Häufige Erkrankungen der Leber

Die Leber ist sehr widerstandsfähig und kann auch dann noch ihre Aufgaben erfüllen, wenn sie teilweise geschädigt ist. Zudem kann sie Schäden sehr gut reparieren, solange diese nicht zu schwerwiegend sind. Werden Leberschäden jedoch zu spät erkannt, können diese nicht mehr rückgängig gemacht werden. Die Leber enthält selbst keine Nerven, Druckschmerz unter dem rechten Rippenbogen oder Oberbauchkrämpfe als Folge von Lebererkrankungen entstehen vielmehr durch Spannung der Bindegewebskapsel, die die Leber umhüllt. Eine typische Begleiterscheinung von Lebererkrankungen sind Müdigkeit und Leistungsabfall. Deshalb bezeichnen Mediziner auch „Müdigkeit als den Schmerz der Leber". Außerdem leiden Menschen mit einer Erkrankung der Leber häufig unter einer gestörten Blutgerinnung, da ihre Leber die dafür notwendigen Eiweiße nicht mehr ausreichend produziert.

Eine Blutuntersuchung ist ein wichtiges Hilfsmittel zur Diagnose von Lebererkrankungen Bei einer Schädigung der Leber gelangen typische Eiweiße aus den Zellen ins Blut. Erhöhte Leberwerte geben dem Arzt deshalb wertvolle Hinweise auf Art und Ausmaß der Erkrankung.

Übersicht Erkrankungen:

  • Gelbsucht
  • Hepatitis
  • Primär biliäre Zirrhose
  • Primär sklerosierende Cholangitis
  • Leberzirrhose
  • Schäden durch Alkohol
  • Akutes Leberversagen
  • Tumoren
  • Alveoläre Echinokokkose
  • Zystische Echinokokkose

Gelbsucht

Bei Gelbsucht (Ikterus) färben sich die Haut, Schleimhäute und die Lederhaut der Augen gelb. Die gelbe Farbe wird durch Ablagerung von Bilirubin in den Geweben verursacht. Gelbsucht ist also keine Erkrankung, sondern ein Symptom, das auftreten kann, wenn übermäßig viele rote Blutkörperchen zerfallen, die Leberfunktion zerstört oder der Abfluss der Galle durch Gallensteine blockiert ist.

Gelbsucht kann viele Ursachen haben, häufig tritt sie bei Erkrankungen der Leber, der Gallengänge oder der Bauchspeicheldrüse auf, z. B. bei einer Leberentzündung (z. B. Hepatitis A, B oder C), einer Leberzirrhose, bei Störungen des Galleabflusses durch Gallengangsteine oder bei einem bösartigen Tumor der Bauchspeicheldrüse (Pankreaskarzinom). Die Gelbfärbung von Haut, Schleimhäuten und Lederhaut der Augen geht zurück, wenn die Ursache der Gelbsucht behandelt wird.

Hepatitis

Eine Hepatitis ist eine Entzündung der Leber. Die Ursachen der Entzündung sind vielfältig: Viren, Bakterien, Parasiten oder Pilze, Alkohol und andere Giftstoffe, Medikamente, angeborene Störungen, Strahlentherapie, Entzündungen der Gallenwege u.a. Man unterscheidet eine akute von einer chronischen Hepatitis. Welche Beschwerden die Hepatitis verursacht, wie die Krankheit verläuft und wie sie behandelt wird, hängt von der auslösenden Ursache ab. Typische Symptome einer Hepatitis sind die Gelbsucht, Müdigkeit und manchmal Juckreiz.

Primär biliäre Zirrhose (PBC „primäre nichteitrige destruierende Cholangitis")

Die primär biliäre Zirrhose  ist eine chronische Entzündung der Gallenwege (Cholangitis). Die Ursache dafür ist unbekannt. Über 90% der Patienten sind Frauen, meist sind sie älter als 40 Jahre. Am Anfang treten wenige Beschwerden auf, später kommt es zu Juckreiz, Müdigkeit, Leistungsabfall und Verdauungsstörungen. Die Krankheit kann nicht geheilt werden, lediglich ihre Symptome können mit Medikamenten behandelt werden.

Primär sklerosierende Cholangitis

Die primär sklerosierende Cholangitis ist eine Entzündung der mittleren und größeren Gallenwege mit unbekannter Ursache. Bis zu 60% der Patienten leiden gleichzeitig unter einer Colitis ulcerosa. Die Patienten haben Juckreiz und Oberbauchbeschwerden. Später kann es zu Gewichtsverlust oder Gelbsucht kommen. Die Krankheit kann nicht geheilt werden, gegen die Beschwerden (z. B. Juckreiz) werden Medikamente gegeben. Gallengangkrebs kann langfristig die Folge sein.

