Herzschwäche: Diagnose

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Herzinsuffizienz vorliegt, wird vom Arzt zunächst mithilfe der Patientenbefragung (Anamnese), körperlichen Untersuchung und im EKG bewertet. Wenn mindestens ein Untersuchungsbefund auffällig ist, sollte mit einem Labortest das Herzschwäche-Hormon (atriales natriuretisches Hormon = BNP) bestimmt werden .Liegt dieser Wert im Normbereich, ist eine Herzinsuffizienz weitgehend ausgeschlossen; ist er positiv, sind weitere diagnostische Maßnahmen (insbesondere die Ultraschalluntersuchung des Herzens) zur Diagnosesicherung erforderlich.

Bei der körperlichen Untersuchung sind für den Arzt beim Abhören mit dem Stethoskop Rasselgeräusche in der Lunge, schneller und eventuell unregelmäßiger Pulsschlag, Extratöne über dem Herzen und bestimmte Geräuschphänomene richtungsweisend. Gestaute Halsvenen, eine vergrößerte Leber oder Wasser in den Beinen (Ödeme) sind Zeichen dafür, dass auch die rechte Herzkammer eine Funktionsschwäche zeigt.

Laboruntersuchungen

Neben dem BNP-Wert, der bei Verdacht auf Herzschwäche immer bestimmt werden sollte, interessieren bei fortgeschrittener Herzschwäche die Nierenfunktion (Kreatininwert), die Elektrolyte Natrium und Kalium, die Leberenzyme und das Blutbild (z. B. Ferritin im Hinblick auf Eisenmangel). Bei leichtgradiger Herzschwäche sind hingegen keine typischen Veränderungen der Laborwerte zu erwarten.

Echokardiografie („Herzecho")

Die Echokardiografie ist eine Ultraschalluntersuchung des Herzens. Ihr kommt bei der Diagnose einer Herzschwäche sowie zur Klärung der Ursache allergrößte Bedeutung zu.

Das „Herzecho“ erlaubt die Beurteilung der Größe der Herzkammern sowie der systolischen und diastolischen Funktion, d.h. mit welcher Kraft bzw. Elastizität die Herzkammern sich zusammenziehen bzw. erschlaffen. Das Maß für die systolische Funktion der linken Herzkammer (linksventrikuläre Funktion) ist die so genannte Ejektionsfraktion (EF), sozusagen der Auswurfanteil. Diese wichtige Größe beschreibt den prozentualen Anteil des Bluts, der nach dem Zusammenziehen der linken Kammer in die große Körperschlagader befördert wurde. Folgende Tabelle gibt die übliche Einteilung wieder:

Linksventrikuläre Funktion

Ejektionsfraktion (EF)

normal

? 55%

leicht eingeschränkt

45-54%

mittelgradig eingeschränkt

30-44%

hochgradig eingeschränkt

< 30%

Auch für eine koronare Herzerkrankung (KHK) können sich in der Echokardiografie Hinweise finden. Insbesondere wenn der Herzmuskel in einem bestimmen Bereich der Herzmuskelwand „ausgedünnt" erscheint und sich an diesen Stellen nicht mehr ordnungsgemäß bewegt, ist dies ein Zeichen für einen überstandenen Herzinfarkt. Mediziner sprechen auch von einer umschriebenen Akinesie (Bewegungslosigkeit).

Sehr hilfreich ist die Echokardiografie für die Beurteilung der Herzklappen, wobei sowohl die Beschaffenheit als auch die Funktion der Klappen begutachtet werden. So ist es auch ohne Herzkatheter möglich, den Schweregrad einer Klappenundichtigkeit (Insuffizienz) oder einer Klappenverengung (Stenose) exakt zu bestimmen. Dazu werden mit der Doppler-Technik die Blutströme über den Klappenöffnungen gemessen.

Elektrokardiogramm (EKG)

Ein 12-Kanal-EKG wird bei allen Patienten mit Herzinsuffizienz registriert, um den Herzrhythmus, die Herzfrequenz, Störungen der Erregungsleitung (z. B. AV-Block, Schenkelblock) und Erregungsrückbildung (z. B. Ischämiezeichen, QT-Verlängerung) festzustellen. Außerdem kann das EKG Hinweise geben auf überstandenen Herzinfarkt oder eine Herzmuskelverdickung (Myokardhypertrophie) als Ursache einer Herzinsuffizienz.

Belastungsuntersuchungen

Belastungstests auf dem Fahrradergometer oder Laufband sollten bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Herzinsuffizienz erwogen werden, um den Schweregrad der Leistungseinschränkung, die Symptome, Herzrhythmusstörungen und Blutdruckreaktion zu erfassen. Ein Belastungstest ist auch Voraussetzung, um das bei Herzinsuffizienz therapeutisch so wichtige Belastungstraining festzulegen.

Kardiale Bildgebung

Eine kardiale MR-Untersuchung wird empfohlen bei Verdacht auf eine Herzmuskelentzündung oder Herzmuskelerkrankung durch Amyloidose, Sarkoidose, Hämochromatose, ferner auch zur Differentialdiagnose koronare Herzerkrankung. Eine koronare CT-Angio kann bei Verdacht auf Herzinsuffizienz und zum Ausschluss einer Koronaren Herzkrankheit durchgeführt werden.

Herzkatheteruntersuchungen

Die selektive Darstellung der Herzkranzgefäße mit Röntgenkontrastmittel (Koronarangiografie) ist bei Patienten mit Herzinsuffizienz und hoher Wahrscheinlichkeit für eine Koronargefäßerkrankung als Ursache der Herzschwäche erforderlich. Bei Nachweis einer Koronargefäßverengung kann diese meistens durch einen Ballonkatheter/Stent erweitert werden. Während Kathetertechniken heutzutage auch bei bestimmten Herzklappenerkrankungen (z. B. TAVI bei Aortenklappenstenose, Mitralklipping bei Mitralklappeninsuffizienz) und Herzrhythmusstörungen therapeutisch eingesetzt werden, kommen Herzkatheteruntersuchungen (Links- und Rechtskatheter) bei Herzschwäche nur noch zur Klärung bestimmter Fragestellungen vor einer Klappenoperation oder zur Therapieüberwachung zum Einsatz.

Experte: Wissensch. Beratung und Ausarbeitung: Prof. Dr. med. Wolfram Delius, München

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern Meyer, J. et al. (Hrsg.)
Elsevier 5/2017

Letzte Aktualisierung: 18.08.2017

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