Ernährungstherapie

Ursprung

Bereits seit der Antike wurden Nahrungsmittel auch als Heilmittel betrachtet. Im 19. und 20. Jahrhundert wurden schließlich verschiedene Konzepte entwickelt, in denen beispielsweise bevorzugt geschrotetes und eingeweichtes Getreide (W. Kollath), frische pflanzliche Nahrung (M. O. Bircher-Brenner) oder Frisch- und Vollkornkost (M. O. Bruker) empfohlen werden.

Da vor allem in den westlichen Industrieländern viele Erkrankungen auf eine ungesunde Ernährung zurückgeführt werden, haben Ernährungskonzepte zur Vorsorge und Behandlung von Erkrankungen in den letzten Jahrzehnten große Bedeutung erlangt. Konventionelle Ernährungskonzepte zielen in erster Linie darauf ab, die vielfach zu stark fett- und kohlenhydrathaltige Nahrung durch eine ballaststoff- und Vitamin-reiche Ernährung zu ersetzen. Damit sollen Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus oder Fettstoffwechselstörungen sowie Übergewicht vorgebeugt werden.

Eine naturheilkundliche Ernährungstherapie berücksichtigt darüber hinaus weitere Zusammenhänge zwischen Ernährungsweise und Gesundheit. Ein durch Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten gereizter Darm bzw. eine geschädigte Darmschleimhaut können Ausgangspunkt für Erkrankungen sein. Außerdem soll eine naturheilkundliche Ernährungstherapie den Säure-Basen-Haushalt positiv beeinflussen und den Körper dadurch entlasten, d.h. es kommt es zur Entwässerung, Entsäuerung und Entgiftung des Körpers.

Wirkprinzip & Durchführung

Die naturheilkundliche Ernährungstherapie umfasst eine vollwertige, vorwiegend pflanzliche  Ernährung aus Gemüse und Obst, Vollkornprodukten, Kartoffeln, Hülsenfrüchten und Milchprodukten. Auch geringe Mengen an Fleisch, Fisch und Eiern können enthalten sein. Empfohlen wird außerdem zur Hälfte unerhitzte Frischkost, wenn sie vertragen wird. Eine solche Vollwert-Ernährung ist reich an Ballast-, Nähr- und sekundären Pflanzenstoffen, beinhaltet dagegen wenig tierisches Protein, gesättigte Fettsäuren sowie Zucker. Sie ist schmackhaft, gut verträglich und leicht umzusetzen.

Es existieren verschiedene naturheilkundliche Ernährungsformen:

Hay'sche Trennkost

Hay empfahl eine Kost, die zu 70% aus Gemüse, Salat und Obst besteht. Dieser Anteil sollte immer am Beginn einer Mahlzeit stehen. Die restlichen 30% sollten entweder aus Protein-reicher oder aus Kohlenhydrat-reicher Nahrung bestehen, Proteine und Kohlenhydrate sollten nicht in einer Mahlzeit gemeinsam gegessen werden. Diese Forderung wird erfahrungsgemäß von den meisten Personen nicht lange durchgehalten, da das Kochen entsprechend langer Listen unpraktikabel ist. Wegen des Lerneffektes hinsichtlich der Nahrungs-Zusammenssetzung führt diese Kost dennoch auch ohne strikte Trennung von Proteinen und Kohlenhydraten bei Übergewicht dazu, dass das Gewicht langsam sinkt.

F.X. Mayr-Kost

Franz-Xaver Mayr zufolge sollen die durch Gärung im Darm entstehenden Abbauprodukte wie Säuren und Alkohole eine Entzündung der Darmschleimhaut auslösen. Diese werden dann in das Blut- und Lymphsystem aufgenommen. Bestimmte Nahrungsmittel sollen deshalb gemieden werden. Dieses Ernährungsmodell wird häufig in Form spezieller „Mayr-Kuren" angeboten und umfasst Maßnahmen wie Milch-Semmel-Kuren oder die milde Ableitungskur nach Mayr. Die Mayr-Kost ist verhältnismäßig einseitig.

