09.06.2008

Herztod auf dem Spielfeld

Genfehler kann Herzattacke bei Fußballern auslösen...

Es war ein Schock für die Fußballwelt, als der Kameruner Marc-Vivien Foé 2003 beim Konföderationenpokal in Frankreich zusammenbrach und an Herzversagen starb. Foé war erst 28 Jahre alt. Er ist nur einer von mindestens 12 Profi-Fußballern weltweit, die in den vergangenen 5 Jahren durch rätselhafte Herzattacken auf dem Spielfeld ums Leben kamen. Ärzte der Berliner Charité und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin haben nun eine Gen-Mutation entdeckt, die auch bei Leistungssportlern den plötzlichen Herztod auslösen kann. Das neu entdeckte Gen führt zu einer Verdickung der Herzwände und ist eines von 10 anderen, bereits bekannten DNA-Abschnitten, die einen solchen Effekt haben können.

Erkrankte haben oft keinerlei Beschwerden wie Herzstechen oder Atemnot. Auch Sportler merken häufig nichts von ihrer Erkrankung. Die Forscher nehmen an, dass ein Drittel bis die Hälfte aller Fälle von plötzlichem Herztod bei Sportlern - von Fußballprofis bis zu Marathonläufern - auf eine erbliche Herzmuskelverdickung zurückzuführen ist. Sie raten deshalb vor Wettkämpfen zu genauen Herzuntersuchungen bei Sportlern - auch vor der Fußball-Europameisterschaft.

Doch auch bei Familien, in denen Fälle von plötzlichem Herztod vorkamen, empfehlen die Wissenschaftler allen Angehörigen ersten Grades zu Untersuchungen in spezialisierten Herzzentren. Denn der entdeckte Gen-Fehler wird in rund der Hälfte Fälle an die nächste Generation weiter gegeben. Helfen kann den Erkrankten ein eingepflanzter Defibrillator. Doch längst nicht alle Betroffenen haben auch ein besonders hohes Risiko für einen plötzlichen Herztod, einige merken nie etwas davon. Dennoch sollten Betroffene keinen Wettkampfsport betreiben.

Vedickte Herzwand kann Herzschlag durcheinander bringen

Verdickte Herzwände können Kardiologen zum Beispiel bei einer Ultraschall-Untersuchung des Herzens feststellen. Die Forscher vermuten, dass in Deutschland jeder 500. Einwohner eine Gen-Mutation in sich hat, die zu verdickten Herzwänden führen kann. Das Krankheitsbild ist schon längere Zeit unter dem Namen hypertrophe Kardiomyopathie bekannt. Die Betroffenen sind bei körperlichen Höchstleistungen deshalb gefährdet, weil die vermehrt im Blut zirkulierenden Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin die Auslösung einer bösartigen Herzrhythmusstörung ((Kammerflimmern) begünstigen können. Diese kann auf dem Fußballfeld nur durch die Stromstöße eines Defibrillators behandelt werden.