Diphtherie: Ursachen & Risikofaktoren

Diphtherie wird durch toxinbildende Stämme des Bakteriums Corynebacterium diphtheriae (C. diphtheriae) hervorgerufen. Diese keulenförmigen Stäbchenbakterien können sich sowohl mit Sauerstoff als auch in sauerstofffreiem Milieu (anaerob) vermehren. Der Mensch ist das einzige Reservoir für C. diphtheriae.

Nach einer Infektion besiedeln die Diphtherie-Bakterien die Schleimhautoberfläche des Rachens und der Mandeln. Im Rachen werden die Schleimhautzellen um die Bakterien herum durch das Toxin zerstört, so dass ein weißgrauer Belag entsteht. Dieser Belag (Pseudomembran) besteht aus einem dichten Proteinnetz aus Fibrin mit eingelagerten weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und Zelltrümmern. Die Pseudomembranen können sich über den gesamten Nasen-Rachen-Raum und bis in den Kehlkopf und die Luftröhre ausbreiten.

Das von den Bakterien gebildete Diphtherie-Toxin gelangt aus dem Rachen in die Blutgefäße und wird durch den Blutstrom im Körper verteilt. Es kann alle Zellen des Körpers schädigen - vor allem jedoch Zellen in Herz, Nervenbahnen, Leber und Nieren, indem es die Eiweißproduktion hemmt. An den Nerven zerstört das Toxin beispielsweise die Hüllen der Nervenscheiden (Myelinscheiden) und hemmt so die Weiterleitung von Nervenimpulsen.

Nicht alle Diphtherie-Bakterien produzieren das Diphtherie-Toxin. Diese nicht-toxigenen Stämme lösen nur selten Schädigungen im Rachen und die typischen Diphtherie-Symptome aus. Sie können jedoch Haut- und Wundinfektionen sowie selten eine Entzündung der Herzklappen (Endokarditis) hervorrufen und kommen in Deutschland vor allem in Verbindung mit Risikofaktoren wie Abwehrschwäche, Drogenabhängigkeit und Obdachlosigkeit vor. In den letzten Jahren wurden zunehmend auch Einzelfälle von Diphtherie (insbesondere Hautdiphtherie) beobachtet, die durch andere, bei Tieren vorkommende Corynebakterien (C. ulcerans und selten auch C. pseudotuberculosis) verursacht wurden. Das ist möglich, wenn diese die genetische Information zur Produktion des Toxins (tox-Gene) von sogenannten Bakteriophagen (Viren, die ihre Erbinformation auf Bakterien übertragen) erworben haben.

Experte: Wissenschaftliche Beratung & Ausarbeitung: Prof. Thomas Löscher, München

Literatur:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin in 2 Ordnern; Hrsg.: J. Meyer et al. ; Elsevier, 5/2018

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