Behandlung der Arteriosklerose

Ein gesunder Lebensstil mit körperlicher Bewegung und ausgewogener Kost sind sicherlich eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung.

Bei nachgewiesener, ausgeprägter Arteriosklerose stellt sich unbedingt die Frage nach dem Vorliegen der oben schon erwähnten vier wichtigsten Risikofaktoren - Fettstoffwechselstörung, Bluthochdruck, Diabetes mellitus und Nikotinkonsum. Während Nikotinabstinenz eine Aufgabe des Patienten ist, wird der Arzt über den Einsatz von Medikamenten entscheiden. Die Frage, ob bei entsprechender Schwere der Erkrankung Arterien mit einem Katheter aufgedehnt werden sollen, oder ob sogar eine Operation sinnvoll ist, muss immer individuell und nach vorheriger ausreichender Diagnostik beantwortet werden.

Im Frühstadium einer Arteriosklerose ist gegebenenfalls zunächst nur eine Optimierung des Lebensstils notwendig. Zusätzlich bedarf es aber frühzeitig dann auch einer medikamentösen Behandlung der Risikofaktoren. Eine „Heilung“ der Arteriosklerose ist so gut wie nicht möglich, durch eine optimale Behandlung - die unbedingt auch eine konsequente Mitarbeit des Patienten erfordert - kann aber auch im fortgeschrittenen Stadium meist ein Fortschreiten der Erkrankung verhindert und die Lebensqualität und Lebensdauer günstig beeinflusst werden.

Medikamentöse Therapie

Es gibt bislang noch kein Medikament, das Gefäßablagerungen auflöst und damit die Arteriosklerose zum Verschwinden bringt. Medikamente zur „Blutverdünnung“ (z. B. Acetylsalicylsäure) und zur Bekämpfung der Risikoerkrankungen (Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck oder Diabetes mellitus) können die Arteriosklerose aber oft langfristig günstig beeinflussen.

Medikamente zur „Blutverdünnung"

Ziel der Blutverdünnung ist es, die Bildung von Blutgerinnseln im Gefäßsystem zu vermeiden. Die gefürchteten Folgeerkrankungen der Arteriosklerose - wie Herzinfarkt, Schlaganfall und periphere arterielle Verschlusskrankheit - lassen sich dadurch vorbeugend behandeln. Hierfür stehen die sogenannten Thrombozytenaggregationshemmer, wie z. B. niedrig dosierte Azetylsalizylsäure (ASS -1oo mg pro Tag) zur Verfügung.

Medikamente gegen Fettstoffwechselstörungen

Zur erfolgreichen Senkung eines erhöhten Cholesterinspiegels gibt es heute eine Reihe bewährter Medikamente („Lipidsenker"). Gut wirksam sind die so genannten Cholesterin-Synthese-Hemmer, welche die körpereigene Bildung von Cholesterin in der Leber hemmen. Dadurch sinken die Werte des schädlichen LDL-Cholesterins um 20-50% während das eher gefäßschützende HDL-Cholesterin ansteigt. 

LDL-Cholesterin und das Lipoprotein (a) können durch eine so genannte Lipidapherese aus dem Blut entfernt werden. Hierbei wird das Blut über eine Armvene aus dem Körper herausgeleitet und nach der Entfernung der Fette über eine zweite Armvene dem Blutkreislauf wieder zugeführt. So kann beispielsweise der Lipoprotein (a)-Spiegel um 70% gesenkt werden. Die Behandlung muss wöchentlich bis alle zwei Wochen wiederholt werden. Die Apherese wird nur bei Patienten eingesetzt, die genetisch bedingt sehr hohe Werte von LDL-Cholesterin und/oder Lipoprotein (a) aufweisen, und bei denen alle anderen Möglichkeiten zur Senkung der Blutfette ausgeschöpft wurden Das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen ist bei diesen Patienten besonders hoch, und Komplikationen treten oft schon sehr  rüh auf.

