Fibromyalgiesyndrom (FMS): Ursachen & Risikofaktoren

Die genauen Ursachen für das Entstehen eines FMS wurden bisher noch nicht gefunden. Bei manchen Betroffenen lässt sich eine andere Erkrankung als Auslöser finden (sekundäres Fibromyalgiesyndrom), in den meisten Fällen bleibt die Ursache unbekannt (primäres Fibromyalgiesyndrom).

Derzeit wird ein Modell der Krankheitsentstehung bevorzugt, bei dem physikalische und/oder biologische und/oder psychosoziale Stressoren bei einer entsprechenden genetischen und lerngeschichtlichen Prädisposition vegetative, endokrine und zentralnervöse Reaktionen auslösen, aus denen die Symptome des FMS wie Schmerz, Erschöpfung (Fatigue), Schlafstörungen, vegetative und psychische Beschwerden resultieren. Es bestehen individuelle Unterschiede in der genetischen und lerngeschichtlichen Prädisposition sowie in den vegetativen, endokrinen und zentralnervösen Reaktionen.

Zwar ist derzeit noch nicht klar, welche Faktoren ein FMS auslösen können, andererseits konnten verschiedene Faktoren identifiziert werden, die bei Patienten mit einem FMS häufiger auftreten bzw. verändert sind. So konnte ein falsch programmiertes Schmerzgedächtnis im Gehirn bei FMS-Pateinten festgestellt werden. Ein ständiger Schmerzreiz kann die Empfindlichkeit von Nervenzellen so weit steigern, dass sie auch ohne Schmerzreiz weiter aktiv bleiben. Die Schmerzen entstehen also nicht in den betroffenen Körperstellen selbst, sondern sind eine Folge einer gestörten Schmerzverarbeitung und -wahrnehmung im Gehirn. Dies würde auch erklären, warum an den schmerzenden Stellen bislang keine krankhaften Veränderungen oder Entzündungszeichen gefunden werden konnten.

Bekannt ist, dass es bei FMS-Patienten zu Änderungen der Regelsysteme der Schmerzempfindung im Gehirn kommt. Wichtige Botenstoffe des Gehirns, die normalerweise für die Unterdrückung des Schmerzes zuständig sind (z. B. Serotonin), werden „herunterreguliert" und weniger ausgeschüttet. Andere Substanzen, wie z.B. die sogenannte Substanz P, deren Aufgabe es ist, den Schmerz von der betroffenen Körperstelle an das Gehirn zu melden, werden vermehrt gebildet. Ausgangspunkt der Schmerzsymptomatik bei Patienten mit FMS könnten Schmerzen sein, die beispielsweise durch Unfälle oder Operationen ausgelöst wurden und die unabhängig vom ursächlichen Ereignis fortbestehen. Jedoch ist die Datenlage bezüglich des Zusammenhangs von Unfällen und auch Infektionen mit einem FMS nicht konsistent.

Ausgangspunkt der Erkrankung sind oft Fehlbelastungen und berufliche sowie familiäre Überforderung. Die Betroffenen sind oftmals Persönlichkeiten, die einen hohen Leistungsanspruch an sich selbst haben. Krisensituationen, Konflikte oder auch hormonelle Umstellungen können dann dazu führen, dass innere Spannungen zu nicht mehr lösbaren, äußeren Verspannungen führen. Schlafstörungen, Schulter-, Nacken- und Rückenschmerzen, die in Arme und Beine ausstrahlen, führen dann zu dem allgemeinen Schmerzbild. Auch besteht eine Assoziation zu Lebensstilfaktoren wie Rauchen, Übergewicht und mangelnder körperlicher Aktivität.

Eine Vielzahl äußerer Faktoren kann das Krankheitsbild beeinflussen. Dazu zählen:

  • Psychischer Stress durch Konflikte in Familie und Beruf, Todesfälle usw.
  • körperliche Misshandlung und sexueller Missbrauch in der Kindheit und im Erwachsenenalter
  • Depressionen
  • Schlafmangel
  • Körperliche Überlastung
  • Verletzungen
  • Schwere Erkrankungen
  • Falsche Körperhaltung, Schwäche der Bänder in den Gelenken
  • Wetterwechsel, feucht-kalte Witterung

Experte: Wissenschaftliche Beratung & Ausarbeitung: Prof. Dr. Christoph Baerwald, Leipzig

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern; Meyer, J. et al. (Hrsg.); Elsevier 5/2017

Letzte Aktualisierung: 18.08.2017

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