Leberzirrhose

Eine Leberzirrhose ist das Endstadium vieler chronischer Lebererkrankungen. Am häufigsten wird eine Leberzirrhose durch ständigen übermäßigen Alkoholkonsum oder Viren im Rahmen einer Leberentzündung (Hepatitis) hervorgerufen. Bei der Zirrhose wird das normale Drüsengewebe der Leber umgebaut: Es bilden sich Knoten und das Drüsengewebe wird durch Bindegewebe ersetzt. Die Sinusoide und kleinen Gefäße können deshalb kein Blut mehr abtransportieren. Da durch die Leberarterie und die Pfortader jedoch weiterhin Blut in die Leber strömt, staut sich dieses vor der Leber. Dadurch erhöht sich der Druck in den Blutgefäßen, insbesondere in der Pfortader (Pfortaderhochdruck oder portale Hypertension). Außerdem kann eine „fortgeschrittene" Leberzirrhose zu einer Gelbsucht führen.  

Manchmal bilden sich neue Blutgefäße und das Blut aus der Pfortader wird über „Umgehungskreisläufe" an der Leber vorbei zum Herzen geleitet. Dann kann das Blut nicht entgiftet werden und die Leber nimmt nicht alle Nährstoffe auf, die aus dem Darm in die Pfortader gelangt sind. Bei einer fortgeschrittenen Leberzirrhose können die giftigen Substanzen ins Gehirn gelangen und dort zunächst zu Konzentrationsstörungen, Zittern, Muskelzuckungen, Gangunsicherheit, psychische Veränderungen und ständige Schläfrigkeit verursachen und später sogar zum Koma führen.

Eine Leberzirrhose entwickelt sich schleichend, oft wird sie erst in einem späten Stadium erkannt. Die wichtigste Therapiemaßnahme ist, die Grundkrankheit zu behandeln.

Schäden durch Alkohol

Regelmäßiger starker Alkoholkonsum schädigt den ganzen Körper und in besonderem Maße auch die Leber. Als Folge wird in die Leber Fett eingelagert. Kommt zu einer solchen Fettleber eine Entzündung dazu, wird dies als alkoholische Fettleber-Hepatitis bezeichnet. Bei langjährigem Alkoholkonsum kann sich eine Leberzirrhose entwickeln. Als tägliche Schwellendosis für risikoarmen Alkoholgenuss gilt eine Menge von einem halben Liter Bier bzw. einem viertel Liter Wein für Männer und ein viertel Liter Bier bzw. ein achtel Liter Wein für Frauen.

Akutes Leberversagen

Bei einem akuten Leberversagen oder akuter Leberschwäche ist die Funktion der Leber plötzlich gestört, ohne dass der Patient vorher eine Lebererkrankung hatte. Am häufigsten wird das akute Leberversagen durch eine Infektion der Leber mit Viren (Hepatitis) oder durch giftige Stoffe wie Medikamente, Drogen, Knollenblätterpilze oder Chemikalien hervorgerufen. Die Patienten bekommen Gelbsucht, haben Gerinnungsstörungen, werden schläfrig oder fallen ins Koma. Die Krankheit muss sofort behandelt werden. Ist die Leber stark geschädigt, bleibt unter Umständen nur noch eine Lebertransplantation als Ausweg.

Tumore

Es gibt gutartige und bösartige Tumore der Leber. Der häufigste gutartige Tumor ist das Hämangiom der Leber. Andere gutartige Lebertumoren sind das Leberadenom oder die fokale noduläre Hyperplasie (FNH). Meist werden die Tumoren per Zufall entdeckt. Große Tumoren werden in einer Operation entfernt. Bösartige Tumoren können entweder in der Leber selbst entstehen (hepatozelluläres Karzinom = primäres Leberzellkarzinom, Angiosarkom oder Hepatoblastom) oder Tochtergeschwülste (Metastasen) von bösartigen Tumoren an anderen Stellen im Körper sein, z. B. von einem Krebs im Darm oder in der Brust.

Alveoläre Echinokokkose

Die alveoläre Echinokokkose ist eine Infektion des Körpers mit dem Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis). Der Parasit wird durch Füchse, Hunde oder Katzen übertragen. Die Infektion breitet sich in der Leber wie ein bösartiger Tumor aus und kann die Leber zerstören. Die betroffenen Teile der Leber müssen, wenn möglich, operativ entfernt werden.

Zystische Echinokokkose

Die zystische Echinokokkose wird durch den Hundebandwurm (Echinococcus granulosus) hervorgerufen. Nach Durchdringen der Darmwand gelangen die „Hakenlarven" überwiegend über die Pfortader in die Leber. Sie können aber auch über den Blutkreislauf direkt andere Organe (Lunge, Milz, Hirn, Nieren) erreichen. Wenn möglich sollten die Zysten chirurgisch entfernt werden, alternativ kann der Arzt Albendazol zur Behandlung verabreichen.

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