Seit zwei Jahren sind in Deutschland die PCSK9-Hemmer zugelassen, wobei es sich allerdings um sehr hochpreisige Präparate handelt, die vor allem bei schwerer angeborener Fettstoffwechselstörung den LDL-Spiegel zusätzlich zu den Lipidsenkern deutlich absenken können. Es hat sich gezeigt, dass auf diesem Weg oft sogar die noch erheblich teurere und auch zeitaufwändige Lipidapherese vermieden werden kann.

Medikamente gegen Bluthochdruck

Es gibt zahlreiche Medikamente gegen hohen Blutdruck mit unterschiedlichem Wirkungsansatz. Oft ist zur Behandlung auch eine Kombination von zwei oder drei Medikamenten notwendig. Bei Beginn der Einnahme kann es gelegentlich zu leichtem Schwindelgefühl kommen, weil sich der Körper an den zu hohen Blutdruck gewöhnt hat. Nach guter Einstellung verschwinden die meisten Nebenwirkungen aber von selbst.

Medikamente gegen Zuckerkrankheit

Ein besonders hohes Risiko für die Arteriosklerose haben Patienten mit Diabetes mellitus, besonders wenn sie zusätzlich übergewichtig sind und an Bluthochdruck und/oder einer Fettstoffwechselstörung leiden. Dieses Krankheitsbild wird als „metabolisches Syndrom“ bezeichnet. Eine optimale Blutzuckereinstellung wird meist nicht allein durch eine angepasste Ernährung, sondern erst durch den Einsatz von Antidiabetika erreicht. Eine Behandlung mit Medikamenten ist dann am effektivsten, wenn die Patienten gleichzeitig ihren Lebensstil anpassen und die Medikamente genau nach Vorschrift des behandelnden Arztes einnehmen.

Intervention und Operation

In schweren Fällen, bei denen eine Komplikation (Herzinfarkt, ausgeprägte periphere arterielle Verschlusskrankheit, Schlaganfall) droht, ist ein interventionelles oder operatives Vorgehen unumgänglich. Abhängig vom Ort der Plaquebildung (Herzkranz- oder Beingefäße) und der Schwere der Symptome kann der Arzt mittels Katheter die Ablagerungen bzw. die Gefäßverengungen (Stenosen) aufdehnen und somit den Blutstrom wieder normalisieren.

Die Aufdehnung (Angioplastie) erfolgt durch einen kleinen Ballon, der am Ende des einzuführenden Katheters sitzt. Dieser wird mit Flüssigkeit aufgefüllt, wenn er im Bereich der verengten Gefäßstelle platziert ist. Durch den entstehenden Druck weitet sich das Gefäß. Damit nach erfolgtem Eingriff nicht bald eine neue Verengung entsteht, kann ein röhrenförmiges feinmaschiges Metallgitter, ein so genannter Stent, an der verengten Stelle platziert werden. Alternativ können manche Ablagerungen auch mit Hilfe eines winzigen, rotierenden Bohrkopfes oder mit einem Laser beseitigt werden.

Bei weit fortgeschrittener Arteriosklerose oder bei einem Verschluss in einem längeren Arterienabschnitt kann auch eine Bypass-Operation helfen. Dabei wird die Engstelle mit einer körpereigenen Vene überbrückt, um eine ausreichende Blutversorgung bzw. einen ausreichenden Blutstrom sicher zu stellen. Alternativ kann auch synthetisches Material, wie beispielsweise ein Teflon- oder Kunststoffschlauch verwendet werden. Schließlich besteht oft auch die Möglichkeit, hochgradige Gefäßverengungen (Stenosen) oder auch Gefäßverschlüsse durch eine offene Operation mit Ausschälen des oft massiven Plaquematerials zu beseitigen.

Autor/Autoren: Wissenschaftliche Beratung und Ausarbeitung: Dr. Gerhart Tepohl, München

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern
Meyer, J. et al. (Hrsg.)
Elsevier, 5/2017

Letzte Aktualisierung: 18.08.2017

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