Grippe: Diagnose

Die eindeutige Erkennung einer Grippe anhand der Symptome und der Befunde bei der körperlichen Untersuchung ist im Anfangsstadium auch für den Arzt nicht immer leicht, da die Beschwerden bei einer einfachen Erkältungskrankheit ähnlich sein können. Für eine Influenza sprechen aber bei Erwachsenen ein plötzlicher Krankheitsbeginn in der kalten Jahreszeit, hohes Fieber, trockener Husten und ein schweres allgemeines Krankheitsgefühl. Insbesondere bei älteren und/oder immungeschwächten Menschen sollte aber auch bei nicht-fieberhafter, eher unspezifischer Symptomatik während der Grippewelle an Influenza gedacht werden.

Da viele andere Atemwegserreger- wie z.B. Rhinoviren, Respiratorische Synzytial-Viren, humane Metapneumoviren oder Mykoplasmen - ähnliche klinische Bilder wie die Influenza hervorrufen können, sind für eine sichere Diagnose Laboruntersuchungen notwendig. Die Influenzaviren können mit verschiedenen Methoden im Nasen/Rachenabstrich und anderen Proben aus den Atemwegen des Patienten nachgewiesen werden. Neben der Anzucht der Viren in einer Zellkultur, die nicht immer gelingt und einige Tage dauert, gibt es so genannte Influenzaschnelltests, deren Nachweisempfindlichkeit je nach Influenzatyp bzw. -Subtyp allerdings begrenzt ist. Für den behandelnden Arzt kann diese schnelle, in der Praxis durchführbare Diagnostik jedoch sehr hilfreich sein, da ein positiver Schnelltest während einer Grippewelle eine hohe Aussagekraft besitzt. Allerdings schließen negative Tests eine Influenza nicht aus.

Am besten und zuverlässigsten sind heute molekularbiologische Methoden wie die so genannte Polymerase-Kettenreaktion (PCR), die vor allem bei schweren Fällen durchgeführt werden sollte, z.B. bei allen Patienten die im Krankenhaus behandelt werden müssen. Mit Hilfe einer Blutuntersuchung ist auch ein Test auf bestimmte Antikörper gegen das Influenza-Virus möglich. Doch häufig sind diese erst bis zu 14 Tage nach der Ansteckung verlässlich nachweisbar. Die Labormethoden dienen nicht nur zur Sicherung der Diagnose beim einzelnen Patienten, sondern sie sind auch wichtig zur Erfassung epidemiologischer Daten wie Beurteilung und Verlauf einer Grippewelle oder -Epidemie, zur Charakterisierung aktuell zirkulierender Virusvarianten und Beurteilung ihrer Empfindlichkeit gegen die zur Behandlung eingesetzten Medikamente (Virustatika-Resistenz) sowie zur Beurteilung der Wirksamkeit der aktuellen Grippeimpfung.

Experte: Wissenschaftliche Beratung und Ausarbeitung: Prof. Dr. Thomas Löscher, München

Literatur:
Lehnert R et al. Antivirale Arzneimittel bei saisonaler und pandemischer Influenza. Ein systematisches Review. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 799
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern; Meyer, J. et al. (Hrsg.); Elsevier 11/2016
Salzberger B, Schmidt B: Neues zur Influenza. Dtsch med Wochenschr 2016; 141: 1451

Letzte Aktualisierung: 18.08.2017

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