Vorkommen von Diphtherie

Diphtherie kommt überall auf der Welt vor. In der Vergangenheit traten die meisten Infektionen in gemäßigten Klimazonen auf, vor allem im Herbst und Winter. In den westlichen Industrieländern erkranken jedoch seit den 1950er Jahren immer weniger Menschen. Weiterhin verbreitet (endemisch) ist die Diphtherie in vielen Ländern Afrikas, Asiens, des Südpazifiks und zum Teil auch Osteuropas. Oft treten die Fälle dabei in Ausbrüchen (Epidemien) auf, vor allem wenn die Impfraten aufgrund von sozioökonomischen Problemen und/oder Konflikten niedrig sind oder drastisch absinken. So starben bei der letzten Diphtherie-Epidemie in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion (Gemeinschaft Unabhängiger Staaten) in den 1990er Jahren mehr als 5.000 Menschen an der Infektion. In den letzten Jahren kam es zu Ausbrüchen im Jemen und in Venezuela sowie bei den Rohingya-Flüchtlingen in Myanmar und Bangladesch.

Die letzte große Epidemie in Deutschland ereignete sich zwischen 1942 und 1945 (245.000 Fälle im Jahr 1943). Noch bis in die 1960er Jahre brach die Infektion immer wieder aus: 1958 erkrankten erstmals weniger als 10.000 Menschen. In den 50er Jahren starben in Deutschland noch 4.302 Menschen an Diphtherie, in den 60er Jahren waren es noch 273 Todesfälle. Durch die breite Einführung der Kinder-Impfung ab 1960 ging die Infektion immer weiter zurück: 1964 infizierten sich in Deutschland erstmals weniger als 1.000 Menschen. Heute treten nur noch vereinzelt Diphtherie-Erkrankungen auf (seit 2001 im Durchschnitt 5 Meldefälle pro Jahr). 1997 verursachte die Erkrankung zum bislang letzten Mal einen Todesfall in Deutschland. Infektionen mit toxigenen C.-diphtheriae-Stämmen werden heute vor allem im Rahmen von Auslandsaufenthalten oder durch Kontakt mit Personen aus Endemiegebieten erworben. Seit 2010 kam es zu einem Anstieg der Meldefälle, der vor allem auf eine Zunahme von Hautdiphtherie-Fällen durch C. ulcerans zurückzuführen ist, die meist in Deutschland erworben wurden, insbesondere durch Kontakt mit infizierten Katzen oder Hunden.  

Experte: Wissenschaftliche Beratung & Ausarbeitung: Prof. Thomas Löscher, München

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern; Hrsg.: J. Meyer et al. ; Elsevier, 5/2018

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