Vegetarische Ernährung

Vegetarier nehmen kein Fleisch, Fisch sowie daraus hergestellte Produkte zu sich. Als vegane Ernährung wird ein zusätzlicher Verzicht auf Milchprodukte, Eier und Honig bezeichnet. Vegetarische Ernährung ist reich an Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen sowie sekundären Pflanzenstoffen. Sie kann jedoch zu wenig Vitamin D und B12 sowie Eisen und Zink enthalten, wenn nicht ausreichend Vollkornprodukte gegessen werden. Veganer können zudem einen Protein- und Kalziummangel aufweisen. Produkte aus Vollkorngetreide sowie Nüsse, Samen und Keimlinge können diesen Mangel ausgleichen.

Die immer wieder beschriebenen Lebensverlängerungen von Vegetariern im Vergleich zu Fleisch-Essern sind großteils auf den ansonsten gesünderen Lebensstil der Vegetarier (Nichtraucher, wenig Alkoholgenuss) zurückzuführen. Die Wirksamkeit einer vegetarischen Ernährung ist in wissenschaftlichen Studien untersucht.

Vollwertkost nach Bruker

Bei der „vitalstoffreichen" Vollwertkost nach Bruker werden naturbelassene Lebensmittel empfohlen, industriell verarbeitete (Erhitzen, Konservieren, Bestrahlen) dagegen abgelehnt. Sie enthält reichlich Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Tierisches Fett, Cholesterin und Purine sind deutlich weniger enthalten. Für Kinder, ältere Menschen, Magen-Darm-Patienten sowie Menschen mit schwachem Immunsystem ist diese Ernährungsform nicht geeignet, da die weitgehende Vermeidung von erhitzten Lebensmitteln eine erhöhte Infektionsgefahr birgt.

Rohkost-Ernährung

Dabei werden ausschließlich unerhitzte pflanzliche, teilweise auch tierische, Lebensmittel verzehrt. Diese Ernährungsweise sorgt zwar für eine gute Versorgung mit Vitamin A, E, B1, B6, C und Folsäure. Durch eine mangelnde Zufuhr von Protein, Kalzium, Eisen, Zink, Jod, Vitamin D und B2 kann es aber zu Mangelerscheinungen und Untergewicht kommen. Eine dauerhaft reine Rohkost-Ernährung ist deshalb nicht empfehlenswert. Sie sollte nur kurzzeitig eingehalten werden, da sonst schwerwiegende Mangelerscheinungen hervorgerufen werden können. Kinder und ältere Menschen sollten sich nicht mit Rohkost ernähren.

Makrobiotische Ernährung

Die Makrobiotische Ernährung geht auf fernöstliche Traditionen zurück. Durch eine spezielle Auswahl und Zubereitung der Nahrung soll ein harmonisches Gleichgewicht zwischen Yin und Yang hergestellt werden. Sie sollte 50 bis 60% naturbelassenes, gekochtes Getreide, 20 bis 30% Gemüse (ein Drittel davon als Rohkost), 10% Algen und Hülsenfrüchte sowie 5% Suppen beinhalten. Von Fleisch, Milchprodukte, Eier, tropischem Obst, Gemüse, Zucker, Weißmehl, Kaffee, Tee und scharfen Gewürzen wird dagegen abgeraten. Sie ist für Kinder nicht geeignet und führt insbesondere bei den höheren Stufen, in denen fast nur noch Getreide gegessen wird,  zum Mangel an verschiedenen Nährstoffen.

Besonderheiten

Eine Umstellung von normaler Durchschnittskost auf eine naturheilkundliche Ernährung mit hohem Rohkostanteil sollte langsam und schrittweise erfolgen. Insbesondere Menschen mit Verdauungsproblemen oder einem empfindlichen Darm sollten zunächst 4 bis 5 kleinere Mahlzeiten mit geringem Rohkostanteil zu sich nehmen, bis sich die Darmflora an die neue Kost angepasst hat. Eine Ernährungstherapie kann mit allen Naturheilverfahren kombiniert werden.

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