Hepatitis E: Ursachen, Übertragung & Risikofaktoren

Ursachen & Übertragung

Vom Hepatitis E-Virus sind insgesamt sieben Genotypen („Stämme“) bekannt, von denen die Genotypen 1-4 als Krankheitserreger für den Menschen relevant sind. Nach –wahrscheinlich zu gering geschätzten- Berechnungen der WHO verursacht die Hepatitis E jährlich weltweit ca. 20 Millionen Infektionen, von denen etwa 56.000 tödlich verlaufen.

Die Genotypen 1 und 2 kommen in Entwicklungsländern vor. Der Mensch ist der einzige Wirt. Die Viren werden wie die Erreger der Hepatitis A über mit menschlichen Ausscheidungen verunreinigtes Wasser übertragen und verursachen wie diese häufig eine akute Virushepatitis („Gelbsucht“). Dabei ist bei der Hepatitis E trotz des ähnlichen Krankheitsverlaufes das Risiko einer schweren oder sogar tödlichen Infektion deutlich höher als bei der Hepatitis A. Tödliche Verläufe treten am häufigsten bei einer Infektion während der Schwangerschaft auf.

Der Genotyp 3 kommt dagegen vor allem in den Industrienationen vor. Neben dem Menschen werden auch eine Reihe von Wild- und Haustieren befallen. Systematische Untersuchungen aus den letzten Jahren haben gezeigt, dass ca. 17 % in Deutschland lebenden Menschen Antikörper gegen diesen Virusstamm haben, also im Laufe ihres früheren Lebens eine Infektion durchgemacht haben müssen. Erwartungsgemäß steigt der Anteil von Personen mit positivem Antikörpernachweis mit dem Lebensalter an und macht bei über Sechzigjährigen etwa ein Viertel der hiesigen Bevölkerung aus. Im Unterschied zu den Entwicklungsländern verlaufen die akuten Infektionen hierzulande nahezu immer unbemerkt. Ebenso sind schwere oder gar tödliche Verläufe extrem selten. Die Übertragung auf den Menschen findet überwiegend durch infizierte Fleischprodukte statt. Daneben kommen auch Ansteckungen durch Bluttransfusionen vor, wenn Blutprodukte von vermeintlich gesunden Personen mit aktiver Infektion (akut oder chronisch) übertragen werden. Auch Infektionen durch die Transplantation von Organen infizierter Personen wurden beschrieben.

Während man bis vor wenigen Jahren noch davon ausging, dass eine Hepatitis E – sofern sie überlebt wird - immer ausheilt und zu einer lebenslangen Immunität führt, hat sich mittlerweile gezeigt, dass der in den Industrieländern vorkommende Genotyp 3 zu chronischen Infektionen der Leber führen kann. Hiervon sind Personen mit stark geschwächtem Immunsystem betroffen. Die Krankheitsverläufe ähneln dann denen bei anderen chronischen Virushepatitiden (B oder C) mit dauerhaft erhöhten Leberwerten und Fortschreiten zu einer Leberzirrhose.

Risikofaktoren

In Entwicklungsländern wird eine Hepatitis E meistens durch mit Fäkalien kontaminiertes Trinkwasser übertragen („fäkal-oral“). In den Industrienationen ist das bei der Zubereitung nicht ausreichend erhitzte Fleisch infizierter Tiere (v.a. von Schweinen) die wichtigste Infektionsquelle. Das Erregerreservoir betrifft vor allem Wildtiere (Wildschweine!). Daneben gibt es Einzelfallberichte über Infektionen durch kontaminierte Meeresfrüchte. Erwärmen auf > 70° für mindestens 20 Minuten tötet den Erreger ab. Direkte Übertragungen über Körperausscheidungen von einer infizierten Person auf eine gesunde sind selten und durch konsequente Hygiene vermeidbar.

Experte: Wiss. Beratung & Ausarbeitung: Prof. Michael Scheurlen, Würzburg

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern; Meyer, J. & Pletz, M.W. & Mayet W.-J (Hrsg.); Elsevier, 5/2017
Pischke S et al. (2014). Hepatitis E in Deutschland – eine unterschätzte Infektionskrankheit. Deutsches Ärzteblatt International 2017; Band 111, Seite:577-583: https://www.aerzteblatt.de/archiv/161389/Hepatitis-E-in-Deutschland-eine-unterschaetzte-Infektionskrankheit

Letzte Aktualisierung: 18.10.2017

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