Knochenmarks- oder Stammzelltherapie

Bei manchen Krebserkrankungen kann eine Übertragung von Stammzellen Krebs-Patienten heilen, z. B. bei Patienten mit akuten Leukämien. Dabei werden dem Patienten gesunde Stammzellen, die fortlaufend neue Blutzellen produzieren, von einem Spender übertragen. Vor einer solchen Transplantation müssen zunächst sämtliche Krebszellen durch eine Chemo- und/oder Strahlentherapie unschädlich gemacht werden (Konditionierung). Dadurch wird auch die Immunabwehr des Körpers nahezu komplett ausgeschaltet und es besteht höchste Infektionsgefahr. Die Patienten erhalten deshalb vorsorglich Antibiotika gegen Bakterien- und Antimykotika gegen Pilzinfektionen. Während dieser Zeit sind die Betroffenen auf speziellen Klinikstationen untergebracht, zu denen Kontaktpersonen nur mit Schutzkleidung und Mundschutz Zutritt haben.

Früher konnten Stammzellen ausschließlich aus dem Knochenmark gewonnen werden. Bei dieser Methode wird unter Vollnarkose etwa 1 Liter Knochenmark-Blut-Gemisch mit einer Nadel aus dem Beckenknochen entnommen. Für den Eingriff muss der Spender 2-3 Tage in einem auf solche Behandlungen spezialisierten Zentrum bleiben. Spender kann der Patient selbst sein (autologe Transplantation) oder ein gesunder Mensch, der weitgehend identische Gewebemerkmale aufweist (allogene Transplantation). Wenn möglich, werden Geschwister von Patienten als Spender bevorzugt, da bei ihnen zu erwarten ist, dass die Abwehrreaktion zwischen gespendetem Knochenmark und dem Körper nicht zu stark ausfallen. Die Wahrscheinlichkeit, einen geeigneten Familienspender zu finden, liegt bei etwa 30%. Die Knochenmarkspendersuche erfolgt meist über europaweit agierende Spenderkarteien.

Stammzellen können heute jedoch nicht nur aus Knochenmark, sondern auch aus dem Blut gewonnen werden. Dazu wird das Blut des Spenders durch eine spezielle Zentrifuge geleitet (Blutzell-Separator), die das Blut in seine Bestandteile auftrennt. Zuvor erhält der Spender 5 Tage lang einen hormonähnlichen Stoff, der die Produktion von Stammzellen anregt. Dieser Vorgang (Leukapharese) wird 2- bis 6-mal wiederholt und dauert insgesamt etwa 5-6 Stunden.

Die Stammzellgewinnung aus dem Blut hat den Vorteil, dass sie ohne Krankenhausaufenthalt und ohne Vollnarkose vorgenommen werden kann. Außerdem wachsen die entnommenen Stammzellen schneller an, so dass die Produktion gesunden Blutes früher beginnt. Welches Verfahren im Einzelfall angewandt wird, hängt von der individuellen Situation des Patienten ab.

Schutz vor Infektionen

Um die Gefahr einer Abstoßungsreaktion zu verringern, erhalten Betroffenen nach einer Stammzelltransplantation für längere Zeit Medikamente, die das Immunsystem hemmen (Immunsuppressiva). Während dieser Zeit haben die Patienten ein erhöhtes Risiko für Infektionen. Bis das körpereigene Abwehrsystem wieder einwandfrei funktioniert, dauert es in der Regel ungefähr ein Jahr.

Mit Hilfe der nachfolgenden Regeln können sich Patienten vor Infektionen nach einer Stammzelltransplantation schützen:

  • Möglichst kein oder wenig Kontakt mit Tieren, Pflanzen
  • Garten- oder Pflanzenerde kann gefährliche Mikroorganismen enthalten: Machen Sie deshalb keine Gartenarbeit und entfernen Sie Zimmerpflanzen aus dem Schlafzimmer. Hydrokulturen verringern die Infektionsgefahr, da sie seltener verschimmeln
  • Große Menschenansammlungen meiden
  • Auf gute Körperhygiene achten
  • Rohe oder weiche Eier, Spiegeleier, Tiramisu, Pudding oder Eischnee können Salmonellen enthalten
  • Kochen Sie Nahrungsmittel gut ab und vermeiden Sie Rohmilchprodukte, rohes Fleisch oder Fisch
  • Bewahren Sie Nahrungsmittel, die gekühlt werden müssen, nicht außerhalb des Kühlschranks auf und verbrauchen Sie geöffnete Nahrungsmittel unverzüglich
  • Vermeiden Sie Gewürze und Nüsse, da diese Schimmelpilze enthalten können
  • Vermeiden Sie Biotonnen und Komposthaufen: Beide enthalten extrem hohe Schimmelpilzsporen

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