26.04.2016
Neuer Ansatz für die Behandlung von Lupus entdeckt
Eine Blockade des Botenstoffes Interleukin-6 kann bei Mäusen mit Lupus-ähnlicher Erkrankung einen deutlichen Heilungseffekt bewirken. Das haben Forscher der Uni Wien im Tiermodell nachgewiesen.
Einen neuen Ansatzpunkt für eine mögliche Therapie des Systemischen Lupus Erythematodes (SLE) haben Forscher der Medizinischen Universität Wien im Tiermodell entdeckt. Indem man den Botenstoff Interleukin-6 (Il-6) am Andocken an seine Zellbindungsstelle (Rezeptor) hindert und dadurch blockiert, lässt sich die Entstehung von Entzündungen unterbinden. Forscher um Peter Birner (Medizinische Universität Wien) und Lukas Kenner (Veterinärmedizinische Universität Wien und Ludwig Boltzmann Institut für Krebsforschung) haben gemeinsam mit Kollegen aus Graz, Deutschland und Japan jetzt experimentell nachgewiesen (siehe Experimental Dermatology 2016, Band 25/4, Seite: 305-310), dass die Blockade von IL-6 bei SLE im Tiermodell einen deutlichen Heilungseffekt haben kann.
SLE ist eine häufige Autoimmunerkrankung, bei der sich Auto-Antikörper gegen körpereigene Zellbestandteile richten, so dass eine Vielzahl von Organen in Mitleidenschaft gezogen werden kann, wobei Haut und Nieren am häufigsten betroffen sind. Die bisherigen Therapien von SLE bestanden meist in der Unterdrückung der Immunabwehr (Immunsuppression).
Bereits in einer früheren Publikation konnte die Arbeitsgruppe um Lukas Kenner zeigen (siehe PNAS 2009, Band 106/48, Seite 20423-20428), dass bei Autoimmunerkrankungen wie SLE die Bildung von Interleukin 6 (IL-6) aus Hautzellen (Keratinozyten der Haut) eine Schlüsselrolle bei der Entstehung und dem Fortschreiten der Erkrankung spielt. Dafür wurde ein so genanntes transgenes Mausmodell verwendet - d.h. Mäuse mit einem veränderten Gen. In diesem Fall wurde ein Gen, das normalerweise in der Oberhaut aktiv ist und die Bildung von IL-6 hemmt, ausgeschaltet. In der Folge kam es zu einer Anhäufung von IL-6 im gesamten Organismus, ein SLE-ähnliches Krankheitsbild trat bei den transgenen Versuchsmäusen auf.
Zweck der jetzt publizierten Nachfolgearbeit war es, die Bindung von IL-6 an seinen Rezeptor (IL-6R alpha) mittels neuer Wirkstoffe zu blockieren. Während für rheumatoide Arthritis bereits Daten für den positiven Effekt einer IL-6-Blockade vorliegen, gab es bei SLE bisher noch keine Untersuchungen dazu. Zumindest im Tiermodell ist das nun gelungen: Nach der IL-6-Blockade wiesen die Versuchstiere einen deutlichen Rückgang bzw. eine komplette Rückbildung ihrer krankheitsbedingten Hautveränderungen auf, was eine Remission (also den Stillstand der Krankheit) anzeigt.
Die IL-6-Blockade könnte eine neuartige und nebenwirkungsarme Therapieoption für SLE-Patienten mit primärem Befall der Haut darstellen. „Das wäre ein großer Fortschritt bei der Therapie dieser schweren chronischen Erkrankung", betont Erstautor Peter Birner vom Klinischen Institut für Pathologie. „Es ist zu hoffen, dass auch beim Menschen eine deutliche Verbesserung der Symptome sowie eine wesentliche Lebensverlängerung durch das Hinauszögern invasiver Eingriffe erreicht werden kann", fügt Lukas Kenner hinzu.
Quelle: Medizinischen Universität Wien
