Herzschwäche
Behandlung bei Herzschwäche
Die Therapie der Herzinsuffizienz zielt in erster Linie darauf ab, die Lebensqualität der Patienten zu verbessern und die Sterblichkeit zu verringern, d.h. die Lebenserwartung in Anbetracht der insgesamt ernsten Prognose zu steigern. So gilt es, die Symptomatik der Herzinsuffizienz zu lindern, die Belastbarkeit des Patienten zu verbessern und Krankenhausaufenthalte zu verhindern bzw. zu reduzieren. Hierzu stehen allgemeine sowie medikamentöse Maßnahmen zur Verfügung.
Allgemeine Maßnahmen
Patienten mit Herzinsuffizienz müssen vor allem Übergewicht abbauen. Mit zunehmender Herzschwäche nimmt auch die Tendenz zur Wassereinlagerung zu. Die Patienten sollten deshalb, ihr Körpergewicht regelmäßig kontrollieren und protokollieren, um die tägliche Flüssigkeitszufuhr und Diuretikatherapie anpassen zu können. Diätetisch ist eine balancierte Kalorienzufuhr zu empfehlen, gesalzene Speisen sind ebenso wie Alkohol bei fortgeschrittener Herzinsuffizenz zu meiden. Strenge körperliche Schonung und Bettruhe sind nur bei sehr schwerer Herzschwäche angezeigt, sonst ist regelmäßige körperliche Bewegung - in Absprache mit dem behandelnden Arzt - therapeutisch hilfreich.
Gefährlich kann die eigenmächtige Einnahme nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR) zur Behandlung von Gelenkschmerzen werden, da diese Medikamente zu akuter Verschlechterung der Herzinsuffizienz führen können.
Medikamentöse Therapie
ACE-Hemmer
ACE-Hemmer spielen eine wichtige Rolle in der Behandlung der Herzinsuffizienz. Eine günstige Beeinflussung der Krankheitsauswirkungen sowie eine Senkung der Sterblichkeit ist für diese Medikamente nachgewiesen. ACE-Hemmer (z.B. Captopril, Enalapril, Ramipril) blockieren das so genannte Angiotensin-Conversions-Enzym und vermindern dadurch die Bildung von Angiotensin II aus Angiotensin I. Damit wird in einen wichtigen Zwischenschritt einer Hormonkaskade eingegriffen, in das so genannte Renin-Angiotensin-Aldosteron-System, das in komplexer Weise für Wasserausscheidung und Blutdruckregulation mitverantwortlich ist. Kurz gesagt: Durch den Effekt der ACE-Hemmer werden die Gefäße weniger verengt (dadurch sinkt der Druck), ungünstige Umbauvorgänge am Herzmuskel reduziert und weniger Natrium und Wasser im Körper zurückgehalten.
Die häufigste Nebenwirkung der ACE-Hemmer ist ein trockener Husten, der bei ca. 5-10% der Betroffenen vorkommt. In diesem Fall kann auf die Wirkstoffgruppe der Sartane, Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten bzw. AT1-Rezeptorblocker ausgewichen werden, die ganz ähnlich wirken.
Beta-Rezeptoren-Blocker („Betablocker")
Die Betablocker (z.B. Bisoprolol, Carvedilol, Metoprolol) stellen die 2. große Säule der Herzinsuffizienz-Therapie dar und haben in einer Vielzahl von Studien einen deutlichen prognostischen Nutzen gezeigt.
Betablocker sind Arzneimittel, die im Körper die so genannten Beta-Rezeptoren blockieren. Dadurch wird die Wirkung bestimmter Stresshormone gehemmt. Diese Stresshormone (Noradrenalin, Adrenalin) haben normalerweise einen anregenden Effekt auf verschiedene Organe (u.a. das Herz). Werden sie blockiert, sinken Puls und Blutdruck. Das Herz schlägt also etwas langsamer und wird entlastet. Wichtig ist, dass die tägliche Betablocker-Dosis nur sehr langsam, über Wochen, gesteigert wird, um negative Effekte auf die Schlagkraft des Herzens zu vermeiden.
Diuretika
Zu diesen nierenwirksamen Medikamenten gehören Thiazide und Schleifen-Diuretika sowie kaliumsparende Diuretika. Sie steigern die Ausscheidung von Kochsalz und Wasser über die Nieren. Diese oft als „Wassertabletten" bezeichneten Substanzen bewirken eine rasche symptomatische Besserung bei allen Graden der Herzinsuffizienz. Luftnot und Ödeme bilden sich zurück, die Belastbarkeit wird gesteigert, die Lebensqualität erhöht. Die Prognose, d.h. die Sterblichkeit, können sie nicht verbessern.
