22.05.2008

Verhindern Darmbakterien den Erfolg von Diäten?

Wer kalorienreiche Nahrung zu sich nimmt, fördert damit möglicherweise bestimmte Darmbakterien, die Kalorienaufnahme noch effizienter machen... 

 Bild: Stäbchenförmige Bakterien
unter dem Mikroskop.Die Darmflora spielt eine wesentliche Rolle bei der Entstehung von Übergewicht und Fettleibigkeit. US-amerikanische und schwedische Forscher haben nämlich entdeckt, dass sich bestimmte Bakterienarten im Darm bei einer fett- und zuckerreichen Ernährung übermäßig vermehren und die Kalorienaufnahme fördern (Cell Host & Microbe 2008, 3: Seite 213).

„Wenn man das Wachstum bestimmter Darmbakterien stoppt, könnte man vielleicht dazu beitragen, dass Menschen übergewichtig werden", vermutet Prof. Richard Raedsch vom Berufsverband Deutscher Internisten (BDI). Denn Studien hätten gezeigt, dass speziell gezüchtete Mäuse ohne Darmbakterien auch bei sehr fett- und zuckerreicher Ernährung nicht zunähmen. Beim Menschen könnte dies ähnlich sein: „Fettleibige Personen haben eine andere Darmflora als schlanke Menschen. Senken sie ihr Übergewicht, ändert sich auch die Zusammensetzung der Darmbakterien", so Prof. Raedsch.

Manche Bakterien begünstigen Kalorienaufnahme

Wie die meisten Tiere ist auch der Mensch auf Mikroorganismen in seinem Verdauungstrakt angewiesen. Ohne sie könnte er viele Nahrungsbestandteile nicht nutzen, da ihm für die Verdauung und die Aufnahme wichtige Enzyme fehlen. Im Dickdarm leben mehr als 400 verschiedene Bakterienarten. Insgesamt beherbergt der menschliche Körper im Darm 1,5 Kilogramm Bakterien, der Stuhl besteht sogar fast zur Hälfte aus Bakterien. Die neuen Ergebnisse zeigen nun, welch großen Einfluss diese Untermieter im Darm auch auf das Körpergewicht des Menschen haben.

Mehr als 90% der im Darm vorkommenden Bakterien gehören 2 unterschiedlichen Typen an. Dabei vermehren sich die so genannten firmikuten Bakterien bei zunehmendem Körpergewicht, während die bakteroideten Bakterien weniger werden. Aus früheren Untersuchungen an Mäusen ist bekannt, dass die Bakterienflora übergewichtiger Mäuse Kohlenhydrate effizienter verwerten können. Der Körper kann diese dadurch besser aufnehmen und nimmt so mehr Kalorien zu sich.

Gesunde Ernährung bleibt wichtig

Beeinträchtigt eine ungünstige Darmflora also den Erfolg von Diäten und anderen gewichtsreduzierenden Maßnahmen? Prof. Raedsch: „Eine bestimmte, an firmikuten Bakterien reiche Bakterienflora trägt zu Übergewicht bei, indem sie die Kalorienaufnahme aus dem Darm unterstützt. Gleichzeitig bestimmt aber umgekehrt die Ernährung auch die Zusammensetzung der Bakteriengemeinschaft." Je nach Ernährungsweise würden unterschiedliche Bakterienarten gefördert oder gehemmt. Davon hänge dann ab, wie viele Kalorien aufgenommen würden. Deshalb bleibt es dabei: „Nicht die Bakterien machen uns dick, sondern unser Essen", folgert der Gastroenterologe.