins Gehirn. Diese stören dort das komplexe Zusammenspiel der Nervenzellen und es entsteht eine hepatische Enzephalopathie. Der Name bedeutet übersetzt „eine durch die Leber bedingte Krankheit des Gehirns“. Die hepatische Enzephalopathie ist häufig eine Spätfolge einer chronischen Lebererkrankung, sie kann jedoch auch bei akutem Leberversagen auftreten.
Ursachen und Häufigkeit der hepatischen Enzephalopathie
Eine der häufigsten Ursachen für die hepatische Enzephalopathie ist eine Leberzirrhose. In Deutschland leidet Schätzungen zufolge etwa eine Million Menschen an dieser Erkrankung, die insbesondere durch einen zu hohen Alkoholkonsum, eine Virushepatitis (chronische Hepatitis-B- und -C-Infektion) oder eine Fettleber ausgelöst wird. Eine hepatische Enzephalopathie findet sich bei 30 bis 45 Prozent dieser Patienten. Noch häufiger ist die sogenannte minimale hepatische Enzephalopathie, die bei bis zu 70 Prozent aller chronisch Leberkranken auftritt. Dabei handelt es sich um eine Unterform der hepatischen Enzephalopathie mit kaum merklichen Krankheitszeichen.
Symptome sind oft unspezifisch
Die Krankheitszeichen der hepatischen Enzephalopathie sind, wie Prof. Ansgar Lohse, Internist und Gastroenterologe am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) ausführt, vielfältig und nicht immer leicht zu erkennen. „Die Betroffenen leiden beispielsweise unter Schlaf- und Muskelstörungen, verändertem Verhalten oder Beeinträchtigungen der Konzentrations- und Merkfähigkeit. In schweren Fällen kann es bis zur Bewusstlosigkeit des Patienten kommen“, erklärt er. Er weist allerdings darauf hin, dass die hepatische Enzephalopathie mithilfe spezieller Tests schon in einem recht frühen Stadium diagnostizierbar sei. Hierbei prüfe man unter anderem die optische Orientierung, die Konzentrationsfähigkeit, die Aufmerksamkeit und die Reaktionsfähigkeit des Patienten.
Therapie der hepatischen Enzephalopathie
In vielen Fällen kann eine geeignete und konsequente Therapie zu einem vollständigen Rückgang der Beschwerden führen. „Maßgeblich für eine erfolgreiche Therapie der hepatischen Enzephalopathie ist eine effektive Behandlung der Grunderkrankung“, betont Prof. Lohse. Daneben spielt auch die Ernährung eine entscheidende Rolle. So sollten Betroffene vollständig auf Alkohol verzichten und auf eine ausgewogene Ernährung mit wenig Salz und viel frischem Obst und Gemüse achten. Außerdem kann die Behandlung mit bestimmten Zuckern (Laktulose) die Darmflora verändern und die Aufnahme von Ammoniak in die Blutbahn vermindern. In zweiter Linie kann auch die Gabe von L-Ornithin-L-Aspartat oder verzweigtkettigen Aminosäuren, die den Abbau von Ammoniak zu Harnstoff fördern und so die Leber aktiv unterstützen, erwogen werden.
Haben Sie Fragen zum Thema „Hepatische Enzephalopathie“? Dann rufen Sie an. Die Fachärzte der Gastro-Liga e. V. geben Ihnen gerne Auskunft. Am Mittwoch, dem 7. Juli 2021, ist das Gesundheitstelefon von 18 bis 20 Uhr unter der Telefonnummer 0641 97481-20 zu erreichen.
Quelle: Gastro-Liga e. V.

