Hepatitis B: Infektionsquellen & Übertragungsrisiken

Im Blut eines Menschen erreicht das Hepatitis-B-Virus hohe Konzentrationen. Bei Kontakt mit infiziertem Blut kann durch winzige Verletzungen der Haut oder der Schleimhäute eine Infektion erfolgen. Auch andere Körperflüssigkeiten, wie z.B. Speichel, Tränenflüssigkeit, Muttermilch oder Sperma enthalten Viren, aber in einer sehr viel niedrigeren Konzentration. Das Hepatitis-B-Virus ist hoch ansteckend, da schon wenige Viruspartikel für eine Infektion ausreichen. Das Ansteckungsrisiko ist damit stark von der Virusmenge im infizierten Blut abhängig.

Etwa 60-70% der Neuinfektionen in Deutschland erfolgen durch Sexualkontakte. Dies erklärt den hohen Anteil akuter Hepatitis-B-Erkrankter unter den jungen Erwachsenen. Weltweit ist ein wesentlicher Infektionsweg auch die Übertragung des Hepatitis-B-Virus von Infizierten Müttern auf ihr Neugeborenes. Zur Vermeidung ist in Deutschland ein entsprechender Suchtest seit 1993 verbindlicher Bestandteil der Mutterschaftsvorsorge. Liegt eine Infektion der Mutter vor, wird innerhalb von 12 Stunden nach der Geburt mit der Immunisierung des Säuglings durch Impfung (passiv-aktive Immunisierung) begonnen.

Im Gegensatz zu Deutschland wird in vielen Ländern keine regelmäßige Untersuchung von Schwangeren auf eine mögliche Infektion mit HBV durchgeführt und für Neugeborene steht keine Impfprophylaxe zur Verfügung. Eine Risikogruppe sind Drogenabhängige vor allem durch die Mehrfachnutzung von verunreinigten Spritzen oder anderem Drogenbesteck. Ebenso gehören Ärzte und Pflegepersonal gemeinsam mit bestimmten Patientengruppen, z.B. Dialysepatienten, zu dem gefährdeten Personenkreis.

Weitere Infektionsmöglichkeiten mit dem Hepatitis-B-Virus bestehen beim Tätowieren oder Piercing, wenn die Hygienevorkehrungen unzureichend sind. Es können aber auch schon Rangeleien zwischen Schülern auf dem Schulhof oder Haushaltskontakte wie z.B. das Benutzen einer gemeinsamen Zahnbürste oder Nagelschere ausreichen.

In den Industrienationen besteht für die Übertragung durch Blut oder Blutprodukte seit Einführung der HBsAg-Testung in den 70er Jahren und den hohen Sicherheits- und Teststandards nur noch ein sehr geringes Restrisiko. Allerdings sind medizinische Eingriffe in Entwicklungsländern potenziell gefährlich.

 

 

Experte: Wissenschaftliche Beratung & Ausarbeitung: Prof. Dr. Cornelia Gelbmann, München

Literatur:
Meyer, J. & Pletz, M.W. & Mayet W.-J (Hrsg.)
Elsevier, 11/2016
Hepatitis B. RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten vom 20.5.16 – Merkblätter für Ärzte: http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_HepatitisB.html

Letzte Aktualisierung: 13.10.2017

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