Bei leichter bis mittelschwerer Herzinsuffizienz und normaler Nieren- und Leberfunktion ist ein langwirksames Thiazid-Diuretikum Mittel der Wahl (z.B. Hydrochlorothiazid). Bei schwererer Symptomatik und eingeschränkter Nierenfunktion müssen kurz wirksame Schleifen-Diuretika eingesetzt werden (z.B. Bumetamid, Etacrynsäure, Furosemid, Piretanid). Bei schwerer Herzinsuffizienz lässt sich durch Kombination von Thiaziden und Schleifendiuretika eine Wirkungsergänzung erzielen. Während der Therapie sind häufige Kontrollen der Nierenfunktion und der Elektrolyte (Natrium, Kalium) erforderlich.
Bei höherer Diuretikadosierung ist besonders darauf zu achten, dass der bei chronischer Herzinsuffizienz meist niedrige Blutdruck nicht noch tiefer abfällt, so dass Schwindel und Ohnmachtsneigung auftreten.
Aldosteron-Antagonisten
Bei den Aldosteron-Antagonisten (Spironolacton, Eplerenon) handelt es sich - ähnlich wie bei den ACE-Hemmern - um ein in den Hormonhaushalt eingreifendes Medikament, welches die Wasserausscheidung aus dem Körper verstärkt. Sie können bei Patienten mit Herzinsuffizienz des NYHA-Schweregrads III-IV eine Verbesserung der Prognose, d.h. hinsichtlich der Leistungseinschränkung und Sterblichkeit, bewirken.
Digitalis/orale Herzglykoside
Neuere Studien haben gezeigt, dass Patienten mit ausgeprägter Einschränkung der Herzkammerfunktion eine symptomatische Verbesserung erfahren, wenn zur üblichen Therapie mit ACE-Hemmern, Betablockern und Diuretika Digitalis-Präparate (z.B. Digitoxin, Digoxin) gegeben werden.
Einen wichtigen Grund für den Einsatz von Digitalis stellt eine Herzinsuffizienz mit begleitender Tachyarrhythmia absoluta bei Vorhofflimmern dar. Dies ist eine Rhythmusstörung, die sich durch besonders schnelle Herzfrequenzen bemerkbar macht und in der Folge die Herzleistung zusätzlich vermindert. Sofern die Rhythmusstörung nicht behoben werden kann, können Digitalis-Präparate helfen, die Herzfrequenz auf ein verträgliches Maß zu senken.
Chirurgische Maßnahmen
Bei Vorliegen von Gefäßverengungen in Folge einer koronaren Herzerkrankung kann der Blutfluss in den Herzkranzarterien durch eine Gefäßerweiterung (Ballondilatation mit eventueller Stent-Einlage) oder einer Bypass-Operation verbessert werden. Bei schweren Klappen-Erkrankungen ist eine Operation mit Klappen-Rekonstruktion oder -ersatz durch eine biologische oder mechanische Klappen-Prothese notwendig.
Bei Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz, die trotz optimaler medikamentöser Therapie weiterhin Beschwerden haben, kann (unter bestimmten Voraussetzungen) die so genannte Resynchronisationstherapie durch Schrittmacherstimulation in rechter und linker Herzkammer zur Verbesserung der Symptomatik und Prognose zum Einsatz kommen. Diese Therapieform wird heute meistens kombiniert mit der Implantation eines Kardioverters/Defribillators, um die Patienten vor tödlichen Herzrhythmusstörungen zu schützen.
Die Herztransplantation ist bei schwerster Herzinsuffizienz eine letzte, aber fest etablierte Therapieform mit einer bei diesen schwerkranken Patienten im Vergleich zur konventionellen Therapie verbesserten Überlebensrate, Belastbarkeit und Lebensqualität. Kunstherzen oder so genannte ventrikuläre Assist-Systeme können zur Überbrückung der Wartezeit bis zu einer Herztransplantation eingesetzt werden.
Die Ergebnisse der letzten 10 Jahre zeigen nach dem ersten Jahr der Transplantation eine Überlebensrate von 85% und eine 5-Jahres-Überlebensrate von etwa 70%. Die Herztransplantation macht eine intensive postoperative Betreuung sowie eine durchgreifende Therapie mit so genannten Immunsuppressiva zur Vermeidung einer Abstoßungsreaktion notwendig.
Zum Thema
- Was ist Herzschwäche?
- Formen der Herzschwäche
- Einteilung der Schweregrade
- Ursachen & Risikofaktoren bei Herzschwäche
- Symptome einer Herzschwäche
- Auswirkungen & Komplikationen
- Untersuchungen & Diagnose
- Behandlung bei Herzschwäche
- Verlauf & Prognose
- Vorsorge & Schutz
- Informationen für Angehörige
- Wichtige Adressen
- Bücher zum Thema


