Fibromyalgiesyndrom (FMS): Anzeichen, Symptome & Auswirkungen

Anzeichen & Symptome einer FMS

Kernsymptome des FMS sind chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen, Schlafstörungen bzw. nichterholsamer Schlaf und körperliche und/oder geistige Müdigkeit bzw. Erschöpfungsneigung (Fatigue). Die vorläufigen diagnostischen American-College-of-Rheumatology (ACR)-2010-Kriterien und die Forschungskriterien des FMS (sogenannte 2011-Kriterien) definieren diese drei Symptome als Hauptsymptome des FMS. Die neuen diagnostischen Kriterien ersetzen den klinischen Befund der tenderness bei Daumenpalpation  durch die Symptome körperliche und/oder geistige Erschöpfungsneigung (z. B. Konzentrationsstörungen) und nicht erholsamer Schlaf. Daneben leiden FMS-Patienten unter einer Reihe unterschiedlichster Beschwerden, die auch bei vielen anderen Erkrankungen auftreten können.

Permanente Bindegewebsschmerzen in verschiedenen Körperregionen, ähnlich wie die allgemeinen Muskelschmerzen zu Beginn einer Grippe, sind ein charakteristisches Krankheitszeichen der FMS. Leidet ein Patient an Dauer- und Ruheschmerz in mindestens vier Körperregionen über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten, so kann dies auf eine FMS hindeuten, wenn keine andere Erkrankung als Ursache der Beschwerden gefunden werden kann. Die Schmerzen werden von den Betroffenen individuell unterschiedlich empfunden und als „brennend", „schneidend", „dumpf" oder „bohrend" beschrieben. Häufig werden die Schmerzen als extrem wahrgenommen und sie betreffen nicht die Gelenke selbst, treten aber in der Regel in der Nähe von Gelenken auf. Bei den immer wieder wechselnd schmerzenden Körperteilen stehen vor allem Rücken, Arme, Beine und Bauch im Vordergrund, oftmals schmerzen auch mehrere Bereiche gleichzeitig.

Die Diagnose eines FMS kann auch mit Hilfe von Druckpunkten, so genannten „Tender Points", gestellt werden. Diese Druckpunkte stellen meist Muskel-Sehnen-Ansätze dar und befinden sich an u.a. an Nacken, Schulter, Hüften und Rücken. Den älteren Kriterien der Amerikanischen Gesellschaft für Rheumatologie (ACR) von 1990 zufolge kann man dann von einer FMS sprechen, wenn Druckschmerzen bei mindestens 11 der 18 „Tender Points" bei definiertem Druck auftreten.Die Patienten klagen zudem vermehrt über eine morgendliche Gelenksteifigkeit und angeschwollene Fingergelenke. Manchmal treten Schwellungen oder Flüssigkeitsansammlungen (Ödeme) auch an den Augen auf.

Allgemeine Symptome sind vor allem Schlafstörungen, Müdigkeit, Erschöpfung und Depressionen. Patienten mit FMS schlafen meist schlecht, wachen nachts häufig auf und fühlen sich am Morgen wie „gerädert". Oft klagen die Patienten über Konzentrationsstörungen, Benommenheit und Kurzzeitgedächtnisprobleme sowie über ein Gefühl, „im Nebel zu stehen" (fibro fog). Mehr als die Hälfte der FMS-Patienten leidet unter ausgeprägten Spannungskopfschmerz. Dieser zieht typischerweise vom Nacken kommend über den Kopf nach vorne. Manchmal sind auch die Augen- und Schläfenpartie betroffen.

Zusammenfassung der am häufigsten auftretenden Krankheitszeichen:

  • Gelenknahe Schmerzen fast immer an der Wirbelsäule, oft an Schultern, Ellbogen, Händen, Knien, Sprunggelenken
  • Schmerzhafte Muskelverspannungen, z. B. am Brustbein, Gesichts- oder Kiefermuskulatur, Spannungskopfschmerzen
  • Müdigkeit, Erschöpfung
  • Gefühl, schlecht geschlafen zu haben;
  • Morgensteifigkeit; Zerschlagenheit am Morgen
  • Konzentrationsschwäche
  • Antriebsschwäche
  • geringe Leistungsfähigkeit
  • Vergesslichkeit

Auswirkungen & Komplikationen

Wie bei allen chronischen Schmerzsyndromen hat die FMS negative Auswirkungen auf das soziale und berufliche Umfeld der Patienten und natürlich auf die psychische Verfassung der Patienten selbst. Die Schmerzen und die zum Teil extreme Abgeschlagenheit machen es vielen Patienten schwer, ihren Beruf weiterhin auszuüben. Eine frühzeitige Berentung, Berufsunfähigkeit oder im schlimmsten Falle der Schritt in die Arbeitslosigkeit können die Folge sein. Dies zieht meist soziale Isolation, finanzielle Schwierigkeiten und ein reduziertes Selbstwertgefühlt nach sich. Die Patienten drohen zu vereinsamen und fühlen sich mit ihrer Erkrankung oft nicht von der Umgebung akzeptiert. Hinzu kommt, dass das FMS mit einer depressiven Störung assoziiert sein kann, jedoch berichtet nicht jede Patientin über depressive Störungen.

Für Angehörige, Freunde und Bekannte ist die FMS oft schwierig zu verstehen, da die Beschwerden organisch nicht erklärbar sind. Die Betroffenen fühlen sich deshalb oft nicht ernst genommen. Schuldgefühle, ein vermindertes Selbstwertgefühl und mangelndes Vertrauen in die eigenen Gefühle sind die Folge und können zu einer Verschlimmerung der Erkrankung beitragen.

Experte: Wissenschaftliche Beratung & Ausarbeitung: Prof. Dr. Christoph Baerwald, Leipzig

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern; Meyer, J. & Pletz, M.W. & Mayet W.-J (Hrsg.); Elsevier 5/2017

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