Grippe: Auswirkungen & Prognose

Der Verlauf einer Grippe hängt einerseits vom Typ des Influenza-Virus selbst ab, und andererseits vom Alter sowie vom gegenwärtigen Zustand des Abwehrsystems des Patienten (siehe Risikofaktoren). Für einen an sich gesunden Organismus mit einem intakten Immunsystem stellt die Grippe zumindest bei jüngeren Menschen in der Regel kein lebensbedrohendes Problem dar und die große Mehrzahl der Grippe-Infektionen geht mit einer völligen Gesundung des Patienten einher. Allerdings ist aufgrund der Verschlechterung des Immunsystems mit zunehmendem Alter (Immunoseneszenz) mit einer deutlichen Zunahme schwer verlaufender Erkrankungen ab dem 6. bis 7. Lebensjahrzehnt zu rechnen. Komplikationen, die schlimmstenfalls zum Tode führen können, treten daher vor allem bei älteren Menschen auf sowie bei Personen mit bereits bestehender Vorerkrankung der Atemwege (wie Asthma oder COPD), der Nieren oder des Herzens und bei immungeschwächten Patienten, aber auch bei Schwangeren insbesondere in der 2. Schwangerschaftshälfte und wenn Risikofaktoren wie Übergewicht und/oder Diabetes hinzukommen.

Auch bei unkomplizierten Erkrankungen kann der Heilungsprozess in einigen Fällen mehrere Wochen mit einem ständigen und bisweilen quälenden Reizhusten andauern. Sportliche Betätigungen und sonstige stärkere körperliche Anstrengungen sollte man erst wieder aufnehmen, wenn die Erkrankung vollständig abgeklungen ist. Vor allem bei Leistungs- und Ausdauersportlern ist dann auch eine ärztliche Abschlussuntersuchung empfehlenswert, da die Influenza gelegentlich auch bei jungen gesunden Menschen eine Herzmuskelentzündung verursachen kann, die nicht immer bemerkt wird und die vor stärkeren körperlichen Belastungen vollständig abgeklungen sein sollte.

Dass fast alle an Grippe erkrankten Menschen nicht arbeitsfähig sind, versteht sich aufgrund der Schwere der Erkrankung beinahe von selbst. Das hat auch wirtschaftliche Auswirkungen. Man schätzt, dass in den westlichen Industrieländern etwa 10% der krankheitsbedingten Arbeitsausfälle durch Influenza-Infektionen verursacht werden.

Experte: Wissenschaftliche Beratung und Ausarbeitung: Prof. Dr. Thomas Löscher, München

Literatur:
Lehnert R et al. Antivirale Arzneimittel bei saisonaler und pandemischer Influenza. Ein systematisches Review. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 799
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern; Meyer, J. & Pletz, M.W. & Mayet W.-J (Hrsg.); Elsevier 11/2016
Salzberger B, Schmidt B: Neues zur Influenza. Dtsch med Wochenschr 2016; 141: 1451

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